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Kultur im Norden Einem geschenkten Gaul...: Trubel um blaues Pferd freut die Künstlerin
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Einem geschenkten Gaul...: Trubel um blaues Pferd freut die Künstlerin
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11:46 26.06.2015
"Das ist aber eine lustige Farbe für ein Pferd", soll die Königin bei der Geschenkübergabe trocken bemerkt haben. Quelle: dpa
Hamburg

Leidenfrost ist kein Pseudonym für einen unterkühlten Popstar. Die Malerin Nicole Leidenfrost, die in Wedel lebt, verfügt über ein warmherziges Gemüt, und sie heißt wirklich so. „Sie malt so bunt, wie sie lebt“, hat einmal eine Zeitung über sie geschrieben.

Die Künstlerin Nicole Leidenfrost lebt in Wedel im Kreis Pinneberg.

Nicole Leidenfrost hat gestern das erlebt, was ihr Kollege Andy Warhol mit seinen berühmten „15 minutes of fame“ meinte: schnelle, unverhoffte mediale Aufmerksamkeit, die genauso flink wieder entschwindet. Für einen Augenblick war die 1974 geborene Malerin vermutlich die berühmteste Künstlerin Deutschlands. Und das nur, weil Bundespräsident Joachim Gauck seinem Gast Elizabeth II. ein von Leidenfrost gemaltes Bild schenkte: „Pferd in Royalblau“ ist sein Titel, und es stellt Elizabeth als Kind auf einem Pony dar, das von ihrem Vater George VI. am Zügel gehalten wird.

Wer die Vorlage für das Gemälde zur Hilfe nimmt — ein Schwarz- Weiß-Foto aus dem Jahr 1930 —, erkennt eine Ähnlichkeit der Szenen. Die britischen Medien allerdings mochten gestern von Übereinstimmung nichts wissen, sie reagierten gnadenlos auf den geschenkten Gaul. In Anspielung auf die ironisch „Bad Paintings“ titulierten Bilder einer New Yorker Gruppe von Neuen Wilden der 1970er Jahre fragt Kunstkritiker Mark Hudson im „Daily Telegraph“: „Ist es Bad Painting oder einfach nur schlecht gemalt?“ Er meint natürlich letzteres. Die Queen selbst habe über das gemalte Reiterstandbild lakonisch gesagt: „Das ist eine lustige Farbe für ein Pferd“, berichten Journalisten, die dabei waren.

Die Künstlerin immerhin ist „amused“. Das sagte sie gestern den LN. „Ich bin ganz entspannt und freue mich über den Trubel, der macht mich populär.“ Für sie sei wichtig, dass die Queen das Gemälde mit Humor aufgenommen habe. Und über die Kontroverse um das gute Stück: „Es hätte vermutlich kein Geschenk gegeben, das unumstritten gewesen wäre.“

Und wie kam es zu der Gabe? Sie stehe auf einer Liste des Bundespräsidialamtes, gibt Leidenfrost preis, ihre Werke — vor allem die Pferdebilder — hätten dort gefallen, sie sei deshalb eine Kandidatin für die Anfertigung von Gastgeschenken. Sie suchte selbst das Foto aus, nach dem dann die Auftragsarbeit entstanden ist. Mitgeliefert habe sie eine Fotoserie, mit der man der Künstlerin beim Malen über die Schulter blicken könne. Über den Preis der Arbeit will sie nicht reden. „Den Leuten, die jetzt Dollarzeichen in den Pupillen haben, kann ich nur sagen: Wenn man vom Bundespräsidialamt den Zuschlag zu einem Bild bekommt, dann geht es nicht um Geld, sondern um die Ehre.“

Ihre Kritiker werfen einen Fachbegriff in die Diskussion: Bei Leidenfrosts Acryl-Bild stelle sich die Frage, ob das „ein Stück des späten Neo-Expressionismus“ sein solle, überlegt sich Kunstexperte Mark Hudson und nennt als Vergleichsgrößen aus dieser Gattung Anselm Kiefer und Georg Baselitz. Auch den „Blauen Reiter“, also die Kunst der Expressionisten zu Beginn des 20. Jahrhunderts, erwähnt Hudson aus naheliegenden Gründen. Um dann einzulenken: Vermutlich sei das Werk „einfach ein Stück grotesken Kitschs“.

Wenn das so ist, dann stellt das Bild als Geschenk an das britische Staatsoberhaupt natürlich einen politischen Affront dar — Kitsch für die Queen! Doch so einfach ist es nicht. Gegenständlichkeit, fröhlicher Farbauftrag, melancholische Grundstimmung: Man kann, wenn man Vergleiche anstellt, in dem „Pferd in Royalblau“ auch Anklänge an der Malerei der hochgelobten Neuen Leipziger Schule um den Künstler Neo Rauch finden. Oder an die ehemals Junge Wilde Elvira Bach, bei der Nicole Leidenfrost Kurse besucht hat. „Wir haben beide das gleich Thema: die Frau“, sagt Leidenfrost dazu. 

Die künstlerische Diskussion findet die Malerin aus Wedel „hochinteressant“, sie wolle sich aber nicht daran beteiligen. Eine Sache verrät sie noch: „Ich werde jetzt noch einmal ein Pferdebild malen, ein größeres. Ich habe es schon im Kopf. Ich liebe die Kraft dieser Tiere.“

Michael Berger

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