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„Eine Idee, die jeden anspricht“

„Eine Idee, die jeden anspricht“

Julien de Casabianca über die Befreiung der Kunst aus den Museen und „Das Kind im Spielzimmer“.

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Nachahmer findet er unter anderem in Rio de Janeiro (l.) und Warschau (r.). Mademoiselle Caroline Rivière war in Paris (M.) die erste, die er aus dem Louvre „befreite“.

Lübeck. Die erste, die er befreite, war Mademoiselle Caroline Rivière, ein 13-jähriges Mädchen auf einem Gemälde des Malers Ingres. Julien de Casabianca hatte das Kunstwerk 2014 im Louvre gesehen, abfotografiert und als Wallpaper an einer Hauswand in Paris plakatiert. Die traurige Geschichte des Mädchens habe ihn inspiriert, sagt de Casabianca. Sie sei nur ein Jahr, nachdem sie Modell gestanden habe, gestorben. Er habe ihr das Leben zurückgeben, sie in die Stadt ausführen wollen, sagt der Streetart-Künstler, der mit seinem Projekt „Outings“ weltweit Aufmerksamkeit und Nachahmer findet.

Nun, zwei Jahre danach, hat der Franzose de Casabianca in Lübeck das „Kind im Spielzimmer“ aus dem Museum Behnhaus Drägerhaus hinaus ins Freie gebracht:

Überlebensgroß blickt die Kleine – im Original ein Gemälde des Lübeckers Heinrich Eduard Linde-Walther (1868-1939) – von einer Bunkerwand in der Schildstraße auf die Aegidienkirche. Julien de Casabianca, der einst als Profi für Paris Saint Germain kickte, legt den graumelierten Kopf in den Nacken und blickt auf sein jüngstes Werk. An die Fußballer-Karriere, die er der Kunst opferte, erinnert nur noch das Outfit, eine leuchtblaue Trainingsjacke und rote Sneakers.

Sind Sie zufrieden mit dem Platz für die Kleine?

Julien de Casabianca: Ja, sehr. Meine Großmutter, eine Malerin, hat Auschwitz überlebt. Ich verstehe meine Arbeit als ihr künstlerisches Erbe, und es ist bewegend, meine Kunst nun an einem Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg zu sehen. Ein schönes Beispiel für Frieden, Völkerverständigung und Europa. Nicht nur in Worten, sondern ganz augenfällig: Eine triste Mauer, die schwierige Erinnerungen birgt und der niemand einen Blick schenkt, wird in etwas Schönes verwandelt, das Emotionen weckt.

Hätten Sie mit einem so großen Echo auf die Outings gerechnet?

De Casabianca: Nie. Es gibt weltweit schon mehr als 200 Teilnehmer, in Islamabad, in den USA, in Neuseeland, Venezuela, Brasilien. Auf Facebook gab es innerhalb eines Jahres mehr als zehn Millionen Aufrufe für Outings, das ist verrückt.

Warum entfaltet dieses Projekt eine so breite Wirkung?

De Casabianca: Es ist zum einen eine Idee, die jeden anspricht. Man sagt sich: Ah, das hätte mir auch einfallen können, und wundert sich darüber, dass vorher noch keiner darauf gekommen ist. Zum anderen ist die Kunst in den Museen unsere gemeinsame Kultur – selbst das Logo von McDonalds ist von der Ästhetik der Renaissance beeinflusst. Diese Ästhetik ist nicht vom Himmel gefallen, sondern hat sich aus der Geschichte entwickelt, die unser aller Geschichte ist. Auch das Design eines Autos ist von der Renaissance beeinflusst. Und die Einflüsse auf die Renaissance wiederum reichen zurück bis zu den Höhlenmalereien.

Wie suchen Sie die Gemälde aus?

De Casabianca: Ich bin wie jedermann, ich habe keine besondere Ahnung von Kunst. Wirklich! Ich nehme die Bilder, die mir gefallen, die mich berühren.

Ihre Kunst funktioniert über die Emotion?

De Casabianca: Ich denke, ja. Viele Menschen gehen nicht in die Museen, weil sie denken, dafür nicht gebildet genug zu sein, zu wenig von Kunst zu verstehen, weil sie denken, das Museum sei ein Ort des Wissens. Es ist aber auch ein Ort des Gefühls. Kunst ist für jeden mit Herz und Augen zugänglich.

Interview: Regine Ley

„Outings“ – weltweit und auch in Lübeck

Zwei Lübeckerinnen waren Ende 2015 dem Beispiel des Franzosen Julien de Casabianca gefolgt: Sie hatten Gemälde in Lübecker Museen fotografiert und Ausschnitte daraus an die Mauern der Stadt geklebt. Das Museum Behnhaus/Drägerhaus holte den Künstler nun für ein „Outing“-

Projekt nach Lübeck; die Stadt stellte die Wand des Bunkers an der Schildstraße gegenüber der Aegidienkirche zur Verfügung, an der Julien de Casabianca das „Kind im Spielzimmer“ haushoch plakatierten konnte. Die „Hanseunternehmerinnen“ finanzierten das Projekt mit 6000 Euro.

Julien de Casabianca , Journalist, Filmemacher und Streetart-Künstler, inspiriert mit seinen „Outings“ weltweit zur Nachahmung. Zu seinem nächsten Projekt hat ihn die Stadt Bordeaux eingeladen. Zur EuropaMeisterschaft wird der leidenschaftliche Fußballer also in Frankreich sein. Sein Tipp fürs Endspiel: „Frankreich-

Deutschland. Und in letzter Minute gewinnt Deutschland. Wie immer.“

LN

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