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„Ein bisschen Hippie“

„Ein bisschen Hippie“

Die Hamburger Band Selig stellt heute neue Songs in Rostock vor. Gitarrist Christian Neander erzählt, wie eng Schweden und die Lieder zusammenhängen.

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Christian Neander (vorne links), Leo Schmidthals (hinten links), Jan Plewka (vorne Mitte) und Stephan Eggert (rechts) sind die Band Selig.

Quelle: Foto: Mathias Botor

Eure neue Platte heißt „Kashmir Karma“. Warum dieser Titel?

Christian Neander: Wir hießen schon mal Kashmir Karma, ganz am Anfang. Wir hatten damals einen endlosen Zettel mit Bandnamen, und einer davon war Kashmir Karma. So hießen wir zwei Wochen lang, und dann kam Selig. Weil sich das gerade auch so anfühlt wie in der Gründungsphase, taucht dieser Name wieder auf. Er hat so viele Facetten: vor allem etwas Hippieeskes, was der Welt gerade guttut, wo alle verrückt werden und aggressiv sind.

Was bedeutet „Kashmir Karma“ denn genau?

Es gibt eine Gewürzmischung dieses Namens mit Opium, Ingwer, Knoblauch und anderen psychedelischen Sachen. Das passte gut zu uns und las sich eigentlich wie der Pressetext für unsere Platte.

Ihr habt die neuen Songs in Schweden aufgenommen. Warum dort?

Wir haben uns ja von unserem Keyboarder Malte getrennt – im Guten. Danach haben wir noch auf Festivals gespielt und dann gesagt, dass wir nicht in Hamburg die neuen Songs aufnehmen, sondern wegfahren. Jans Frau ist Schwedin und hat dort ein Haus geerbt, etwa 100 Kilometer von Göteborg entfernt.

Die Aufnahmen liefen anders als geplant, oder?

Im Wohnzimmer haben wir uns erst mal aufgebaut und Songs geschrieben. Wir haben eigentlich nur zur Kontrolle mitgeschnitten. Die Aufnahmen fanden wir dann aber so gut, dass wir gesagt haben: „Das ist es, das kriegen wir nie wieder so hin!“

Wie ist es Euch gelungen, das Wohnzimmer in ein Studio zu verwandeln?

Es gab fünf Schlagzeug-Mikros. Die Overhead-Mikrofone haben wir mit Gaffa-Tape oben an der Decke festgeklebt. Es war schon eine absurde Aufnahmesituation.

Und es blieb dann nicht bei einem Schweden-Besuch.

Wir sind da noch fünf Mal hingefahren – zu den unterschiedlichsten Jahreszeiten. Wir haben nicht nur Musik gemacht, sondern auch sonst viel unternommen: lange Spaziergänge, Schwimmen, Kochen .

. . Eigentlich haben wir 24 Stunden aufeinandergehockt. Wir haben uns so gut verstanden wie nie zuvor. Es war wunderschön, superkreativ und lustig.

„Unsterblich“ ist fünf Minuten lang und klingt sphärisch-rockig. Mutig, mit solch einem langen Stück ein Album zu beginnen.

Der Song ist sehr bezeichnend für die Stimmung unseres Schweden-Aufenthalts, deswegen haben wir ihn als eine Art Statement an den Anfang gestellt und nicht die Single oder dergleichen. Das Stück ist bei einer Session entstanden.

In „Lebenselixier“ geht es unter anderem ums Altern. „Nur das Karma reinigt das Drama“, heißt es in dem Song. Und weiter: „Du bist mein Lebenselixier / letztendlich werde ich unsterblich sein mit dir“. Geht es da um Eure Musik? Euer Karma beschert Euch ja auch in nicht mehr ganz jungem Alter noch viel Erfolg.

Ja, in dem Song geht’s um unsere Musik. Bevor wir nach Schweden gefahren sind, haben wir uns von unserem Management getrennt. Wir hatten keinen Plattenvertrag mehr, sondern nur noch unser Booking. Es fühlt sich für uns an wie die dritte Phase. Es gab die 90er, die Reunion-Phase, und jetzt beginnt wieder eine neue. Es macht so viel Spaß gerade mit der Band, ist so beseelt – ganz unabhängig davon, ob man das jetzt da draußen mitkriegt oder nicht. Ein Management haben wir übrigens nach wie vor nicht und sind auch zu den Dates für einen neuen Plattenvertrag sehr selbstbewusst hingegangen. Wenn die Angebote uns nicht gepasst hätten, hätten wir das Album einfach selber veröffentlicht. Wir waren sehr überzeugt von dem, was wir da produziert haben.

Das könnt ihr Euch aber wahrscheinlich auch nur erlauben, weil ihr bereits einen Namen habt.

Nee, so waren wir schon immer drauf. Bei der ersten Platte hat der Manager von Sony irgendwann gefragt: „Darf ich auch mal etwas sagen?“.

Nach zehnjähriger Trennung habt ihr Euch 2008 wiedervereinigt und mit Eurem Album „Und endlich unendlich“ (2009) auch kommerzielle Erfolge gefeiert. Fühlte sich das an wie eine „neue Band“ oder habt Ihr an alte Zeiten angeknüpft?

Das war superspeziell und absurd. Ich hatte mit Jan zehn Jahre nicht gesprochen. Dann rief er mich irgendwann an und sagte: „Operation S“. Dann hat es erst mal ein Dreivierteljahr gedauert, in dem wir uns geheim getroffen haben. Da gab’s ein merkwürdiges Essen, in dem sich alle misstrauisch beäugt haben. Wir haben uns dann ausgesprochen, Regeln entworfen, wie alles besser laufen soll, und alte Sachen geklärt. Danach haben wir dann erst Musik gemacht. Die allererste Probe war bei mir in meinem Berliner Studio. Das war krass, weil ich mir da eingestehen musste, wie sehr ich die Idioten vermisst habe. Das war wie eine Explosion und wir hatten ganz viele Ideen.

Jetzt steht Ihr im Rostocker M.A.U.Club auf der Bühne. Ihr seid Hamburger. Fahrt Ihr öfter mal an die Ostsee?

Auf Rügen haben wir gerade ein Video gedreht für den Song „Nimm mich so wie du bist“. Ich fahre supergerne an die Ostsee, vor allem auf den Darß. An den Rostocker M.A.U.-Club erinnere ich mich auch noch gut: ein netter Laden mit freundlichen Menschen.

Interview: Nele Baumann

Über die Band

Gegründet hat sich die Band Selig 1993 in Hamburg. Sie besteht heute aus Jan Plewka (Gesang), Leo Schmidthals (Bass), Christian Neander (Gitarre) und Stephan Eggert (Schlagzeug). Von Keyboarder Malte Neumann hat sich die Band getrennt.

Das Debütalbum „Selig“ erschien 1994 und landete sofort in den deutschen Charts (Platz 35). 1999 löste sich die Band auf, fand aber 2008 wieder zusammen und brachte 2009 „Und endlich unendlich“ heraus.

Live: Am 10. November in Rostock (M.A.U.Club). Am 11. November in Kiel (Max Nachttheater), am 12. und 13. November in Hamburg (Große Freiheit).

LN

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