Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Kultur im Norden Eltern allein zu Haus
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Eltern allein zu Haus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:23 16.12.2017
Die Kinder sind aus dem Haus – Pierre (Reiner Lorenz) und Laurence (Anita Gramser) ordnen ihr Leben neu. Quelle: Foto: Lutz Roessler
Anzeige

Die Autoren – sie sind auch Fernsehproduzent beziehungsweise Schauspieler, beide Jahrgang 1961 – sind Profis in ihrem Metier, und mit Konversationsstücken in kleiner Besetzung kennen sich Franzosen gut aus. Man begegnet ihnen in Lübeck immer wieder.

Im aktuellen Stück geht es um ein Ehepaar an der Schwelle zum Rentnerdasein. Laurence und Pierre sind eingeladen, um beim Partner des Mannes mit einem festlichen Mahl den Verkauf der Geschäftsanteile zu feiern. Aber Laurence hat absolut keine Lust. Nicht aus einer momentanen Laune heraus oder wegen einer Migräne-Attacke, sondern weil die Sinnkrise sie überfällt.

Die drei Kinder, die sie großgezogen hat, sind aus dem Haus. Zurück bleiben leere Zimmer und das Empty Nest-Syndrom, wie der neue Fachausdruck lautet. Pierre hat noch einige Monate in der Anwaltskanzlei vor sich. Aber das Ende der Berufstätigkeit ist abzusehen.

Aus dem Abend bei Freunden wird nichts. Fast nichts. Denn erstens heißt das Stück „Anderthalb Stunden zu spät“, und zweitens muss das bisher etwa 40 Jahre währende Eheleben aufgearbeitet werden. Gibt es vielleicht doch eine lebenswerte Zukunft zu zweit? Dieser Frage wird bisweilen besinnlich-heiter, bisweilen überbordend komisch nachgegangen.

Regisseur Uli Sandau musste sich allerlei einfallen lassen, um aus dem Dialogstück echtes Theater zu machen; mit Gängen, unterschiedlichen Spielorten innerhalb des Salons, mit abgestuften Temperamentsausbrüchen und retardierenden Momenten. Hinter allem Streiten bleibt der liebende Mensch spürbar, der den Glauben an die Zukunft nicht aufgibt.

Es ist anrührend, wie Reiner Lorenz als Pierre die Sorgen seiner Frau ernst nimmt und es immer erneut versucht, ihre Sichtweise zu verstehen. Anita Gramser tobt sich als Laurence gelegentlich aus, kommt aber immer wieder von den Tiefen der Verzweiflung auf die Ebene der Realität zurück. Es ist beruhigend, dass über allem doch das Verständnis füreinander und der Wille zum Miteinander stehen. Da es keine materiellen Sorgen gibt, könnte es vielleicht doch eine „genussreiche Zukunft“ in der Rentenzeit werden.

Im Stück erleben die Zuschauer also keinen Geschlechterkampf à la Strindberg oder wie bei Ingmar Bergman. Das hat den Effekt, dass manche und mancher im Saal sich ertappt fühlt, dass Paare sich in den Dialogen selbst wiederfinden. Denn, so die Botschaft: So Gott will und wir leben, werden wir alle eines Tages Rentner. Also lasst uns mit Freunden ein gutes Mahl genießen. Bei der Premiere am Freitag gab es langen Beifall. kd

Weitere Vorstellungen im Dezember: 22., 23., 25. und 26., jeweils 20 Uhr. Am 31. Dezember gibt es zwei Vorstellungen: um 17.30 und 21.30 Uhr

LN

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

In Anlehnung an einen alten Schlagertitel, wird schnell klar, was meine Passion ist. Krimis und Thriller – ob als Buch, als Film oder auf der Theaterbühne.

16.12.2017

Seine Songs sind melodisch und sanft melancholisch. Aber Reinhard Mey mag es auch bissig, ironisch und temperamentvoll. Er besang die Freuden des Klempner-Daseins und machte „über den Wolken“ zu einem geflügelten Wort. Am 21. Dezember wird der Liedermacher 75.

16.12.2017

Das bevorstehende Fest hat so viele Seiten. Stunden des fröhlichen Miteinanders, Momente der Besinnung, Kerzenschein und so weiter, und wer sich ausschließlich auf ...

16.12.2017
Anzeige