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Kultur im Norden Ein heiterer „Rigoletto“
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20:24 07.11.2013
Sascha Mink inszeniert, Margrit Dürr singt die Rolle der Gilda.
Lübeck

Giuseppe Verdis Oper „Rigoletto“ ist ein ausgesprochen düsteres Werk. Rigoletto ist ein verkrüppelter Hofnarr, der seine Umwelt mit beißendem Spott überzieht, sein Herzog ist ein übler Hallodri, Rigolettos Tochter wird durch einen Auftagsmörder „aus Versehen“ getötet. Gerade dieses Werk aber setzt die Taschenoper Lübeck in eine Version für Kinder und Jugendliche um.

„Wir haben den Blick vor allem auf die Beziehungen der Menschen in diesem Stück gerichtet“, sagt Sängerin Margrit Dürr, die die neue Fassung von „Rigoletto“ geschrieben hat. „Wir wollen zeigen, wie schwierig eine Vater-Tochter- Beziehung sein kann.“ „Und welche Probleme die erste Liebe mit sich bringen kann“, ergänzt Regisseuir Sascha Mink. Für junge Leute ab zwölf Jahren sei dieser „Rigoletto“

der Taschenoper deshalb ein aus gesprochen gutes Thema.

Fünf Personen sind auf der Bühne, das kleine Instrumentalensemble besteht aus Harfe, Geige, Cello und Gitarren, das Stück dauert gut eine Stunde. „Wir haben fast alle Texte verändert, wie das bei der Taschenoper ja üblich ist“, sagt Margrit Dürr. „Auch den Ablauf haben wir leicht geändert. Durch die neuen Texte verliert das Stück etwas von seiner Düsternis, es wird zeitweise sogar wieder lustig — und das, ohne das Stück zu verraten.“

Diese Eingriffe seien notwendig, um „Rigoletto“ ins Heutige für junge Menschen zu übersetzen, meint Sascha Mink. „Rigoletto hat bei uns keinen Buckel, er ist auch kein Hofnarr. Er ist ein Mann, der in seiner Jugend genau das getrieben hat, was der junge Herzog macht, aber diese Zeit hinter sich gelassen hat. Er ist zum Spießer geworden, der Herzog ist dementsprechend flippig.“ Rigoletto versucht in seiner Eigenschaft als Vater, Absolution von seiner Tochter Gilda für sein Fehlverhalten zu bekommen. „Das ist ein ganz alltäglicher Vorgang“, sagt Mink. „Uns ist wichtig, dass durch die Aufführung der Zuschauer aufgefordert wird, über sich selbst nachzudenken.“

Ermöglicht wird die Produktion dieses „Rigoletto“ für Jugendliche durch die Michael-Haukohl-Stiftung, die Possehl-Stiftung, die Gemeinnützige Sparkassenstiftung zu Lübeck, den Rotary Club Lübeck, die Friedrich Bluhme und Else Jebsen Stiftung sowie die Margot und Jürgen Wessel Stiftung.

Für die Taschenoper Lübeck steht im kommenden Jahr ein besonders großer Auftritt ins Haus. Gemeinsam mit den Berliner Philharmonikern wird sie in Berlin eine „Opern-Baustelle“ zu Puccinis „Manon Lescaut“ herausbringen. „Das ist ein Konzept, das wir hier in Lübeck schon erfolgreich an der ,Vampir‘-Oper umgesetzt haben“, sagt Margrit Dürr. „Dabei stellen wir verschiedene Musikstücke aus dem betreffenden Stück vor, und die Zuschauer arbeiten dann daran. Sie können die Stücke umkomponieren, neue Texte dazu schreiben oder was immer sie wollen damit machen. Am Ende werden diese neuen Stücke dann aufgeführt.“

Dieses Konzept soll, wie die Aufführungen der Taschenoper auch, bei jungen Leuten und Kindern das Interesse an der Oper wecken und die Hemmschwelle senken. „Wir haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht — und wir sind sehr froh darüber, dass unser Konzept auch den Berliner Philharmonikern gefällt.“

Premiere: morgen, 16 Uhr, Junges Studio des Theaters Lübeck

Jürgen Feldhoff

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