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Kultur im Norden Eine heitere Herta Müller mit ihren launigen Collagen
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21:15 14.09.2013
Herta Müller bei ihrer Lesung in aufgeräumter Stimmung. Quelle: Foto: Roeßler

Herta Müller gilt als sehr ernsthafte Person. Das Werk der Literaturnobelpreisträgerin kreist um die Unterdrückung des Individuums im Totalitarismus. Sie schriebt darüber aus eigener Erfahrung im Rumänien der Ceausescu-Zeit. Doch auch Herta Müller hat ihre kleinen Fluchten: Sie fertigt launige Collagen aus Wörtern, die sie in Zeitschriften findet.

Einige dieser Kleinkunstwerke sind zurzeit in der Lübecker Overbeck-Gesellschaft zu sehen. Die Ausstellung war Anlass für eine Lesung Müllers nebenan in der Gemeinnützigen. Wer sie wiederholt erlebt hat, konnte ein kleines Wunder erleben: Sie war gesprächig, geradezu sprühend, als sie über ihre Wortwerkstatt Auskunft gab. Es hätte der Moderation durch Ernest Wichner, Leiter des Literaturhauses Berlin, nicht bedurft. Das Publikum im vollbesetzten Saal erlebte ein selbstironische, bekenntnisfreudige Herta Müller. So gab sie zu, dass sie beim Suchen von Wörtern jede Menge Lebenshilfe und Gesundheitstipps aus den einschlägigen Zeitschriften mitnehme („,Apothekenrundschau‘ — prima Material!“) und dass die Sammelei und das Kleben der Collagen eine Art Besessenheit sei.

Bei dieser lustvollen Obsession vergisst sie ihre Leidensgeschichte und die ihrer Freunde aus dem Banat nicht. Das vermittelte sie mit Anekdoten aus der Zeit, als sie als Übersetzerin in einer rumänischen Fabrik gequält wurde. „Ich dachte damals, ich ersticke“, ist ihr zentraler Satz. Auch ihre Collage-Gedichte sind nur scheinbar absurd, sie sprechen oft von Angst und Repression:

„An der Grenze hat mich der Wachmann mit dem Oberlippenbart gefragt: Warum setzen Sie auf Heimat zum Quadrat?“ Wenn Herta Müller das mit ihrer gutturalen Stimme vorträgt, kann einen frösteln.

Die Collagen von Herta Mülle sind bis zum 20. Oktober in der Overbeck-Gesellschaft zu sehen (Lübeck, Königstraße 11)

mib

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