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Eine alte Stadt präsentiert sich ganz neu

Aarhus Eine alte Stadt präsentiert sich ganz neu

Das dänische Aarhus startet an diesem Wochenende mit seinem Programm als Kulturhauptstadt Europas 2017.

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Aarhus. „The same for everyone“, gleiches Recht für alle, so steht es in leuchtenden Lettern auf einem Gerüst vor dem Rathaus von Aarhus. Ein künstlerischer Vorbote des Kulturhauptstadtjahres in der jütländischen Metropole, das heute feierlich eröffnet wird und mit einem 60-Millionen-Euro-Budget einen vielseitigen Veranstaltungsreigen einleitet. 500 Seiten ist das mit breiter Bürgerbeteiligung entstandene Programmbuch stark.

LN-Bild

Das dänische Aarhus startet an diesem Wochenende mit seinem Programm als Kulturhauptstadt Europas 2017.

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Der schottische Künstler Nathan Coley symbolisiert mit seiner leuchtenden Botschaft vor dem Arne-Jacobsen-Bau in Aarhus, was die Macher bewegen wollen: „Let’s Rethink“ – Themen neu betrachten, Strukturen hinterfragen, die „dänische DNA“ neu ausrichten. Die australische Cheforganisatorin Rebecca Matthews setzt auf „Kunst und Kultur als Katalysator für Veränderungen unseres Lebens und unserer Gesellschaft“.

Das Motto lässt sich sehr weit auslegen. Aber es soll in den kommenden Monaten immer wieder auch ganz konkret gelebt werden. Nicht nur in der Kommune Aarhus mit ihren 330000 Einwohnern, Jütlands ganze Mitte will von Küste zu Küste als kulturelles Laboratorium in den Fokus rücken und im Sommer damit auch Nordsee-Urlauber ansprechen.

So wird an diesem Wochenende nicht nur in Aarhus Eröffnung gefeiert, sondern von Hvide Sande über Randers bis nach Rønde in allen 19 Gemeinden der Region. Gestern schon brachen 20000 Kinder auf ins „Land of Wishes“. Singend und tanzend sollten sie ihrer Fantasie freien Lauf lassen, bevor morgen in Aarhus nach einer Fahrradparade eine opulente Eröffnungsinszenierung die Wikingerzeit wieder aufleben lässt: In einem großen Umzug durch die um 770 gegründete Stadt am Fluss Aarhus Å mit einigen ganz großen, vielen kleineren und tausenden ganz klein gefalteten, individuell bemalten und mit Zukunftsbotschaften versehenen Booten wird an die Ursprünge der Stadt erinnert, die heute rasante Zuwächse im Kreuzfahrttourismus verzeichnet. Schon für diese Eröffnung galt es, möglichst viele Bürger mit ins Boot zu holen – und das will man das ganze Jahr über versuchen, versichert Bent Sørensen, Sprecher von Aarhus 2017.

Man muss ja nicht alles neu erfinden, manchmal kann schon eine neue Mischung verschiedener Kulturdisziplinen Spektakuläres bewirken. Dafür steht etwa Jonathan Safran Foers „Tree of Codes“ als internationale Ballettproduktion Ende April im Musikhaus, das für eine einzigartige Begegnung von Musik (des britischen Musikers Jamie xx), Tanz (choreografiert von Wayne McGregor) und Licht (in Szene gesetzt von Olafur Eliasson) stehen soll. Eliasson hat mit seinem „Regenbogen-Panorama“ auf dem Kunstmuseum Aros gleich nebenan bereits vor Jahren der Stadt ein neues, erlebbares Wahrzeichen beschert. Unterhalb des leuchtenden Farb-Spektakels gibt es moderne Kunst in vielen Facetten zu entdecken – und im Sommer will sich das Aros über die ganze Stadt ausdehnen und mit seiner Kunstzone „The Garden“ Zeichen zum Thema Natur und Mensch, zum Wandel in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft setzen. Skulpturen, Installationen und Stände mit Streetfood sollen auf vier Kilometern Länge ein neues, zu jeder Zeit frei zugängliches Stadterlebnis schaffen.

Wer sich die 350 Kilometer von Lübeck nach Aarhus aufmacht, kann dort jenseits aller Kulturtermine eine junge, studentisch geprägte Stadt erleben, die sich in den letzten Jahren zum Wasser hin neu präsentiert. Die Stadt, in deren Zentrum das Freilichtmuseum Den Gamle By in das Leben vergangener Jahrhunderte wie in Wohngemeinschaften der 1970er Jahre einführt, hat schon vieles neu gedacht – was das aktuelle Motto „Let’s Rethink“ um so glaubhafter macht.

Internet: www.aarhus 2017.dk/de

Die Macher kommen aus „Down Under“

Zwei Frauen prägen das Kulturhauptstadtjahr Aarhus 2017: Rebecca Matthews ist Geschäftsführerin, Juliana Engberg Programmdirektorin. Wie die beiden kommt auch der Regisseur des Auftaktes aus Australien : Nigel Jamieson bringt Erfahrungen von der Olympia-Eröffnung 2000 in Sydney ein. Rund 40 Mitarbeiter aus sieben Nationen umfasst das feste Team von Aarhus 2017, dazu kommen Praktikanten wie die Studentin Inke Horstmann aus Elmshorn. Man hat sich um einen schlanken Apparat bemüht: 70 Prozent des 60-Millionen-Euro-Etats fließen in Kulturprojekte. Es werden auch Querverbindungen zum Luther-Jahr hergestellt, und man schafft neue Nutzungen für alte Gebäude wie das Gefängnis in Horsens. kbm

Konrad Bockemühl

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