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Eine Frau wartet auf den Anruf

Lübeck Eine Frau wartet auf den Anruf

Cynthia Thurat brilliert in Ildikó von Kürthys „Mondscheintarif“ am Theater Partout

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Ein-Personen-Lustspiel mit Telefon und Frau (Cynthia Thurat).

Quelle: Foto: Maxwitat

Lübeck. Es ist so eine Sache mit der Liebe. Sie bringt Freud und Leid, das ist banal, aber richtig. Vor allem aber der Zustand des Verliebtseins gleicht einer Art temporärer Geistesverwirrung der speziellen Art. Auf diese Idee könnte man zumindest kommen, wenn man im Lübecker Theater Partout die neue Produktion „Mondscheintarif“ nach dem gleichnamigen Roman von Ildikó

von Kürthy (45) gesehen hat, die am Freitagabend eine fulminante Premiere erlebt hat.

Cora Hübsch wartet auf den Anruf ihres Angebeteten — weil es sich ja nicht gehört, nach der ersten gemeinsamen Nacht selbst zum Telefon zu greifen. Und sie wartet und wartet, entrümpelt vor lauter Verzweiflung ihre Wohnung, stopft sich mit Chips und Süßigkeiten voll, rekapituliert ihre Erlebnisse mit dem Holden.

Dann klingelt immer wieder das Telefon, aber mal ist es die Freundin, mal die Frau Mama. Aber auch diese Geschichte einer Nicht-Kommunikation wird dann doch noch zu einem glücklichen Ende geführt.

Cynthia Thurat spielt Cora Hübsch, und sie macht es vorzüglich. Es ist eine Mammut-Aufgabe, diese junge Frau zwischen Hoffnung und Verzweiflung, zwischen Fress-Attacken und heftigem Weißwein-Genuss darzustellen. Keine Sekunde in diesem anderthalb Stunden langen Monolog ist langweilig, jede Pointe sitzt, die Wandlungsfähigkeit von Cynthia Thurat ist erstaunlich. Sie verfügt über eine große Palette von Ausdrucksmöglichkeiten, bewegt sich mal wie ein Vamp, mal wie ein kleines Mädchen. Vor allem aber gelingt es der Schauspielerin, dem manchmal nicht sehr glücklich gestalteten Text der ehemaligen „Brigitte“-Redakteurin Kürthy Leben einzuhauchen. Sie überspielt die Banalitäten elegant, erliegt aber nicht der Versuchung, zu viel Slapstick auf die Bühne zu bringen.

Man fiebert mit der jungen Frau mit — eine große Leistung von Cynthia Thurat. Und von Regisseur Uli Sandau, der wie so oft aus den beschränkten Möglichkeiten seines Theaters ein Maximum herausholt.

Sandau führt seine Darstellerin in der geschickten Ausstattung von Torsten Bünning, die praktisch nur aus einem Sofa und einer Schrankwand besteht, ideenreich und mit immer wieder überraschenden Wendungen. Das anzusehen macht ganz einfach Spaß. Zumal der Humor des Textes von einer durchaus harmlosen Art ist, der niemanden verletzt und doch überzeugend wirkt. Ein wunderbarer und unterhaltsamer Theaterabend, intelligent gemacht und großartig gespielt.

Das Premierenpublikum war begeistert und feierte vor allem Cynthia Thurat.

Nächste Aufführungen: 13. Und 14. September, jeweils 20 Uhr; Theater Partout, Königstraße 17 Tel: (0451) 700 04.

Jürgen Feldhoff

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