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Kultur im Norden Ein anderer Blick auf die Welt
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18:25 16.06.2016
Schräge, pyramidenförmige Seitenteile und schmale Fensterschlitze: Der Erweiterungsbau der Tate Modern ist von außen so aufregend wie von innen. Quelle: AFP

. Seit ihrer Eröffnung im Jahr 2000 gilt die Tate Modern in London als Spitzenreiter unter den modernen Kunstmuseen der Welt. Jetzt hat die Tate noch einmal zugelegt. Das neue Schalthaus, wie der Zickzack-Anbau auf dem Gelände eines ehemaligen Themse-Kraftwerks heißt, fügt die beiden bereits existierenden Teile der Tate – das Kesselhaus und die riesige Turbinenhalle – zur „Neuen Tate Modern“ zusammen. „Dies ist nicht nur ein Anbau, sondern eine völlig neue Tate Modern mit einem neuen Blick auf die Welt“, sagt Tate-Direktor Nicholas Serota zu dem Bau, der von heute an für Besucher geöffnet hat.

Die Schweizer Architekten Herzog & de Meuron, die schon für die zum Millennium eröffnete „Original“ Tate verantwortlich zeichneten, brauchten mehr als eine Dekade, um ihr futuristisches Projekt – mit Kosten von 260 Millionen Pfund (328 Millionen Euro) – zu verwirklichen. Den Architekten ging es darum, das Äußere des Gebäudes durch die Verwendung von Ziegelsteinen in seinem historisch-industriellen Kontext zu platzieren. Die versetzte Anordnung der Steine erlaubt einen gebrochenen Lichteinfall und kreiert damit einen „Kathedralen-Effekt“ von Licht und Schatten.

Auch im Inneren dominiert der Wechsel von Grobheit und Ästhetik. Unverputzte Betonwände, abfallende Böden und niedrige Decken eröffnen fast unvermittelt den Blick auf eine schwungvolle Wendeltreppe, die die Besucher zu den großen und hellen Ausstellungsräumen führt. Entdeckungen überall:

Hinterzimmer, Videoräume, Kinos, Kissen zum Ausruhen. Gekrönt wird das visuelle Erlebnis durch eine umlaufende Aussichtsterrasse im 10. Stock, die den Besucher auf Augenhöhe mit der altehrwürdigen St. Paul’s Kathedrale bringt und einen atemberaubenden Ausblick auf die Londoner Skyline bietet.

Als führendes Kunstmuseum des 21. Jahrhunderts will die New Tate Modern, so Serota, ihren jährlich mehr als fünf Millionen Besuchern Kunst, Unterhaltung Interaktion und Bildung bieten.

Nicholas Serotas Ziel ist, zugleich „lokal und global“ zu sein. Der Zugewinn von 60 Prozent an Ausstellungsfläche bedeutet, dass dreiviertel der Neuerwerbungen der Tate seit 2000 erstmals gezeigt werden können.

Die Betonung liegt auf mehr weiblichen und nicht-europäischen Künstlern, Fotografie, Installation und Film. In der erweiterten Sammlung werden 800 Werke von mehr als 300 Künstlern aus 50 Ländern präsentiert. Werke der Performance- Künstlerin Marina Abramovic sind ebenso zu sehen wie die „Körperskulpturen“ der deutschen Bildhauerin und Aktionskünstlerin Rebecca Horn. Ihr wird ein ganzer Raum gewidmet.

Anna Tomforde

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