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Eine Lübecker Talentschmiede

Lübeck Eine Lübecker Talentschmiede

Das Projekt „Mut zur Muse“ fördert begabte junge Musiker aus der Region.

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Vadim Goldfeld mit seinem Klavier-Schüler, dem 16 Jahre alten Constantin Schiffner.

Quelle: Fotos: Olaf Malzahn, Lutz Roeßler, Dpa

Lübeck. Dass er Musik studieren will, steht für Constantin Schiffner (16) fest. Ob er jedoch Klavier als Hauptfach wählen wird, ist noch offen. Auch Dirigieren kommt in Betracht. Constantin Schiffner ist einer der Teilnehmer an dem Projekt „Mut zur Muse“, das ihm nicht nur Gelegenheit gibt, sein Klavierspiel zu vervollkommnen, sondern seine musikalische Bildung schlechthin zu erweitern. So wird der Jugendliche seit anderthalb Jahren bei Musikhochschul-Professor Erasmus Zipfel in Kompositionslehre unterrichtet. „Das ist sehr produktiv“, sagt Constantin Schiffner.

19 begabte junge Leute zwischen 8 und 17 Jahren nehmen an dem laufenden Kursus teil. Sie spielen Klavier, Violine, Cello, Flöte oder Saxofon. Bis gestern fanden an der Musikhochschule Lübeck an zwei Tagen Meisterkurse für sie statt. Ein Konzert am kommenden Donnerstag bildet den krönenden Abschluss der Arbeitsphase.

Das Projekt wurde 2015 von der Musikschule der Gemeinnützigen in Lübeck und der Musikhochschule ins Leben gerufen. Die Possehl-Stiftung unterstützt „Mut zur Muse“ finanziell, zunächst für drei Jahre.

Die Idee ist, jungen talentierten Musikern den Übergang von der Musikschule an die Musikhochschule zu ebnen. „Selbst hochbegabte junge Musiker haben es oft schwer mit dem nachhaltigen Einstieg ins Musikleben“, sagt Projektleiter Vadim Goldfeld. „Mut zur Muse“ gibt den jungen Leuten die Gelegenheit, sich musikalisch zu entfalten, professionelle Spieltechniken zu entwickeln und — ebenso wichtig — Kontakte zu knüpfen. Am Lübecker Ballettinstitut Kritzinger erhalten sie zudem Unterricht in Gehörbildung, Musiktheorie, Werkanalyse und Aufführungspraxis.

„Die Struktur in Lübeck ist großartig“, sagt der Projektleiter. „Aber es gibt nicht immer gute Verbindungen zwischen den einzelnen Häusern.“ So wolle das Projekt ein Netzwerk aufbauen. Hochschule, Musikschulen, Privatlehrer — „das alles wollen wir bündeln“.

Haben junge Leute, deren Eltern weder Interesse an Musik noch die finanziellen Möglichkeiten haben, ihnen eine musikalische Ausbildung zu ermöglichen, überhaupt eine Chance auf eine Karriere als professionelle Musiker? Möglich sei das schon, sagt Vadim Goldfeld. „Aber es ist unheimlich schwer.“ Auch hier will man Wege ebnen. „Mut zur Muse“ hat sich zum Ziel gesetzt, begabte Kinder und Jugendliche zu erreichen, die im Elternhaus nicht ausreichend unterstützt werden. Das Angebot geht jedoch weit darüber hinaus. Denn Hilfe könnten so gut wie alle Familien brauchen, meint Goldfeld.

Denn: „Eine musikalische Ausbildung ist in jeder Hinsicht sehr aufwendig.“ 30 Euro für eine Klavierstunde, die Anschaffung teurer Instrumente — da kommt schnell einiges zusammen.

Die Teilnahme an dem Projekt ist im Prinzip kostenlos. 50 Euro allerdings werden pro Schüler/Schülerin an Gebühren für die jeweiligen Arbeitsphasen erhoben, Stipendien sind möglich.

Constantin hat schon früh Förderung erhalten. Er stammt aus einer musikalischen Familie, den ersten Klavierunterricht bekam er mit vier Jahren — bei seiner Großmutter, die Pianistin war. Als er sechs Jahre alt war, wurde Vadim Goldfeld sein Klavierlehrer. Constantin sang in der Lübecker Knabenkantorei, er spielt Cello und klassische Orgel, und er absolviert eine C-Ausbildung zum Kirchenmusiker. Aber auch ein Multitalent wie er profitiert von „Mut zur Muse“. Zum Beispiel lerne man andere Professoren und andere Meinungen kennen, sagt er. Das sei bereichernd, „auch wenn einem diese Meinungen nicht immer gefallen“.

Auch wenn er sich noch nicht auf ein Hauptfach für sein Studium festgelegt hat — „mein Hauptinteresse ist und bleibt Klavier“, sagt der Schüler. Und da gebe es noch „sehr viel Luft nach oben“.

Der Nachwuchs zeigt sein Können

„Mut zur Muse“, gestartet vor einem Jahr, ist ein Gemeinschaftsprojekt der Lübecker Musikschule, der „Gemeinnützigen“ und der Musikhochschule Lübeck. Es wird von der Possehl-Stiftung unterstützt, zunächst für drei Jahre.

Teilnehmen können junge Musiker und Musikerinnen aus dem Raum Lübeck im Alter zwischen 9 und 18 Jahren. Der nächste Kursus beginnt im Herbst 2016.

Ausgewählt werden die Teilnehmer nach einem Vorspielen und einem Gespräch von einer Jury, der Dozenten der Musikhochschule und Lehrer der Musikschule der Gemeinnützigen angehören.

Das Abschlusskonzert findet unter dem Motto „Junge Musiker zeigen ihr Können“ am Donnerstag, 21. April, um 19 Uhr im Festsaal der Gemeinnützigen (Königstraße) statt. Eintritt frei.

Von Liliane Jolitz

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