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Eine barocke Kunst-Schatulle

Potsdam Eine barocke Kunst-Schatulle

Morgen wird in Potsdam das von Hasso Plattner gestiftete Museum Barberini eröffnet – mit Werken aus der Sammlung des Milliardärs.

Potsdam. Mit einem neuen Kunstmuseum von internationalem Rang kann Potsdam vom kommenden Wochenende an aufwarten. Auf dem Weg in die königliche Schlösser- und Parklandschaft verweilten die Kulturtouristen bisher nur ungern in der Stadtmitte. Das dürfte sich ändern. Nach der Rekonstruktion des friderizianischen Stadtschlosses, in dem heute der brandenburgische Landtag residiert, konzentrieren sich die Stadtplaner jetzt auf den Alten Markt.

Einer der Leitbauten an dem ursprünglich dreieckigen Platz wurde mit privaten Mitteln als Replik wieder errichtet: das Palais Barberini, erbaut Ende des 18. Jahrhunderts unter Preußenkönig Friedrich II. nach dem Vorbild des Palazzo Barberini in Rom. Das Palais war im Bombenhagel des Zweiten Weltkrieges zerstört worden. Nun wird es als Museum Barberini neu eröffnet und soll mit spektakulären Kunstausstellungen Gäste aus ganz Deutschland anlocken.

Fast 25 000 Besucher zählte der Museumsbau bereits Anfang Dezember. Innerhalb einer Woche wurden in dem noch leeren Haus Konzerte, Lesungen, Hochzeiten und Tanzveranstaltungen abgehalten. Die fast acht Meter hohen Raumfluchten ähneln klassischen Museumsgemäuern in Wien, London oder Paris.

In vier Jahren Bauzeit entstand die 42 Meter breite und 30 Meter hohe Schatulle von barocker Pracht. Böden und Wände sind aus Terrazzo und Sandsteinplatten, Eichenparkett und Stuckmarmor. Im unteren Stockwerk wurde wie im mondänen New York mit Bronze gearbeitet, Türen und Fenster, Lampen und Treppengeländer sind im Art-Deco-Stil gehalten.

Was das Museum Barberini gekostet hat, wird nicht verraten. Geld spielte in diesem Fall einmal keine Rolle. Stifter des Bauwerkes ist der Mehrfachmilliardär Hasso Plattner. Der Mitgründer der Softwareschmiede SAP lebt in Potsdam. Plattner, der am 21. Januar 73 Jahre alt wird, ist auch als Kunstsammler aktiv. Nach der Wende kaufte er viele Gemälde aus der DDR-Zeit. Besonders schätzt er das Werk des Leipziger Malers Wolfgang Mattheuer. Dessen Bronzefigur „Jahrhundertschritt“ fand im Hof des zweiflügeligen Palais Aufstellung. Die riesige, aber schmale Gestalt, die zur Havel hin schreitet, zeigt den Hitlergruß und die Arbeiterfaust, Symbole zweier totalitärer Systeme.

Der bedeutende Teil seiner Sammlung, über die es bisher keinen Überblick gibt, widmet sich aber offenbar dem Spätimpressionismus. Die Eröffnungsausstellung „Impressionismus – Die Kunst der Landschaft“ wird mehr als 170 Werke aus jener Epoche und der Klassischen Moderne präsentieren, darunter Bilder von Claude Monet, Auguste Renoir, Max Liebermann und Wassily Kandinsky. Formal stellt Plattner seine Sammlung dem Museum als Leihgabe zur Verfügung. Sowohl das Haus wie auch der laufende Museumsbetrieb werden von der Hasso-Plattner-Stiftung getragen.

Plattners Kritik am Kulturschutzgesetz, das im August letzten Jahres in Kraft trat und die Ausfuhr von Kunstwerken erschwert, machte deutlich, dass der Kunstsammler auch geschäftliche Interessen verfolgt. Er gab bekannt, dass seine Privatsammlung nach seinem Tode nicht, wie zunächst vereinbart war, dauerhaft in Potsdam ausgestellt werden soll, sondern im kalifornischen Paolo Alto.

Das Museum Barberini und die von Plattner beim Bucerius Kunst Forum in Hamburg abgeworbene Direktorin Ortrud Westheider möchten nun durch Sonderausstellungen wie „Klassiker der Moderne“ oder „Künstler in der DDR“ das Publikum anlocken. Damit renommierte Leihgeber wie die Eremitage in Sankt Petersburg, die Phillips Collection aus Washington oder auch Kollegen wie Microsoft-Gründer Bill Gates künftig ihre Schätze nach Potsdam geben, wurden höchste technische Standards erfüllt. Temperatur, Feuchtigkeit und Licht dürfen den sensiblen Leinwänden nichts anhaben. Und auch für absolute Sicherheit ist gesorgt.

Karim Saab

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