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Eine Reise ins Unheimlich-Ungewisse

Lübeck Eine Reise ins Unheimlich-Ungewisse

Weltliteratur auf der Lübecker Studio-Bühne: Gernot Grünewald inszeniert Conrads „Herz der Finsternis“.

Lübeck. Gernot Grünewald ist schon durch einige afrikanische Länder gereist, doch im Kongo war er noch nicht. Nun muss er allerdings den Kongo auf die Bühne holen:

 

LN-Bild

Holt den Kongo ins Studio: Regisseur Gernot Grünewald.

Quelle: Roeßler

Grünewald hat aus Joseph Conrads Erzählung „Herz der Finsternis“ von 1899 ein Theaterstück für drei Schauspieler geschnitzt, morgen hat es im Studio des Theaters Lübeck Premiere.

Die Geschichte wird vom Seemann Marlow erzählt, der im Auftrag einer Kolonialgesellschaft Elfenbein aus dem Inneren Afrikas 800 Meilen über den Kongo-Fluss transportieren soll. Im Dschungel, wo zahlreiche Gefahren lauern und sein Schiff von Eingeborenen angegriffen wird, sucht er einen Mann namens Kurtz, einen besonders skrupellosen Ausbeuter, der allerdings bereits todkrank ist.

Conrad prangerte in „Herz der Finsternis“ unverhohlen den Kolonialismus an. Der Kongo war damals Privatbesitz des belgischen Königs Leopold II. „Eine Zeit, in der in diesem Teil der Welt Grauen auf Grauen folgte“, wie der Regisseur weiß. Was sich auch später fortsetzte in dem rohstoffreichen Land, „es wurde ausgequetscht“. Er will in die Conrad-Erzählung aktuelle Texte einweben, um weitere historische Spuren zu verfolgen.

„Natürlich kann ich nicht den Dschungel ins Studio holen“, sagt Grünewald, der in dem Raum mit seiner Romanadaption „Moby Dick“ zwei Weltmeere und eine Fahrt ins Verderben anschaulich inszeniert hat.

Er lässt seine drei Protagonisten von Marlow und Kurtz berichten, sie begeben sich mit Hilfe von Projektionen auf die Reise ins Unheimlich-Ungewisse. Es prasseln keine Pfeile durch den Raum, es rauschen keine Stromwellen, doch Grünewald hofft, dass Conrads Afrika-Faszination deutlich werden wird.

„Die Erzählung ist nicht besonders bühnentauglich“, gibt der Regisseur zu. „Doch wir haben eine Form gefunden, die das Geschehen konzentriert wiedergibt.“

Premiere: Do., 7. April, 20 Uhr, Junges Studio des Theaters Lübeck

Von mib

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