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Ein deutscher Star aus Griechenland

Hamburg Ein deutscher Star aus Griechenland

Vicky Leandros feiert heute ihren 65. Geburtstag. Die Ehe mit Enno Freiherr von Ruffin, ihrem zweiten Mann, machte Vicky Leandros schließlich zur Freifrau von Ruffin und zur Schleswig-Holsteinerin. Bis zur Trennung 2005 lebte sie im Herrenhaus von Gut Basthorst und hielt dort gelegentlich auch Hof. 

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Vicky Leandros ist eine der erfolgreichsten Schlagersängerinnen der vergangenen 50 Jahre.

Quelle: dpa

Hamburg. Die Zuneigung, die das deutsche Schlagerpublikum Vicky Leandros entgegenbringt, gründet in der Vor-Varoufakis-Ära: als die Griechen noch nicht als lästige Hilfeempfänger und nervende Wiedergutmachungsmahner aufgefallen waren; als Lale Andersen im Hafen von Piräus sehnsuchtsvoll „Ein Schiff wird kommen“ hauchte; als Udo Jürgens den „Griechischen Wein“ besang und das Heimweh der Gastarbeiter vom Peloponnes.

LN-Bild

Vicky Leandros feiert heute ihren 65. Geburtstag. Das heimische Publikum hat die Sängerin eingemeindet.

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Vicky Leandros wurde auf der nordgriechischen Insel Korfu geboren – heute vor 65 Jahren. Besser gesagt: Heute feiert sie ihren 65. Geburtstag. Die Frage, ob sie tatsächlich 1952 zur Welt kam, ist pikant: Wenn das so wäre, dann hätte Vicky ihre erste Single „Messer, Gabel, Schere, Licht“ mit 13 Jahren veröffentlicht; dann hätte sie mit 14 Jahren beim Grand Prix Eurovision de la Chanson in Wien teilgenommen und mit „L’amour est bleu“ für Luxemburg den vierten Platz erreicht. Damals hatte der Moderator sie allerdings als „eine Sängerin aus Griechenland, 17 Jahre alt“, angekündigt.

Dass die Frage des Alters für sie kein belangloses Spiel ist, obwohl sie auch von Nahem betrachtet als wesentlich jünger als 65 durchgehen könnte, hat Vicky Leandros die „Bild“-Zeitung spüren lassen. Diese bekam von einem Leandros-Anwalt ein geharnischtes Schreiben, in dem befunden wurde: „Unserer Mandantin ist aufgefallen, dass Sie regelmäßig unter falscher Altersangabe über sie berichten...“

Das Boulevard-Blatt hatte das Geburtsjahr der Sängerin nämlich auf 1949 vorverlegt. „Wir bitten daher, durch geeignete Maßnahmen sicherzustellen, dass künftig das richtige Geburtsdatum/Alter verwendet wird“, schloss das Schreiben. Es ist nicht bekannt, dass die „Bild“-Redaktion die Hacken zusammenschlug.

Die Altersfrage sollte man nicht hoch hängen bei einer Künstlerin, deren Biografie von ihr selbst und von ihrem Vater ohnehin ziemlich frei gestaltet wurde. Das fängt bei ihrem Namen an. Vicky wurde als Vassiliki Papathanasiou geboren, das scheint sicher zu sein. Ihr Vater Leandros Papathanasiou hatte in den 1950er und 1960er Jahren als Leo Leandros eine bescheidene Schlager-Karriere in Griechenland und in der Bundesrepublik begonnen. Leo Leandros war es auch, der seine Tochter in die Sängerinnen- Laufbahn drängte. Da lebte die Familie bereits in Hamburg, wo Vicky das Gymnasium besuchte und in Gesang und Tanz unterrichtet wurde. Vater Leandros schrieb ihr ein paar Lieder, dessen erfolgreichstes sie 1972 vortrug, als sie wieder für Luxemburg am Grand Prix teilnahm und den ersten Platz errang: „Après toi“, eine Herz- Schmerz-Schnulze, die sie in mehreren Sprachen sang (auf deutsch: „Dann kamst Du, und mit Dir kam die Liebe...“) und mit der sie zum gesamteuropäischen Star wurde.

Doch das deutsche Publikum mochte seine Vicky nicht teilen, es reklamierte die selbstbewusste junge Frau mit der Chanson-Stimme für sich. Eingemeindet wurde sie spätestens mit dem Heuler „Theo, wir fahr’n nach Lodz“. Der Titel benennt zwar eine polnische Stadt, doch die zielgerichtet marschierende Melodie und der burschikose Text klangen nach urdeutschem Schlager. Überhaupt der Text. Er handelte von der Flucht aus dem Dorf, und das in einer Zeit, als der westdeutsche Nachwuchs die Großstädte entdeckte: „Dies verdammte Nest / Gibt mir den Rest / Ich fühl mich zu jung / Für Mist und Dung / Ich brauch’ Musik und Tanz / Und etwas Eleganz / Gib Dir einen Stoß / Und dann geht’s los.“ Nach Lodz nämlich, es hätte auch Berlin heißen können. Das Lied wurde deutscher Sommerhit 1974.

Die Ehe mit Enno Freiherr von Ruffin, ihrem zweiten Mann, machte Vicky Leandros schließlich zur Freifrau von Ruffin und zur Schleswig-Holsteinerin. Bis zur Trennung 2005 lebte sie im Herrenhaus von Gut Basthorst und hielt dort gelegentlich auch Hof. Sie hat inzwischen ihren Wohnsitz nach Hamburg verlegt, doch Basthorst ist weiter ihr künstlerischer Stützpunkt.

Zeichen der Umarmung der deutschen Gesellschaft waren die Bemühungen von Politikern in Berlin und Hamburg, Vicky Leandros zur Kultursenatorin zu machen. Sie lehnte ab. Dass sie das Amt der Vizebürgermeisterin und Stadträtin für Kultur in der griechischen Hafenstadt Piräus übernahm, war nur eine kurze Eskapade. Nach zwei Jahren im Amt erklärte sie 2008 den Rücktritt.

Für ihr Image als Sängerin ist ihre griechische Herkunft weiterhin ein Trumpf, denn für die Deutschen ist die Mittelmeerregion ein ewiger Sehnsuchtsort, den man sich gerne schönsingen lässt. Und so heißt es auf der Homepage von Vicky Leandros: „Ihre griechischen Wurzeln verlieren für sie nie an Bedeutung. (...) Der Reichtum an Melodien aus ihrer Heimat blieb für sie stets eine Quelle der Inspiration und Verbindung zu Griechenland – zum Beispiel durch die Lieder von Theodorakis...“ Das gibt sie weiter an ihr Publikum, denn die Liebe der Deutschen zum Hellas der Lieder konnte auch durch das Varoufakis-Griechenland nicht zerstört werden.

Schlager, Chansons und Pop

Vicky Leandros ist eine der erfolgreichsten Schlagersängerinnen der vergangenen 50 Jahre. Sie sang auch Chansons des Komponisten Mikis Theodorakis oder den Bob-Dylan­Song „Don’t Think Twice, It’s All Right“ auf französisch („N’y pense plus tout est bien“).

Ihr jüngstes Album kam 2015 auf den Markt, es heißt „Ich weiß, dass ich nichts weiß“. Musik und Texte stammen größtenteils von ihr selbst.

In Hamburg lebt Vicky Leandros seit 2002. Ihre Tochter Sandra von Ruffin ist Schauspielerin, sie stellte 2016 im Film „Der Traum von Olympia“ die jüdische Hochspringerin Gretel Bergmann dar.

Fernsehen: In der Nacht auf Sonnabend wird im BR-Fernsehen die Sendung „Musik aus Studio B“ aus dem Jahr 1968 wiederholt, in der Vicky Leandros auftrat. Beginn: 2.55 Uhr. Am Sonnabend ist sie im „Großen Sommer-Hit-Festival“ des ZDF zu sehen, das in Timmendorfer Strand aufgezeichnet wurde. Beginn: 20.15 Uhr

 Michael Berger

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