Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
Eine Diva und zwei Virtuosen

Lübeck Eine Diva und zwei Virtuosen

Abschlusskonzert zum „Jahr des Horns“ an der Musikhochschule mit Ab Koster und Arkadi Schilkloper.

Voriger Artikel
Der Mann, der die NDR-Sinfoniker zum Strahlen bringt
Nächster Artikel
„Das Leben ist eine Geschlechtskrankheit“

Student und Profi: Constantin Mende (l.) mit Johannes Wache von den Lübecker Philharmonikern.

Quelle: Maxwitat

Lübeck. Dieser Witz musste zum Abschluss des „Jahres des Horns“ noch einmal erzählt werden: „Warum ist das Horn ein göttliches Instrument?“, fragt Jens Plücker, Solohornist im NDR-Sinfonieorchester. Und gibt sich grinsend selbst die Antwort: „Ein Mensch bläst zwar hinein, aber nur Gott allein weiß, was herauskommt.“

Die vom Landesmusikrat in jedem Januar ausgerufene Aktion „Instrument des Jahres“ soll eigentlich Öffentlichkeitsarbeit für eine bedrohte Spezies unter den Orchesterinstrumenten leisten. Genauer gesagt: Kinder und Jugendliche sollen animiert werden, das jeweilige Musikinstrument zu lernen, damit deutsche Kulturorchester in einigen Jahren nicht austrocknen. Doch wenn bei jedem Anlass hervorgehoben wird, wie schwierig, ja launisch die Diva unter den Blechblasinstrumenten ist — greifen da junge Leute nicht lieber zur Gitarre oder setzen sich ans Schlagzeug?

Keine Angst: Mit Jens Plücker hat der Landesmusikrat einen engagierten Schirmherren und Fürsprecher für das Horn gefunden. Beim Abschlusskonzert in der Lübecker Musikhochschule demonstriert er das noch einmal eindringlich. Nach einem Jagdruf von fünf Naturhörnern — unter die Studenten der Musikhochschule schmuggelt sich auch ein Hornist der Lübecker Philharmoniker — gibt er einen kleinen Grundkurs in Hornkunde. Dass dem Naturhorn nur mit der Hand im Trichter alle Töne der Leitern entlockt werden können, dass es vor allem in der Alten Musik verwendet wird, dass seit 200 Jahren das Ventilhorn mit seinen bis zu acht Metern Rohrlänge im Gebrauch ist. Und auch: Dass das Horn überall auf der Welt Symbol des Transportwesens sei und eigentlich auch als Logo für Emails besser wäre als das Briefcouvert.

Die Musik kam nicht zu kurz bei dieser finalen Feier des Instruments des Jahres. Zwei Virtuosen demonstrierten seine breite Einsatzpalette. Zuerst und sehr zurückhaltend der Niederländer Ab Koster, Professor an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. Er spielte auf dem weich und geschmeidig klingenden Naturhorn Beethovens Sonate mit Klavierbegleitung. Die gefürchteten Nebengeräusche bleiben bei ihm aus, die große Schwierigkeit, alle Töne aus der chromatischen Leiter ohne Ventile zu erzeugen, ahnt man bei Koster nicht einmal.

Beim zweiten Spitzenhornisten des Tages geht es laut und lebhaft zu. Arkadi Schilkloper, ein prominenter Jazz-Musiker, der aus Moskau stammt und in Berlin lebt, brennt ein Feuerwerk ab. Zu seiner Unterstützung steht eine Rhythmusgruppe aus Bass, Schlagzeug und Flügel bereit, sie stimmt ein paar Blues-Akkorde an, nach und nach füllt sich die Bühne mit Tuba, Posaunen und Trompeten. Bis eine ganze Bigband zur Verfügung steht und losschmettert. Schilkloper spielt dazu ein vier Meter langes Plastik- Alphorn, lässt die Brass-Band der Musikhochschule in einen Funk-Rhythmus einpendeln — und die Dinge nehmen ihren Lauf.

Auf einem Doppelhorn und einem kleinen Fürst-Pless-Horn improvisiert der Russe meisterhaft in freier Tonalität oder zu Bop-Harmonien, die Band feuert ihn an. Zwar leitet Trompeten-Dozent Tobias Füller das gut eingespielte Orchester, doch Schilkloper kann es nicht lassen: Mit verschmitztem Lächeln winkt er in seinen kurzen Pausen die Musiker ein und aus. Er kann auch absetzen — er kann nur nicht stillhalten.

Schade, dass wenig Kinder und Jugendliche im Konzert waren. Schilklopers Spiel hätte sicherlich manchen für das Horn begeistert.

Von Klarinette bis Horn
Das Instrument des Jahres wird vom Landesmusikrat Schleswig-Holstein seit 2008 ausgerufen. Damit sollen junge Menschen für bestimmte Orchesterinstrumente begeistert werden, Konzerte im ganzen Land sorgen für Aufmerksamkeit. Als erstes Instrument wurde 2008 die Klarinette gefeiert, Schirmherrin war Sabine Meyer.
Die Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein unterstützt das Projekt mit einem Sonderpreis im Rahmen des Wettbewerbs „Jugend musiziert“. Die Auszeichnung im Rahmen des 52.
Landeswettbewerbes in der Kategorie „Horn“ ging an Paula Wende aus Lübeck.
Das Instrument des Jahres 2016 wird am 13. Januar im Landeshaus in Kiel vorgestellt.

Michael Berger

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Norden