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Kultur im Norden Einzug ins Koch‘sche Haus hat begonnen
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20:27 29.03.2016
Die Palmberg-Mitarbeiter Arne Lemke (l.) und Frank Maack (r.) montieren die ersten Möbel im sanierten Koch‘schen Haus in Schönberg. Museumsleiter Olaf Both stimmt die Arbeiten mit den beiden Fachleuten ab. Quelle: Fotos: Jürgen Lenz

Jahrelang haben Handwerker, Architekten, Museumsfachleute, Verwaltungsmitarbeiter und Stadtvertreter auf diesen Moment hingearbeitet: Der Einzug ins Koch‘sche Haus am Markt in Schönberg beginnt. „Die zweite Garderobe hätte ich gerne hier“, sagt Olaf Both, Leiter des ortsansässigen Volkskundemuseums, in einem Raum im Erdgeschoss. „Ja, ist okay“, antwortet Arne Lemke, Mitarbeiter des Schönberger Unternehmens Palmberg. Lemke und sein Kollege Frank Maack montieren Möbel im künftigen Besucher- und Informationsraum, der bei Bedarf auch für kleinere Veranstaltungen genutzt werden soll.

Allerdings wird noch viel Zeit vergehen, bis das Volkskundemuseum sein bisheriges Domizil am Kirchplatz komplett verlassen hat und im Koch‘schen Haus am Markt neu eröffnet. Olaf Both erklärt: „Mit dem Einpacken des Museumsgutes zeigt sich, dass wir richtig gerechnet haben, für den Umzug etwa ein Jahr einzuplanen.“ Vielleicht könne das Museum im kommenden Jahr am Internationalen Museumstag mit der neuen Dauerausstellung eröffnet werden. Das wäre der 21. Mai 2017.

Der Umzug von rund 10000 Objekten plus Archiv und Bücher ist nach Olaf Boths Auskunft sehr mühevoll und aufwendig. „Im Moment sind wir immer noch beim Einpacken“, erläutert der Leiter des Museums, das 1932 in eine ehemalige Mädchenschule am Kirchplatz einzog. Am 8. Juli 2010 beschloss eine Mehrheit der Stadtvertreter, das Koch‘sche Haus zu sanieren, künftig als Museum zu nutzen und das jetzige Museumsgebäude am Kirchplatz freizuziehen. Befürworter argumentierten, der Markt sei eine optimale Lage für ein Museum, die mögliche Raumaufteilung im Koch‘schen Haus sei besser, die damaligen Mietverhältnisse würden Verluste für die Stadt verursachen und ohne Konzept könnten keine Zuschüsse für Sanierung und Umbau beantragt werden. Damalige Nutzer waren eine Kunstschule, die Parforcehornbläsergruppe Maurinetal, ein „Dalslandcenter“ genanntes Informationsbüro mit Café und der Schönberger Musiksommer mit seinem Organisationsbüro.

Beide Beschlüsse der Stadtvertreter werden umgesetzt. „Wir räumen das Haus am Kirchplatz komplett leer“, sagt Olaf Both. Wegen des Umzugs ist die frühere Schule seit dem 19. September vorigen Jahres nur noch für besondere Veranstaltungen geöffnet. Was nach dem Leerzug mit der stadteigenen Immobilie geschehen wird, ist derzeit völlig offen. Im Beschluss vom 8. Juli 2011 heißt es:

„Über eine anderweitige Nutzung oder Verwertung dieses Gebäudes wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden.“ Passiert ist das noch nicht.

Um die Umzugskosten für die Stadt zu senken, hat sich Bürgermeister Lutz Götze (SPD-Fraktion) ans Schweriner Bildungsministerium gewandt. Er berichtet: „Anfang März bat ich in einem Gespräch den Kultusminister des Landes zu prüfen, ob eine weitere finanzielle Unterstützung des Umzuges möglich sei.“ Mathias Brodkorb (SPD) habe zugesagt, das zu prüfen. Euphorisch macht den Bürgermeister die Antwort des Ministers nicht. Er sagt: „Es bleibt abzuwarten, ob diese ministerielle Zusage positive Auswirkungen auf unser Museum hat.“

Positiv sieht Olaf Both das Engagement des Unternehmens Palmberg, das zahlreiche Möbel fürs Koch‘sche Haus geliefert hat. Der Museumschef sagt: „Es ist toll, wenn man bei der Einrichtung eines Museums so von einer Firma wie Palmberg unterstützt wird — sowohl planerisch als auch bei der Einrichtung und den Kosten.“

Güstrower Carl Koch war verfolgter Demokrat

Carl Koch (1879 - 1969), Namensgeber des Koch‘schen Hauses am Markt in Schönberg, wurde über die Grenzen der Stadt hinaus als Rechtsanwalt bekannt. Er vertrat den Landarbeiter Josef Jakubowski in einem Mordprozess, der international Schlagzeilen machte. Nach einem Indizienprozess wurde Jakubowski am 15. Februar 1926 hingerichtet. Kritiker bezeichneten das Fehlurteil als Zeichen der Klassenjustiz und des Rassenhasses. Auch diente es als Argument gegen die Todesstrafe.

Der gebürtige Güstrower Carl Koch zog im Jahr 1911 nach Schönberg. Dort arbeitete er nicht nur als Rechtsanwalt und Notar, sondern 14 Jahre lang auch als Bürgermeister. Wegen seiner demokratischen Einstellung beschimpften und verfolgten ihn sowohl Vertreter des NS-Staates als auch der DDR.

Von Jürgen Lenz

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