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Kultur im Norden Ein Wunder der Klangtechnik
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09:21 04.02.2016
Besonderer Blick: Das geschwungene Dach der Elbphilharmonie.
Altpapier, Gips und Wasser sollen in der Hamburger Elbphilharmonie für exzellente Akustik sorgen: Aus diesem Material besteht die sogenannte weiße Haut im Großen Saal des Prestige-Bauobjekts. Sie gilt als dessen Herzstück, entwickelt vom Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron in Abstimmung mit dem japanischen Akustiker Yasuhisa Toyota, der die Konzepte von mehr als 50 anderen Konzerthäusern erstellt hat. Diese Art der Wandverkleidung wird erstmals in einem Konzertsaal eingebaut, sie soll auf 2100 Plätzen vollen Klanggenuss ermöglichen.

Wir können stolz sein darauf, dass wir alle solange durchgehalten haben.“Hamburgs Kultursenatorin

Barbara Kisseler

Realisiert wurde der Innenausbau durch den Baukonzern Hochtief. Fristgerecht nach zwei Jahren ist nun die Montierung der 10 000 dichten, reliefartig gefrästen Gipsfaserplatten auf 6000 Quadratmetern in dem 25 Meter hohen Raum nahezu fertig.

Von einem „vorgezogenen Freudentag“ sprach Hamburgs Kultursenatorin Barbara Kisseler (parteilos) gestern bei der Präsentation des letzten großen Meilensteins vor der geplanten Eröffnung des Konzerthauses am 11. Januar 2017. Bestens gestimmt präsentierten die Vertragspartner die spektakuläre Wandverkleidung in der großen Konzerthalle. „Wir können stolz sein darauf, dass wir alle solange durchgehalten haben“, sagte Kisseler in Anspielung an früheren Dauerstreit und Kostenexplosionen bei dem nunmehr 789 Millionen Euro teuren Gebäude.

Der Große Saal mit seiner um die Bühne in der Mitte organisch aufsteigenden „Weinberg“-Form sei von griechischen Theatern, Fußballstadien und Zelten inspiriert, sagte der Schweizer Architekt Jacques Herzog. Unten in der Mitte sitzt das Orchester, und einem Weinberg gleich gruppieren sich nach oben die Zuschauerterrassen. Jede einzelne Vertiefung der Wandverkleidung sei Teil dieser besonderen Raumtopographie. Sie erfülle ihre Funktion für eine Akustik, die auf 2100 Plätzen jedem Gast ein volles Musikerlebnis ermöglichen werde.

Ein Reflektor mit 15 Metern Durchmesser, der in der Mitte des Deckengewölbes hängt, soll den Klang gleichmäßig verteilen. Bei den Einbauten, die von fünf Handwerkerkolonnen mit je vier Mann durchgeführt worden sind, habe die maximale Maßtoleranz nur fünf Millimeter betragen, erklärte Beate Cornils, Projektleiterin von Hochtief. In ihrer Beschaffenheit und Oberflächenstruktur seien die Platten bis mehrere Stellen hinter dem Komma berechnet. Der Montage seien zwei Jahre Vorarbeiten durch Ingenieure vorausgegangen. Ein 1:10-Akustik-Modell der „weißen Haut“ ist bereits im Elbphilharmonie-Pavillon auf den Magellan-Terrassen zu sehen.

Der kleine Saal fasst 550 Zuschauer. Dort sind die Wände mit Holz verkleidet, wellige, auf den Millimeter genau gefräste Elemente. Die Sitzreihen verlaufen ganz konventionell schräg nach oben, vorne spielt die Musik.

In den kommenden Wochen sollen noch Orgel und Sitze eingebaut werden. Danach ist die Inbetriebnahme der technischen Anlagen an der Reihe.

Im April will Christoph Lieben-Seutter, seit 2007 Generalintendant von Laeiszhalle und Elbphilharmonie, das Programm für das erste Halbjahr 2017 bekanntgeben. Der Aboverkauf soll im April beginnen, der Einzelkartenvorverkauf im Juni.

Hamburgs Wahrzeichen

Baubeginn der Elbphilharmonie in der Hamburger Hafencity war im April 2007. Der Entwurf zu der Konzerthalle samt Hotel, Eigentumswohnungen und einem öffentlichen Aussichtsplatz auf dem Fundament eines ehemaligen Kaispeichers stammt vom Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron. Die Fertigstellung des Gebäudes war für 2010 geplant, sie wurde mehrmals verschoben, nun soll die Eröffnung am 11. und 12. Januar 2017 stattfinden.

Im Großen Saal mit seinen 2100 Plätzen wird dann erstmals das Residenzorchester spielen — die NDR-Sinfoniker unter ihrem Chef Thomas Hengelbrock.

Ulrike Cordes
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