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Eine Frau mit langem Atem

Echo-Preisträgerin aus Lübeck Eine Frau mit langem Atem

Wenn Thomas Gottschalk am kommenden Sonntag in der Elbphilharmonie die Verleihung des Echo Klassik moderiert, gehört neben Tenor Jonas Kaufmann, Geiger Daniel Hope, Bariton Matthias Goerne auch die Lübecker Pianistin Konstanze Eickhorst zu den Preisträgern.

Die Pianistin Konstanze Eickhorst gibt Meisterkurse an der Musikhochschule Lübeck und hat eine Gastprofessur in Krakau.

Quelle: MARCO BORGGREVE

Lübeck/Hamburg. Konstanze Eickhorst ist eine der erfolgreichsten deutschen Pianistinnen ihrer Generation. Am Sonntag erhält sie den Preis Echo Klassik für ihre Einspielung des Quintetts für Klavier (linke Hand allein), zwei Violinen, Bratsche und Violoncello G-Dur von Franz Schmidt (komponiert 1926) gemeinsam mit dem Linos Ensemble. „Das war eine pianistische Herausforderung“, sagt Konstanze Eickhorst.

„Paul Wittgenstein, der im Ersten Weltkrieg seine rechte Hand verloren hatte, gab das Werk bei Franz Schmidt in Auftrag. Wir, die wir es gewohnt sind, zweihändig zu spielen, müssen uns völlig umstellen, das war sehr harte Arbeit, das hat auch meine Physiotherapeutin mitbekommen.“

Auf den heute selten gespielten Spätromantiker Schmidt war das CD-Label gekommen, bei dem das Linos Ensemble viele seiner Einspielungen veröffentlicht hat. „Die Verantwortlichen dort sind ständig auf der Suche nach Raritäten, so sind sie dann auch auf Franz Schmidt gestoßen. Schmidt hat drei Klavierquintette geschrieben, ich habe dann das von Wittgenstein bestellte vorgeschlagen“, erklärt die in Lübeck lebende Pianistin. Die Arbeit hat viel Spaß gemacht, und das Ergebnis ist gut geworden. Durch das einhändige Spiel ist der Klang sehr durchsichtig geworden.“

Kammermusik hat im künstlerischen Leben von Konstanze Eickhorst schon immer eine große Rolle gespielt. „Ich habe mich von Kindesbeinen an dafür interessiert“, sagt die Pianistin. „Heute kann ich überhaupt nicht sagen, was ich lieber mache, Kammermusik oder Einzelkonzerte. Es gehört beides zu meinem Leben.“ Zum Linos Ensemble stieß Konstanze Eickhorst bereits als Studentin. Das Ensemble wurde 1977 von dem Oboisten Klaus Becker gegründet und umfasst in der Kernbesetzung fünf Bläser, fünf Streicher und Klavier. „Man hat mich damals angesprochen, ob ich bei einem Konzert den Klavierpart übernehmen wolle“, erinnert sich Konstanze Eickhorst. „Damals war ich 18 Jahre alt. Dann kam bald das Angebot, die Klavierstelle beim Linos-Ensemble fest zu übernehmen, ich bin also fast von Anfang an dabei.“

Das Linos Ensemble feiert in diesem Herbst sein 40-jähriges Bestehen mit einer Jubiläumstournee, im kommenden März wird es im Lübecker Kolosseum auftreten. Es widmet sich dem traditionellen Repertoire gemischter Kammermusik, hat aber auch Werke zeitgenössischer Komponisten uraufgeführt und Projekte zwischen Kammermusik und Sinfonik durchgeführt. Das Repertoire des Linos Ensembles umfasst rund 130 Kompositionen.

Konstanze Eickhorst hat durch ihren prallvollen Terminkalender nur wenig Zeit für Hobbys, liebt aber Sport. „Seit einigen Jahren habe ich das Laufen für mich entdeckt“, sagt sie. „Ich gehöre hier in Lübeck zu einer Gruppe von Läuferinnen, die regelmäßig gemeinsam trainiert, aber ich laufe auch gerne allein. Das ist nicht nur gesund, sondern macht den Kopf frei.“ Die Pianistin hat bereits einige Halb-Marathons absolviert; wenn sie unterwegs zu Konzerten ist, sind die Laufschuhe immer im Gepäck.

Das Repertoire von Konstanze Eickhorst ist ungemein vielfältig und reicht von Barockmusik bis zu zeitgenössischen Werken. „Aber das Klavierrepertoire ist so riesengroß, dass ein Leben nicht ausreicht, alles zu spielen“, sagt sie. Konstanze hat aber noch einige pianistische Wünsche, die sie sich erfüllen möchte: „Ich habe noch nicht alle Beethoven-Sonaten gespielt, auch von Schumann fehlen mir noch einige. Das steht auf meiner Agenda der kommenden Jahre.“

Die Pianistin

Konstanze Eickhorst stammt aus Bremen. In Hannover war sie Schülerin von Karl-Heinz Kämmerling, in Paris studierte sie bei Vlado Perlemuter.

1989 begann sie mit 28 als eine der jüngsten Professorinnen in der Geschichte der deutschen Hochschulen ihre Lehrtätigkeit an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover.

1998 folgte sie einem Ruf an die Musikhochschule Lübeck. Konstanze Eickhorst leitet Meisterkurse für Solisten und Ensembles unter anderem an der „Académie International d’été de Nice“ und ist Mitglied von Juries nationaler und internationaler Wettbewerbe. So hat sie seit 2007 den Vorsitz des Europäischen Klavierwettbewerbs Bremen inne und ist darüberhinaus Mitglied der künstlerischen Leitung.

Im Wintersemester 2016/17 übernahm sie zudem eine Gastprofessur an der Musikhochschule Krakau in Polen.

 Jürgen Feldhoff

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