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Kultur im Norden Ein wilder Tanz um Selbstbehauptung
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18:20 30.06.2017
Deutschland-Premiere der Londoner „Billy Elliot“-Produktion mit dem gefeierten Emile Gooding in der Titelrolle. Quelle: Foto: Stefan Malzkorn

Hamburg. Emile Gooding holt das Publikum von den Sitzen, und der junge Star selbst wirkt wie befreit, als er nach „Electricity“ den anhaltenden Szenenapplaus der Premierengäste entgegennimmt. Der Zwölfjährige ist einer von vier Darstellern, die bis zum 23. Juli als „Billy Elliot“ auf der Bühne des Mehr! Theaters am Hamburger Großmarkt stehen werden. Mehr als 100 Jungen haben die Titelrolle des Musicals seit der Uraufführung 2005 in London schon gespielt und getanzt. Dass Emile Gooding gerade am Premierenabend in Deutschland den Billy verkörpert, das ist eine große Auszeichnung – und ein gewaltiger Anspruch, den es zu erfüllen gilt.

Und es gelingt. Als das Publikum nach der zentralen Szene „Electricity“ – Billys Tanz vor dem Aufnahmekomitee der Royal Ballett School – begeistert aufspringt, weiß auch der junge Hauptdarsteller, dass „Billy Elliot“ die Zuschauer mitgenommen hat in die Zeit des großen englischen Bergarbeiterstreiks im Jahr 1984 – und in die Phase der Selbstfindung eines tanzbegeisterten Jungen, der dabei ist, seine Begabung zu finden und aus diesem Milieu herauszuwachsen.

Billy muss Vorbehalte und Widerstände überwinden. Die eines Vaters (großartig besetzt mit einem ebenso raubeinigen wie anrührenden Martin Walsh), der in der heißen Phase des Streiks, als Maggie Thatcher Polizeitruppen ausschickt, um den Widerstand der streikenden Minenarbeiter zu brechen, andere Sorgen hat und den Sohn beim Boxtraining statt in der Ballettstunde wähnt. Die einer Umgebung, deren Männerbild mit dem Grubenhelm verwachsen ist. Eine der schönsten Szenen ist, wie Billy seinen Freund Michael zu Hause in Frauenkleidern antrifft, der mit den Klamotten genüsslich auch die Kleiderkonventionen durcheinanderwirbelt. Der zehnjährige Samuel Torpey spielt das so grandios-furios – man mag nicht glauben, dass es die erste Bühnenrolle dieses kleinen Tanzteufels ist.

Die exzellente Choreographie von Peter Darling verbindet Billys Kampf und den Streik der Bergleute in sich überlappenden und verschmelzenden Tanzszenen von großer Dynamik und Emotionalität. Die Londoner Originalversion des Musicals, die in Hamburg mit deutschen Untertiteln auf Seitenbildschirmen läuft, berührt und begeistert, weil sie die Entwicklung des Jungen so eng mit einem Stück Zeitgeschichte verknüpft – und weil Emile GoodingBilly Elliot“ so leichtfüßig verkörpert. Regine Ley

Billy Elliot“ ist täglich außer montags bis 23. Juli zu sehen. Tickets unter 01805-2001 (Mo-So 9-20 Uhr)

LN

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