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Kultur im Norden Ein langes Leben für die Musik
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20:13 08.07.2017
Als Kind wäre Herbert Blomstedt am liebsten Lokomotivführer geworden. Aus diesem Traum ist zum Glück nichts geworden, Blomstedt zählt seit vielen Jahren zur ersten Garde der Dirigentenzunft. Quelle: Foto: Shmf
Lübeck

Herbert Blomstedt ist Ehrendirigent von sieben Orchestern – das ist wohl Weltrekord. Und es spricht dafür, wie beliebt der in den USA geborene Schwede bei Musikern ist. Am kommenden Dienstag wird Herbert Blomstedt 90 Jahre alt, zwei Tage später dirigiert er im Lübecker Dom Anton Bruckners 5. Sinfonie.

Blomstedt, Sohn eines adventistischen Pastors, studierte in New York Geige und Dirigieren, sein Debüt am Pult gab er 1954 in Stockholm, Skandinavien blieb für viele Jahre sein wichtigstes Arbeitsgebiet. Für Aufsehen sorgte Herbert Blomstedt, als er 1975 Chefdirigent der Staatskapelle Dresden wurde. Ein Dirigent aus dem Westen in der DDR war damals eine außerordentlich exotische Erscheinung. Nach einigen Jahren hinter dem Eisernen Vorhang wechselte Blomstedt nach San Francisco, 1996 bis 1998 war er Chef des NDR-Sinfonieorchesters, bei dem er noch immer sehr beliebt ist.

Seine nächste Chefposition hatte er dann beim Gewandhausorchester in Leipzig inne.

Musiker in aller Welt schwärmen von der menschlichen Wärme, die Herbert Blomstedt ausstrahlt. Bei ihm gibt es keine Wutausbrüche wie bei Toscanini; Nicht-Kommunikation, wie Furtwängler sie pflegte, ist ihm auch fremd. Vor allem dem Werk von Anton Bruckner ist Herbert Blomstedt sehr zugetan – vielleicht zeigt sich in diesem Punkte eine gewisse Geistesverwandtschaft zwischen dem frommen Katholiken und dem strenggläubigen Mitglied der Siebenten-Tags-Adventisten.

Blomstedt nimmt seinen Glauben sehr ernst, während seiner gesamten Karriere hat er den Sabbat geheiligt und von Freitagabend bis Sonnabendabend nicht geprobt. Blomstedt geht dieses Risiko, Ärger bei Disponenten und Intendanten zu erregen, bewusst ein. Sein weltweiter Erfolg gibt ihm recht.

Routine ist für den Schweden ein Fremdwort. „Ich entdecke auch in Werken, die ich oft gespielt habe, immer wieder Neues“, sagt der Maestro dazu. jeden Tag wolle er etwas Neues machen, führt er diesen Gedanken fort. Und so beginnt er auch jeden Tag mit Partitur-Studien: „Das ist ein Work in Progress – man wird nie fertig, auch mit den größten klassischen Werken.“

Seinen 90. Geburtstag wird Herbert Blomstedt mit den NDR-Elbphilharmonikern verbringen, gefeiert wird später in Schweden mit Familie und Freuden. Blomstedt hat vier Töchter, die alle ebenfalls Familien haben.

Als „Ausnahmeerscheinung“ wird der Dirigent oftmals bezeichnet. Dabei plagen Blomstedt immer wieder Selbstzweifel. „Ich habe mich nie um eine Chefposition beworben, es waren immer die Orchester, die bei mir angefragt haben“, erzählt er. Seine Aufgabe sehe er darin, möglichst wenig selbst zu sagen und die Musik sprechen zu lassen. Das gelingt Herbert Blomstedt auch im hohen Alter noch außerordentlich gut.

Musikalische Träume hat aber auch der 90-jährige Blomstedt noch. Dazu gehört die Auseinandersetzung mit der zweiten Sinfonie seines Landsmannes Wilhelm Stenhammar. Mit 86 Jahren habe er sie erstmals dirigiert, sagt Blomstedt, und dabei sei sie doch Stenhammars Hauptwerk. Außerhalb Skandinaviens ist die Musik Stenhammars weniger bekannt, sie hat einen ganz speziellen nordischen Klang und gehört zu den wichtigsten schwedischen Kompositionen des 20. Jahrhunderts.

Herbert Blomstedt aber wird sich zwei Tage nach seinem Geburtstag Anton Bruckner widmen und dessen „frömmste“ Sinfonie dirigieren. Das passt. Fel

Konzert im Dom zu Lübeck

Herbert Blomstedt dirigiert am kommenden Donnerstag (13. Juli) im Dom zu Lübeck Anton Bruckners Sinfonie Nr. 5 B-Dur, es spielt das NDR- Elbphilharmonieorchester. Es gibt nur noch wenige Eintrittskarten für hintere Plätze in den Seitenschiffen (12 Euro).

Anton Bruckner komponierte seine 5. Sinfonie von 1873 bis 1875. Sie gilt als eines seiner persönlichsten Werke und trägt den Beinamen „Katholische Sinfonie“. Bruckner selbst nannte sie sein „kontrapunktisches Meisterstück“. Die Sinfonie ist mit einer Spielzeit von 78 Minuten neben der 8. die längste Bruckner-Sinfonie.

LN

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