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Kultur im Norden Ein allerletzter Fall für Kurt Wallander
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18:29 09.11.2013
Henning Mankell.
Lübeck

Eigentlich hat Kurt Wallander längst seinen letzten Fall gelöst. Doch nun ist er zurück — zum allerletzten Mal, wie der schwedische Autor Henning Mankell (65) verspricht. In „Mord im Herbst“ lässt er den Kommissar aus dem schwedischen Ystad doch noch einmal ermitteln, obwohl er die Serie schon vor drei Jahren für abgeschlossen erklärt hatte. Die Anhänger Wallanders wird das einmalige Comeback freuen.

Die Geschichte spielt direkt vor Wallanders letztem Fall „Der Feind im Schatten“. Noch ist keine Rede von Hund Jussi oder vom Alzheimer-Schicksalsschlag, den der Kommissar in diesem Band erlebt.

Stattdessen lässt Mankell seine Hauptfigur tief in der Vergangenheit graben. Im diesigen schwedischen Herbst ragt im Garten eines verlassenen Bauernhauses plötzlich eine Hand aus der Erde.

Das vermoderte Skelett einer Frau, die dort bereits ein halbes Jahrhundert vergraben liegt. Ein Mord wäre längst verjährt — und trotzdem beginnt Wallander zu ermitteln. Denn die Identität der Toten wirft Rätsel auf.

Der Mordfall führt, wie bei Wallander üblich, zu einer ganz anderen, größeren Geschichte: zu Flüchtlingswirren nach dem Zweiten Weltkrieg, zu Familien aus dem Baltikum, die aus dem Nichts in Schweden auftauchen und auch wieder ins Nichts verschwinden.

Es ist eine für Mankell außergewöhnlich kurze Geschichte mit nur 120 Seiten. Er kommt schnell auf den Punkt, lässt Wallander nur selten ins Nichts ermitteln. Ganz so facettenreich wie in anderen Romanen wirkt der Kommissar dadurch nicht, aber man kennt Wallander und seine Macken ja inzwischen.

In den Nachbemerkungen offenbart Mankell, dass die Geschichte schon vor Jahren (2004) für eine Krimi-Reihe in den Niederlanden entstand. Erst jetzt aber erscheint das Buch auch auf Schwedisch und Deutsch, weil die Geschichte „immer noch Leben hatte“. Dem ein oder anderen gewohnheitsmäßigen Wallander-Leser wird sie trotzdem bekannt vorkommen, denn sie wurde bereits verfilmt.

„Weitere Erzählungen über Kurt Wallander gibt es nicht“, schreibt Mankell am Ende. Dann legt er den interessantesten Teil des Bandes nach: Im Nachwort „Wie es anfing, wie es endete und was dazwischen geschah“ lässt der Autor seine Leser in alte Tagebücher blicken. Man erfährt, wie Wallander entstand, welche Bücher er lesen würde, warum er unter Diabetes leidet. Und warum Wallander im letzten Roman nicht stirbt. „Das muss er schon selbst entscheiden“, schreibt sein Erschaffer.

„Mord im Herbst“ von Henning Mankell, Paul-Zsolnay-Verlag, 120 Seiten, 15,90 Euro

Theresa Münch

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