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Kultur im Norden Ein kleiner Einblick in das aktive Träumen
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20:13 01.11.2017
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Lübeck

Nico Uthe steht mitten im Kino. Auf der Kuppel-Leinwand am Klingenberg erscheint eine virtuelle Planetenlandschaft, einige Seifenblasen schweben herum. Er trägt weiße Handschuhe und eine VR-Brille, in seinen Händen hält er zwei sogenannte Controller. Auf der Leinwand sind zwei Arme zu sehen, die genau das tun, was Uthe will. Wenn er sich bewegt, beginnt er auf der Leinwand zu fliegen. Er saust durch Seifenblasen hindurch, macht kurz Pause, dann fliegt er wieder los, bis er einen roten Edelstein findet, den er mit beiden Armen aufsammelt. „Level beendet“, erscheint auf dem Bildschirm.

Der 34-Jährige Nico Uthe hat den Film „Lucid Trips“ mit seiner Hamburger Firma „VR-Nerds“ extra für die nordischen Filmtage entwickelt. Der Film gehört in die Reihe der interaktiven „realtime-VR-experiences“, die in diesem Jahr erstmalig auf den Nordischen Filmtagen gezeigt werden. Dass das Publikum die Perspektive eines VR-Spielers live und in Rundum-Darstellung miterleben kann, ist eine Weltneuheit. „Ich liebe das Gefühl, in meinen Träumen zu fliegen“, sagt Uthe. „Es ist ein sehr reales Gefühl. Die Idee ist, jedem das Gefühl zu geben, als würde er im Traum fliegen.“

Auf der Kuppel-Leinwand des Full Dome Kinos am Klingenberg ist nun eine eisige Schneelandschaft zu sehen. Ein paar karge Bäume stehen in der weißen Wüste. Die rund 30 Zuschauer machen es sich in Liegestühlen gemütlich. Dann erscheint ein großer Baum, auf dessen Ästen schwarze Vögel sitzen. Stuart Cappendell ist der einzige im Kino, der steht. Er dreht sich langsam, schaut nach links, lässt seinen Kopf kreisen. Dann sieht es aus, als versuche er zu balancieren. „Boah, ist das realistisch“, sagt der 52-Jährige.

Cappendell schaut den dänisch-französischen Film „Nothing happens“ mit einer VR-Brille. Anders als die Zuschauer in den Liegestühlen sieht er nicht nur einen Baum, sondern er fühlt sich, als würde er auf dem Ast stehen. „Wenn ich nach unten gesehen habe, war da der Boden. Ich wollte die Äste anfassen, aber das ging natürlich nicht“, sagt Cappendell. „Jede meiner Bewegungen wurde von der Brille registriert. Es ist sehr realistisch, wirklich faszinierend.“

Im Film „Nothing happens“ gibt es keine zeitliche Abfolge, das Werk ist mehr als performative, installationsartige Inszenierung zu verstehen, bei dem der Zuschauer mit VR-Brille bestimmt, was er sehen will. Das ist der Ansatz der Filmkünstler Michelle und Uri Kranot.„Mit der VR-Technologie wollen wir die Zuschauer in den Film holen“, sagt Uri Kranot. „Das Publikum soll Teil des Filmes sein.“

Von Hannes Lintschnig

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