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Eine Frau unter fünf Männern

Frankfurt am Main Eine Frau unter fünf Männern

Romane mit „starker Bodenhaftung“ auf der Shortlist für den diesjährigen Buchpreis.

Frankfurt am Main. . Sechs Romane, die unterschiedlicher kaum sein könnten, und doch etwas gemeinsam haben: „Eine starke Bodenhaftung“ beobachtet die Jury für den Deutschen Buchpreis bei allen Autoren, die sie auf die Shortlist setzte. Und einen ausgeprägten Realitätsbezug. Welche Realität, das ist von Buch zu Buch verschieden: Liebe im Alter und sturmfreie Bude in der Pubertät, eine psychische Erkrankung und eine zerfallende ländliche Welt, Normalbürger am Bodensee und Hooligans am Rande der Gesellschaft.

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Romane mit „starker Bodenhaftung“ auf der Shortlist für den diesjährigen Buchpreis.

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Man habe „hart und kontrovers diskutiert“, gesteht Jury-Sprecher Christoph Schröder. Nicht, weil man zu wenig gute Bücher gefunden habe unter den 20 Kandidaten der Longlist, sondern zu viele. Es sei ein außergewöhnlich guter Jahrgang. „Wer gewinnt, ist völlig offen.“ Der Sieger wird am 17. Oktober bekannt gegeben. Er erhält 25000 Euro, die anderen fünf Finalisten bekommen jeweils 2500 Euro.

Alte Bekannte stehen auf der Shortlist wie Erfolgsautor Bodo Kirchhoff und Thomas Melle, der bisher mit jedem seiner Romane für den Buchpreis nominiert war. Auch zwei Österreicher sind dabei: der junge Erfolgsautor Reinhard Kaiser-Mühlecker und die nach langer Pause zurückgekehrte Eva Schmidt. Der 30-jährige Philipp Winkler hat seinen ersten Roman vorgelegt. Und André Kubiczek wandelt sich gerade, so der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, vom „literarischen Trashpiloten“ zum ernsthaften Autor. Seine „Skizze eines Sommers“, eine Jugendgeschichte aus der DDR, ist die leichteste Lektüre auf dieser Liste. Ein Jugendroman, aber nicht nur, wie die Jury findet. Sie war beeindruckt von der „leichthändigen, schwebenden“ Art, wie diese Wochen erzählt werden.

Ganz anders Thomas Melles „Die Welt im Rücken“. „Ein Buch, das weh tut“, sagt Schröder. Der Text hat die Jury regelrecht erschüttert. Melle erzählt von seiner bipolaren Störung, das Buch ist eine Chronik seiner manisch-depressiven Schübe und doch weit mehr als das: „Er verwandelt eine Krankheit in grandiose Literatur.“

„Auch ziemlich hart“ fand die Jury Philipp Winklers Romandebüt „Hool“, das Einblick gibt in eine literarisch unterbelichtete Szene: Hooligans. „Ein ungewöhnlich gelungener Milieu-Roman“, findet die Jury. Die Meinungen in den Feuilletons gehen auseinander: Die „FAZ“ findet es „eine der intensivsten Lektüren dieser Saison“, die „Zeit“ ist der Meinung, das Buch „geht auf interessante Weise schief“.

Ebenfalls stark in einem Milieu verankert ist Reinhard Kaiser-Mühleckers „Fremde Seele, dunkler Wald“, die Geschichte zweier Brüder, deren väterlicher Hof verfällt. „Sehr still und sehr dezent“ kommt auch das andere Buch aus Österreich daher, Eva Schmidts „Ein langes Jahr“. Ein Roman in 38 Episoden, erzählt aus wechselnden Perspektiven, die sich doch zu einem Ganzen fügen.

Der bekannteste Name auf der Shortlist ist Bodo Kirchhoff. Sein jüngstes Buch heißt „Widerfahrnis“: Zwei älteren Menschen widerfährt die Liebe. In diese zeitlose Story bricht die Aktualität ein – in Gestalt eines Flüchtlingsmädchens. „Wahnsinnig souverän und intelligent erzählt“ sei die Liebesgeschichte, sagt Schröder.

Andere Autoren, die auf der Longlist standen, sind nicht mehr im Rennen, zum Beispiel Ernst-Wilhelm Händler, Peter Stamm oder Sibylle Lewitscharoff. Schade ist es um Hans Platzgumer und Thomas von Steinaecker, deren Bücher viele Leser überzeugt haben.

Der Deutsche Buchpreis

. . . wird seit 2005 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergeben. Er will den besten Roman des Jahres in deutscher Sprache küren. Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz dürfen Titel einreichen. Er hat unter den literarischen Auszeichnungen die höchste Publikumsresonanz.

20 Titel wählt eine siebenköpfige Jury, deren Besetzung jährlich wechselt, zunächst für die Longlist aus. Später wird die Auswahl auf eine Shortlist von sechs Titeln verkürzt. Der Sieger wird traditionell am Vorabend der Frankfurter Buchmesse bekanntgegeben. Der Gewinner erhält 25 000 Euro, die anderen fünf Finalisten bekommen jeweils 2500 Euro. Im vergangenen Jahr hatte der Offenbacher Autor Frank Witzel den Buchpreis bekommen mit seinem Roman „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“.

LN

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