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Einfach mal die Blickrichtung ändern

Einfach mal die Blickrichtung ändern

Mehr Besucher bei der Frankfurter Buchmesse – Friedenspreisträgerin Carolin Emcke plädiert für eine offene Gesellschaft.

Frankfurt am Main. Mit einem leichten Besucherplus ist am Sonntag die 68. Frankfurter Buchmesse zu Ende gegangen. Rund 278000 Menschen kamen in den fünf Tagen zur weltgrößten Bücherschau mit mehr als 7000 Ausstellern aus rund 100 Ländern, darunter gut 142000 Fachbesucher.

 

LN-Bild

„Freiheit ist etwas, das man tut“: Publizistin Carolin Emcke in der Paulskirche.

Quelle: Daniel Roland/afp

Am Wochenende drängten sich die Gäste vor allem um viele bücherschreibende Prominente wie Hardy Krüger, Daniela Katzenberger und DJ Bobo. Bei der Signierstunde der britischen Bestsellerautorin Cecelia Ahern reihten sich Fans schon eine Stunde vorher ein.

Der Sonntag stand aber vor allem auch im Zeichen der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an Carolin Emcke (49). „Freiheit ist nichts, das man besitzt, sondern etwas, das man tut“, sagte die Publizistin und Journalistin vor etwa 1000 Gästen in der Frankfurter Paulskirche, darunter Bundespräsident Joachim Gauck und ihr akademischer Lehrer Jürgen Habermas. Sie verwob Persönliches wie ihre Homosexualität mit dem großen Ganzen und warb dafür, „die Blickrichtung zu ändern“. Es gehe um die Vielfalt der Lebensentwürfe in der globalen Welt. „Wir werden in Kollektive verpackt, alle lebendigen, zarten, widersprüchlichen Zugehörigkeiten“ würden „verschlichtet und verdumpft“, warf sie den Populisten und Fanatikern vor, die vom „homogenen“ Volk oder der „wahren“

Religion sprechen. „Sie hassen und verletzen nicht unbedingt selbst – sie lassen hassen.“

Emckes Rede war ein Plädoyer für eine liberale, offene und säkulare Gesellschaft. Als Kriegsreporterin hat sie auf ihren Reisen erfahren, was Flucht und individuelles Leid bedeutet. Sie verwies darauf, dass auch die Familie ihrer Mutter vor dem Krieg nach Argentinien ausgewandert sei. Beim Kampf gegen Hass und Verachtung sei die ganze Zivilgesellschaft gefordert: „Wir brauchen Bilder und Vorbilder auf den Ämtern und Behörden.“

Insgesamt war die Buchmesse in diesem Jahr stark politisch geprägt. Neben der Krise in der Türkei stand auch die in Europa im Mittelpunkt. Im Verlagsgeschäft ging es vor allem um den digitalen Wandel in der Branche. Ehrengäste waren in diesem Jahr Flandern und die Niederlande, die einen gemeinsamen Kultur- und Sprachraum haben. Die 69. Frankfurter Buchmesse im kommenden Jahr findet vom 11. bis 15. Oktober statt. Ehrengast wird dann Frankreich sein.

LN

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