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Elektronische Ausflüge in die Barockzeit

Lübeck Elektronische Ausflüge in die Barockzeit

Bernd Ruf und Franz Danksagmüller stellten ihr Buxtehude-Projekt in St. Jakobi vor.

Lübeck. Bernd Ruf und Franz Danksagmüller sind beide Professoren an der Musikhochschule Lübeck, beide sind herausragende Musiker mit Mut zu spektakulären Experimenten und somit auch zum Risiko. Ihr gemeinsames Projekt „buxtehude 21 On the Bridge“, das sie am Montag in der Jakobikirche vorstellten, erwies sich als engagierter und gelungener Versuch, die Musik barocker Komponisten mit den Mitteln des 21. Jahrhunderts zu verbinden und so neue Ausdrucksformen zu erreichen.

 

LN-Bild

Bernd Ruf (links) und Franz Danksagmüller in St. Jakobi.

Quelle: Malzahn

Sopransaxofon, Orgel und Live Electronic: Was einfach klingt, ist in Wirklichkeit höchst komplex zusammengefügt. Das Konzert begann mit Dieterich Buxtehudes „Präludium in g“. Wummernde elektronische Töne noch unterhalb der Frequenz der tiefsten Orgelpfeifen, dazu Bernd Rufs wandlungsfähiger Saxofon-Ton, immer wieder Originalklänge aus Buxtehudes Partitur: Hieraus ergab sich im Verlauf der vier kurzen Sätze eine musikalische Mixtur, die beeindruckte. Müßig ist es zu fragen, ob Buxtehude heute in diesem Stil komponiert hätte. Tatsache aber ist, dass man Buxtehude und andere Barockmusik so interpretieren kann wie Franz Danksagmüller und Bernd Ruf.

Wieviel Sinn diese Bearbeitungen und Paraphrasen machen, wurde in Kompositionen von Georg Friedrich Händel und Franz Tunder deutlich. Auch mit modernen Instrumenten kann man die barocken Regeln zur Erzeugung von Affekten nutzen. In Tunders „An Wasserflüssen Babylon“ ließ Bernd Ruf sein Sopransaxofon geradezu weinen. Dieses Instrument ist dazu in der Lage, sich der menschlichen Stimme erstaunlich zu nähern.

In ihren eigenen Kompositionen haben sich Bernd Ruf und Franz Danksagmüller auch aktuellen Themen zugewandt. „Dow Jones — Danza Infernale“ beschreibt die Entwicklung des Börsen-Index‘ nicht nur mit Tönen, sondern auch mit auf eine Leinwand projizierten Grafiken. Zum Höhepunkt des Abends aber wurde das letzte Stück des Konzertes. Die beiden Musiker setzten ihr Instrumentarium zur Verschmelzung der Toccaten in d-Moll von Johann Sebastian Bach und Dieterich Buxtehude ein. Virtuose Läufe, schimmernde Klangkaskaden und rhythmische Vertracktheiten ergaben eine großartige Melange.

Fel

Die CD „Buxtehude 21 On the Bridge“ erscheint beim Label CP Arts.

LN

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