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Kultur im Norden Eine musikalische Offenbarung
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18:17 30.04.2016

Zwei trafen aufeinander, die sich der Klarheit und Präzision verbunden fühlen: Die niederländische Geigerin Janine Jansen und Thomas Hengelbrock, Chefdirigent des NDR Elbphilharmonie Orchesters, wie die ehemaligen NDR-Sinfoniker sich jetzt nennen.

Die niederländische Solistin Janine Jansen mit ihrer Stradivari.

Was für eine Kraft, Energie und Leichtigkeit zeigte die Solistin in Max Bruchs berühmtem Violinkonzert Nr. 1 in g-Moll! Das NDR-Orchester war ebenbürtig, leicht und klar geführt von seinem Dirigenten. Einem drängenden und dichten ersten Satz folgte ein zweiter, der in seiner Gesanglichkeit eine musikalische Offenbarung war. Im virtuosen und dennoch seelenvollen letzten Satz setzte die 38-Jährige mit ihrer Stradivari (einer Leihgabe) weitere Glanzpunkte. Enthusiastischer Beifall erfüllte die Rotunde der ausverkauften Lübecker Musik- und Kongresshalle. Zurückhaltend, fast schon artig, bedankte sich die stilvolle Künstlerin für die Ovationen.

Eingerahmt wurde dieser romantische Höhepunkt von zwei weiteren Ohrwürmern unter den Orchesterwerken. Der Abend hatte mit Igor Strawinskys Suite aus dem Ballett „Pulcinella“ begonnen. Schon hier zeigte Hengelbrock, dass er und sein Orchester bestens miteinander korrespondierten. Neckisch und in zügigem Tempo entfaltete sich die vom Komponisten bewusst grotesk gestaltete Ballettmusik auf einem hohen musikalischen und technischen Niveau.

Auch der Ausklang mit Felix Mendelssohn Bartholdys „Italienischer“ Sinfonie Nr. 4 in A-Dur war klangvoll und vielschichtig. Hengelbrock wählte ein beschwingtes Metrum für die Sinfonie, die der Komponist als das „lustigste Stück“, das er je gemacht habe, bezeichnete. „Lustig“ ist nach heutigem Verständnis die Melodik vielleicht nicht, aber voller Lebensfreude, vor allem im ersten Satz.

Freude an künstlerischer Entfaltung — an präziser und individuell gedeuteter Musik — haben das Orchester, die Solistin und der Dirigent nach Lübeck getragen.

Von Cornelia Schoof

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