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Eine Schauspielerin im Paradies

Lübeck Eine Schauspielerin im Paradies

Die Neue im Ensemble des Theaters Lübeck: Rachel Behringer kommt frisch von der Schauspielschule und sucht in Lübeck ihr Glück.

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Rachel Behringer

Quelle: Felix König

Lübeck. Rachel Behringer erinnert sich an ihren ersten Besuch in Lübeck vor sechs Jahren. Damals war sie Studentin der Theaterwissenschaften in München und machte Ferien an der Ostsee. In Travemünde habe sie am Strand gestanden und gedacht: „Wenn es hier noch ein ordentliches Theater gäbe – das wäre das Paradies.“ Vom Theater Lübeck und seiner Qualität ahnte sie damals noch nichts. Sie beendete ihr Studium und schloss eine Schauspielausbildung an der Hochschule in Hannover an und steht jetzt tatsächlich in Lübeck auf der Bühne.

Es ist ihr erstes festes Engagement, davor hatte sie in ihrer Heimatstadt Freiburg im Breisgau in „Arsen und Spitzenhäubchen“ die Pfarrerstochter Elaine gespielt, am Schauspiel Hannover in Jan Friedrichs Jugendstück „Deals“ die Tochter Isabella.

Sie hatte sich nach dem Diplom an vielen Theatern beworben und konnte mit einem Stipendium der „Studienstiftung des deutschen Volkes“ für sich einnehmen. „Beim Vorsprechen in Lübeck habe ich drei Rollen angeboten und ein Liedchen geträllert“, sagt sie mit fröhlichem Understatement. Sie verriet dabei auch, dass sie Altsaxofon spiele, wurde genommen und in Shakespeares „Der Kaufmann von Venedig“ als Shylocks Tochter Jessica besetzt – samt Saxofon.

Auf die Bühne gedrängt hat es Rachel Behringer schon als Jugendliche. In den Jugendclubs des Theaters Freiburg spielte sie in allen möglichen Inszenierungen. „Da habe ich gemerkt, dass das Theater meine Zukunft ist.“ Sie hat viele Sätze parat, warum nicht Film, nicht Fernsehen, sondern die Bühne, auf der live und unmittelbar agiert wird, ihre Sache ist – und sie gipfeln in der Aussage: „Weil’s mich glücklich macht.“

Eine Frage, die man Schauspielerinnen gerne stellt, ist die nach einer Lieblingsrolle. Bei Rachel Behringer heißt sie nicht Julia und auch nicht „eine der drei Tschechow-Schwestern“. Vielmehr würde sie gerne eine Figur von Werner Schwab spielen, dem 1994 verstorbenen und fast vergessenen Autor von „Fäkaliendramen“ und Sprachexperimenten. Die Mariedl in „Die Präsidentinnen“ kann sie sich vorstellen. So viel Mut hat nicht jede junge Schauspielerin.

„Der Kaufmann von Venedig“, nächste Vorstellung: So., 16. Oktober, 18.30 Uhr, Kammerspiele

mib

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