Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 11 ° Regenschauer

Navigation:
Einfach nur Farbe Burkhard Dierks, Jahresschaupreisträger der Gemeinschaft Lübecker Künstler, stellt in der Galerie Artler aus

Lübeck Einfach nur Farbe Burkhard Dierks, Jahresschaupreisträger der Gemeinschaft Lübecker Künstler, stellt in der Galerie Artler aus

Seine Bilder erzählen keine Geschichten, sie stellen nichts dar, sie sind ganz sie selbst: Farbe auf Leinwand, Nessel, Jute oder Waschlappen.

Voriger Artikel
Bucerius-Kunstforum erhält neue künstlerische Leitung
Nächster Artikel
Großaufgebot junger Stimmen

In seiner radikalen Malerei steht die Farbe für sich selbst: Jahresschau-Preisträger Burkhard Dierks mit seinen Gemälden.

Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen

Lübeck. Seine Bilder erzählen keine Geschichten, sie stellen nichts dar, sie sind ganz sie selbst: Farbe auf Leinwand, Nessel, Jute oder Waschlappen. Burkhard Dierks bezeichnet sich selbst nicht als abstrakten Künstler. „Abstrakte Malerei geht immer von etwas Gegenständlichem aus. Das ist bei mir nicht der Fall“, sagt er. Vielmehr sieht er sich in der Tradition der radikalen konzeptionellen Malerei, die wenig dem Zufall überlässt. Die Wahl des Materials und des Vorgehens sind entscheidend. „Das Konzept zwingt zu Disziplin“, sagt Dierks. Und: „Das Risiko ist bei reduzierter Malerei viel größer. Wenn die Farbe sitzt, dann sitzt sie.“ Er korrigiert nicht, aber es kommt vor, dass er Bilder aussortiert.

LN-Bild

Seine Bilder erzählen keine Geschichten, sie stellen nichts dar, sie sind ganz sie selbst: Farbe auf Leinwand, Nessel, Jute oder Waschlappen.

Zur Bildergalerie

Burkhard Dierks, 1960 in Lüneburg geboren, ist im Hauptberuf Kunstlehrer in Lübeck. Schon früh hat er fotografiert und gezeichnet. „Ich habe figürlich angefangen“, sagt er, er sei dann aber immer weiter davon weggekommen. Die Gemeinschaft Lübecker Künstler hat dem Maler den Titel „Jahresschaupreisträger 2015“ verliehen. Eine Begründung für die Entscheidung gibt die Jury nicht ab. Jeder und jede kann sich selbst ein Bild machen: Die Ehrung ist mit einer Einzelausstellung verbunden, von Sonnabend an sind knapp zwei Dutzend von Dierks‘ Arbeiten in der Galerie Artler in der Lübecker Altstadt zu sehen.

Als Betrachter nimmt man in den Bildern häufig ein Zusammenspiel zweier Farben wahr: Rot und Gelb. Grün und ein tiefdunkles Blau. Blau und Pink. Häufig aber täuscht dieser Eindruck. Dierks malt in Schichten. Oft ist am Bildrand die Entstehungsgeschichte des Werkes abzulesen.

Die Untermalung spielt eine wichtige Rolle. Er arbeitet mit selbstgebauten Pinseln, die sehr breit sind, 20 oder 30 Zentimeter, wie er mit den Händen zeigt. Die Farbe zieht er mit einem Pinselstrich waagerecht von links nach rechts. Nach seinem Wunsch könnten die Pinsel noch größer sein, so dass ein einziger Strich ausreichend wäre. Das zum Teil unebene Material wie beispielsweise Jute nimmt die Farbe sehr unregelmäßig auf. Das ist Teil des Konzeptes.

Dierks bevorzugt das Quadrat, weil es kein Oben und kein Unten hat. Auch einige Hochformate finden sich in der Ausstellung. Querformate fehlen völlig. Beim fertigen Bild aber lässt sich nichts mehr drehen — Oben und unten sind klar festgelegt.

Der Maler verwendet Öl- und Acrylfarbe, seit kurzer Zeit auch Dekofarben und -sprays — ein Ergebnis seiner Auseinandersetzung mit dekorativer Kunst, die ihm ein Gräuel ist. Dierks verwendet Material, das man in Baumärkten kaufen kann. Spray zum Beispiel, mit dem man eine Buddhafigur im eigenen Garten mit Gold besprühen kann, um es zweckzuentfremden.

Titel haben seine Bilder nicht. Der Maler will die Wahrnehmung der Betrachter nicht lenken. „Die Bilder sollen für sich sprechen“, sagt er. Eine Ausnahme gibt es, einem Bild hat Dierks einen Titel gegeben, der das Motto für die gesamte Ausstellung bildet. „Bumpy Raw Umber“, zu deutsch: holpriges, raues Umbra. Es ist so gehängt, dass es von der Straße aus zu sehen ist — ein passendes Entree in die künstlerische Position des Malers. Es handelt sich um eines der Großformate in Violett und Schwarz, die Farbe dick aufgetragen. Ein halbes Kilo habe er gebraucht, sagt Dierks, im Dezember habe er sie aufgetragen, und noch immer sei sie nicht richtig durchgetrocknet.

Eröffnung am Sonnabend, 17 Uhr. Galerie Artler, Große Burgstraße, Lübeck. Geöffnet bis 16. April , Do und Fr 17 bis 19 Uhr, Sa 12 bis 14 Uhr.

Club der Künstler aus der Region

Die Gemeinschaft Lübecker Künstler gibt es seit 70 Jahren. Im Februar 1946 gründeten 17 Lübeckerinnen und Lübecker den Verein „Gemeinschaft Lübecker Maler und Bildhauer“, der zunächst im Behnhaus einen ständigen Ausstellungsraum fand. Aktuell hat die Gemeinschaft 80 Mitglieder aus der gesamten Region. Bis 2011 gab es Jahresausstellungen des Vereins im Kulturforum Burgkloster. Da das Burgkloster Teil des Europäischen Hansemuseums wurde, findet die Jahresschau nun alle zwei Jahre in den Räumen der Kunsthalle St. Annen statt. In den Zwischenjahren ist die wichtigste Schau der Gemeinschaft Gast in wechselnden Museen in der Lübecker Umgebung.

Von Liliane Jolitz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Norden