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Einen Abend lang Schlaraffenland

Lübeck Einen Abend lang Schlaraffenland

Die 7. Lübecker Theaternacht bietet 100 Aufführungen an 13 Spielorten in der Innenstadt.

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Auf dem Theaterschiff präsentierten sich gestern alle, die an der Theaternacht teilnehmen. In der Mitte Koordinatorin Nina Jakubczyk.

Quelle: Foto: Malzahn

Lübeck. Lübecks Kultursenatorin Annette Borns (64) freut sich offenbar auf die Rente. Man darf ihr nicht unterstellen, dass sie amtsmüde sei, doch sie sagt selbst ungeschützt, dass sie im Ruhestand endlich das ganze Kulturangebot wahrnehmen werde („hoffentlich!“), zu dem sie jetzt qua Amt eingeladen sei. Gestern durfte Borns wieder einmal auf die Vielfalt in ihrem politischen Wirkungsbereich hinweisen — bei der Vorstellung der 7. Lübecker Theaternacht.

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Neu im Programm: Zauberer Henning.

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Und tatsächlich: Ähnlich wie bei der Museumsnacht wird die Altstadt am Sonnabend nächster Woche zum kulturellen Schlaraffenland. Ab 16 Uhr darf man sich nirgends sicher fühlen vor Schauspielern und anderen Bühnenkünstlern, an 13 Spielstätten gibt es rund 100 Aufführungen von 24 Theatern und freien Gruppen.

Natürlich ist die Hauptversorgungsstelle wieder die städtische Bühne in der Beckergrube. Dort wird um 16.55 Uhr in aller Öffentlichkeit der offizielle Startschuss gegeben, ab 18.15 Uhr kann man im Großen Haus „Live-Hörspiele“ zu den Neuproduktionen „Willy Brandt“ und „Die Ehe der Maria Braun“ erleben. Es soll sich nicht nur um Hör-, sondern auch Seherlebnisse handeln. Um 20 Uhr schließt sich eine „Eröffnungsgala“ mit Opernensemble, Chor und Orchester an. In den Kammerspielen wird das Schauspielensemble Ausschnitte aus Pit Holzwarths und Willy Daums Pop-Abend „Liebe und Rebellion“

bieten — ein Publikumsrenner. Ab 23 Uhr kann man in den KIammerspielen sicherlich spektakuläres Musik-Improvisations- Theater erleben: In der Slam-Reihe „Dead or Alive Unplugged“ treten wieder Tote gegen Lebende an — diesmal Musiker, dargestellt von den Schauspielern des Ensembles.

Zwei Neuerungen konnte Nina Jakubczyk, Leiterin des Kulturbüros und Koordinatorin der Theaternacht, gestern verkünden: Zum einen wird in diesem Jahr auch der Werkhof eingebunden. Dort gastiert die Truppe „funnybones“ mit Komik und Magie und gibt einen Einblick in Künftiges: die „Magic Monday Show Lübeck“, eine „nicht immer ganz gepflegte Show“, die an jedem ersten Montag im Monat Erwachsene überraschen soll. Auch die zweite Neuerung hat mit Magie zu tun: Der Illusionist Roland Henning empfängt in seinem 20 Zuschauer fassenden Zaubertheater in der Mengstraße mit Ausschnitten aus seinen Programmen „Das ist kein Hund“ und „Chaos ist keine Option“.

Neben Schauspiel (fast überall) gibt es Tanz (mit TanzOrtNord in der Reformierten Kirche), Gesang (Sommeroperette im Volkstheater Geisler), Geschrei (Grölgruppe im Combinale), Kabarett („Kunst gegen Bares“ auf dem Theaterschiff), Mundart (Niederdeutsche Bühne im Theater Lübeck) und jede Menge Kinderprogramm: Im Volkstheater Geisler (Musiktheater PicoBello), im Theater am Tremser Teich und im Kinder- und Jugendhaus „Röhre“. Das Theater Lübeck zeigt auf der Probebühne eine Kostprobe des neuen Weihnachtsmärchens „Die Schneekönigin“, die Taschenoper im Studio Ausschnitte aus großem Musiktheater für Kleine. Das Kobalt Figurentheater gestattet einen Blick auf seine November-Premiere „Schneewittchen“ und einen Rückblick auf „Die Kogge der Gestrandeten“, zudem gibt es ein Kabarett-Gastspiel mit „Affentheater“ für Erwachsene.

Manfred Upnmoor vom „Theater stiller Wahnsinn“, das in der Kulturrösterrei residiert, kann einen alten Bekannten ankündigen: Der wunderbare Komödiant Jan Becker, der von 2005 bis 2007 Ensemblemitglied am Theater Lübeck war und inzwischen in Berlin lebt (Lübeck aber nach wie vor verbunden ist), tritt an zum Standup-Abend mit dem erfreulichen Thema „Halleluja — 15 Minuten Glück“.

Es wird sicherlich Gedränge geben.

Apropos: Der Zugang zu den meisten Bühnen ist begrenzt, in den vergangenen Jahren mussten Zuschauer früh anstehen, um den Auftritt ihrer Wahl zu sehen. Nicht nur die Aufführungen des Theaters Lübeck waren begehrt, auch die im Combinale, im Theater Partout und im Figurentheater.

Die Theaternacht ist eigentlich eine Abendveranstaltung, ihren Titel trägt sie dennoch zurecht. Denn zu später Stunde lädt das Volkstheater Geisler zu einer Mitternachtsshow mit anschließender Party (24 Uhr), das Theaterrestaurant Dülfer zur Cocktail-Fete (0.30 Uhr), und auch auf dem Theaterschiff gehen sicherlich nicht so schnell die Lichter aus.

Von Köln über Hamburg nach Lübeck
Die Theaternacht ist eine Erfindung der Kölner Bühnen — jedenfalls wird das in der Domstadt behauptet. Dort fand 2001 zum ersten Mal eine gemeinsame Spielzeiteröffnung von öffentlichen und privaten Theatern statt. Hamburg zog 2004 nach — dort beteiligen sich an diesem Sonnabend rund 40 Theater — auch Staatsoper, Schauspielhaus und Thalia-Theater — an der vom Verein Hamburger Theater organisierten Nacht. Berlin wollte 2009 nicht nachstehen: In der Hauptstadt gab es die 1. Lange Nacht der Opern und Theater, allerdings im April. In diesem Jahr fiel die Veranstaltung ins Wasser, 2014 soll sie wieder stattfinden.

In Lübeck findet die Theaternacht am Sonnabend, 14. September, zum 7. Mal statt. Sie beginnt um 16 Uhr mit Kinderprogrammen (am Theater Lübeck ab 17 Uhr), für die Erwachsenen wird ab 18 Uhr Theater gemacht. Mit dem Ticket zu 11 (8) Euro hat man überall freien Eintritt — Karten sind aber keine Garantie für einen Platz. Das Programm liegt an allen Spielstätten aus.

• Internet : www.theaternacht-luebeck.de

Michael Berger

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