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Berlin Einladung zu einer Weltreise

Konzept für das Humboldt Forum im wiederaufgebauten Berliner Schloss vorgestellt – Freier Eintritt?.

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So sollen der Neubau des Berliner Schlosses – das Humboldt Forum – und der umgebende Platz aussehen.

Quelle: Fotos: Timo Hermann – Bbz Landschaftsarchitekten/dpa

Berlin. . Was hat Guano mit Kolonialismus zu tun? Warum hilft Mülltrennen dem Albatrossküken in Peru? Fragen wie diese soll das Humboldt Forum im rekonstruierten Berliner Schloss einmal erläutern. Die Gründungsintendanz um den britischen Museumsstar Neil MacGregor gab gestern erstmals Einblick in ihr mit Spannung erwartetes Konzept.

LN-Bild

Konzept für das Humboldt Forum im wiederaufgebauten Berliner Schloss vorgestellt – Freier Eintritt?.

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„In der Mitte der Hauptstadt, auf dem zentralen Platz der Republik, können wir alle die Welt als Ganzes erforschen“, so das Credo. Angelehnt an MacGregors Erfolgsrezept vom British Museum in London sollen unterschiedlichste Objekte aus den Berliner Museen globale Probleme deutlich machen und aus dem Forum einen Ort des Lernens und Weltverstehens machen. Als Beispiel stellten die Experten die Ausstellung „Extreme! Natur und Kultur am Humboldtstrom“ vor, die bis zum 26. Februar in der futuristischen Infobox am Schlossplatz zu sehen ist.

Mit Alltagsgegenständen, spirituellen Objekten, Kunstwerken und Beispielen aus der Pflanzen- und Tierwelt wird erklärt, wie die extremen Naturbedingungen in Peru die Kultur dort prägten – und welche Auswirkungen Umweltverschmutzung und Klimawandel haben. Da ist dann der Guano-Kormoran zu sehen, der jahrhundertelang den traditionellen Dünger für die Landwirtschaft lieferte, später aber von den Kolonialherren rücksichtslos ausgebeutet wurde. Oder das Schwarzfuß-Albatrossküken, das an den angeschwemmten Plastikabfällen am Strand verendet ist. Demonstrativ wird dazu ein wilder Abfallberg in einem Glascontainer gezeigt, Besucher können zersetzten Plastikmüll aus einem Sandkasten heraussieben.

Bis zur Eröffnung des Humboldt Forums Ende 2019 sollen voraussichtlich jeweils drei Ausstellungen im Jahr auf dieser „Probebühne“ inszeniert werden, wie MacGregor ankündigte. „Sie sind eine Aufforderung zur Weltreise und geben einen Vorgeschmack auf das künftige Humboldt Forum.“ Die nächsten Themen sind „Kindheit“ und „Gold“.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), die den britischen Museumsmacher im vergangenen Jahr für das bis dahin wenig populäre Schloss-Projekt berufen hatte, nannte das Konzept „ebenso inspiriert wie inspirierend“. „Es verspricht ein Geschichts- und Kulturpanorama, das uns die Welt neu verstehen lässt“, sagte sie. Schwerpunkt der Dauerausstellung werden die Sammlungen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst sein, die bis jetzt im Ortsteil Dahlem ein Schattendasein fristen. Ziel sei, möglichst viele Institutionen und Forschungseinrichtungen miteinander zu vernetzen und damit neue Perspektiven zu eröffnen, so das Intendantenteam, zu dem auch Preußen-Stiftungspräsident Hermann Parzinger und der Kunsthistoriker Horst Bredekamp gehören.

Ein Dauerthema soll nach Angaben von Parzinger auch die Auseinandersetzung mit der deutschen Kolonialvergangenheit sein. Ziel sei, die Herkunftsländer in einem „Dialog auf Augenhöhe“ an den Ausstellungen zu beteiligen. „Das Humboldt Forum muss ein Scharnier sein, das auch in diesem Sinne in die Welt hinauswirkt.“ Neu ist die Idee, in der Belétage statt der bisher geplanten Kunstbibliothek eine Humboldt Akademie zu errichten. „Hier sollen die Besucher die Gebrüder Alexander und Wilhelm von Humboldt kennenlernen. Das ist das Basislager zur Weltreise“, so MacGregor.

Die Gründungsintendanten wünschen sich einen kostenlosen Eintritt für das offene Haus – gemäß dem Humboldtschen Motto „Ideen können nur nutzen, wenn sie in vielen Köpfen lebendig werden“. Der Vorschlag habe schon einen „positiven Anklang“ im Kopf von Finanzminister Wolfgang Schäuble gefunden, verriet Grütters. Konkrete Zusagen stehen aber noch aus.

Der Wiederaufbau des Berliner Schlosses kostet nach aktuellen Angaben knapp 600 Millionen Euro. Davon trägt der Bund 483 Millionen Euro, das Land Berlin 32 Millionen Euro. Weitere 80 Millionen sollen durch private Spenden zusammenkommen.

Das Berliner Schloss

1443: Grundsteinlegung für ein Schloss an der Spree.

1698: Beginn des Schlossbaus von Andreas Schlüter.

3. Februar 1945: Bei einem Bombenangriff auf Berlin wird das Schloss getroffen und brennt aus.

September 1950: Die Schlossruine wird gesprengt.

1973-1976: Der Palast der Republik wird gebaut.

20. Dezember 2001: Eine Kommission empfiehlt einen Nachbau des Stadtschlosses. Darin soll das „Humboldt Forum“ mit Museum und Bibliothek entstehen.

4. Juli 2002: Der Bundestag beschließt die Wiedererrichtung des Schlosses.

28. November 2008: Der Abriss des Palastes der Republik ist abgeschlossen; der italienische Architekt Francesco Stella erhält den Zuschlag zum Wiederaufbau des Schlosses.

Nada Weigelt

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