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Eines Morgens bei den Filmtagen

Lübeck Eines Morgens bei den Filmtagen

„Moin.“ „Moin.“ Moin? Das klingt etwas seltsam in einem Kino. Aber es ist Filmfestival, was will man machen. Da hat man nur fünf Tage Zeit, da müssen etwa zweihundert Filme reinpassen, und dann fängt man halt sehr zeitig an. Hat also alles seine Richtigkeit mit „Moin“.

Lübeck. Im Foyer des Cinestar sitzt zu dieser frühen Stunde auch Reinhold Wulff, und zwar beruflich wie privat. Er stammt aus Lübeck, hat über die Emigration aus Schweden in die USA promoviert und lehrt am Nordeuropa-Institut der Berliner Humboldt-Universität.

Er war schon als Jugendlicher bei den Filmtagen und kommt fast jedes Jahr, sagt er. Er hat vorher an der Universität in Kiel gearbeitet und trifft hier immer wieder Studenten aus dieser Zeit. Das ist die eher private Seite. Aber er kann auch viele Filme an der Uni verwenden, gerade Dokumentationen.

Das Besondere am Lübecker Festival? Dass die Filme hier im Original laufen, sagt er. Er spricht Schwedisch, ist im Dänischen und Norwegischen zu Haus, versteht etwas Finnisch und Isländisch – selbst in Berlin müsse man lange suchen, um einen Film auf Skandinavisch zu sehen. Lübeck sei da „eine große Chance“. Allerdings würden die Filmtage zu groß. Das sei zwar einerseits verständlich, aber mit noch mehr Besuchern und noch mehr Orten zerfasere die Sache.

Thomas Berg ist auch schon früh unterwegs. Er steht im Foyer und wartet auf einen Kaffee. Er ist Fotograf aus Lübeck mit einem Atelier in der Hüxstraße, hat jetzt aber hier im Kino seine Sachen aufgebaut und fotografiert Schauspieler und Regisseure, deren Porträts morgen bei der Filmpreisgala groß im Neuen Theater hängen werden.

Etwa 30 dürften es werden, sagt er. Eher unbekannte Gesichter darunter, aber auch bekannte wie Charly Hübner und Anneke Kim Sarnau vom „Polizeiruf“. Oder Nikolaj Coster-Waldau, der bei „Game of Thrones“ Jaime Lennister spielt. „Schauspieler sind total unproblematisch zu fotografieren“, meint er. Bei Regisseuren sei das manchmal etwas schwieriger. Hat wohl seinen Grund, dass sie hinter statt vor der Kamera stehen.

Inzwischen ist Betrieb im Foyer. Junges Publikum, älteres Publikum, Leute mit Ausweisen um den Hals, Leute mit einem Handy in der Hand, Leute mit einem Buch in der Hand. Und die Flammkuchenproduktion ist auch angelaufen.

An einem Tisch sitzt Solveig Melkeraaen und studiert das Programm. Auf einem Foto sind zwei Kinder zu sehen. Das Mädchen kennt sie, es ist Ylva, ihre Nichte. Und den Film kennt sie auch, sie hat ihn schließlich gedreht. „Zungenschneider“ heißt er, eine Arbeit über Kinder in Norwegen, die dem gefangenen Kabeljau die Zungen heraussäbeln. Das ist hart, das ist nass, und es riecht auch nicht besonders gut. Aber die Regisseurin kommt aus der Gegend und hat früher als Kind selbst mit dem Messer in der Hand dort gestanden, also in der Saison, von Dezember bis März, immer nach der Schule und oft bis in den späten Abend.

Sie hat sich von dem Geld ein Fahrrad gekauft, einen Kassettenrecorder, sie hat gespart. „Es ist Tradition“, sagt sie und findet es gut, dass die Kinder sie weitertragen. Sie lernten, mit Geld umzugehen und dass man sich anstrengen muss, um etwas zu erreichen. Außerdem rekrutierten die Fischer in Norwegen so ihren Nachwuchs.

Etwas weiter die Mühlenstraße hinauf stehen Svenja Knoke und Mira Fröhlich im Festivalpressebüro und geben die Akkreditierungen heraus. Etwa 100 Journalisten sind vertreten, sagen sie: von Zeitungen und Zeitschriften, vom Fernsehen, vom Radio, von Filmblogs und anderen Online-Medien. Die meisten kämen aus Deutschland, aber auch aus Schweden, Norwegen oder Finnland. Probleme? „Nein, keine Probleme.“

Auf dem Klingenberg gibt es Elchburger für 6,50 Euro, daneben steht der Fulldome, 360-Grad-Kino im weißen Kuppelzelt. Nebenan in der Petrikirche wird „The Diving Bell“ erwartet, eine Installation samt Konzert. Noch etwas weiter, in St. Katharinen, laufen ebenfalls Vorbereitungen. „Finlandia“ steht hier am Abend auf dem Programm, ein fast 100 Jahre alter Stummfilm, der Finnland feiert, die Wälder, die Natur, das Militär, Helsinki. Dazu wird es Livemusik geben. Die Karten aber sind schon alle weg. „Ausverkauft“, sagt eine junge Frau.

Von Peter Intelmann

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