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Kultur im Norden Shooting Star Emma Drogunova
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17:59 12.02.2019
„Dass ich da jetzt Deutschland vertrete, ist echt verrückt.“ Emma Drogunova, als Shooting Star der 69. Berlinale ausgezeichnet. Quelle: GETTY IMAGES
Berlin

Als die frohe Botschaft kam, dass sie auf der Berlinale 2019 als einer der European Shooting Stars geehrt werden würde, gingen mit Emma Drogunova erst einmal kurz die Gefühle durch. „Als meine Agentin mich anrief, saß ich gerade in Köln nach einem langen Drehtag im Auto und war abends zurück auf dem Weg ins Hotel. Die Nachricht hat mich so umgehauen, dass ich vor Freude laut gekreischt habe.“ Ein bisschen muss sie, mit ein paar Wochen Abstand, selbst über ihre emotionale Reaktion schmunzeln. „Der arme Fahrer hat sich richtig erschrocken!“

Daraus, dass ihr dieser Preis wirklich viel bedeutet, macht die 23-jährige Berlinerin in jedem Fall keinen Hehl. Schon seit geraumer Zeit verfolgt sie sehr genau, wem die Shooting-Star-Ehren zuteil werden. und ahnt entsprechend ungefähr, was in der programmreichen Berlinale-Tagen auf sie zukommen wird. „Die Nachfolge von Leuten wie Franz Rogowski, Jella Haase, Louis Hofmann oder Anna-Maria Mühe anzutreten, die ich alle sehr bewundere, ist schon etwas sehr Besonderes“, erzählt Drogunova, die unter den zehn Schauspielern, die am Potsdamer Platz ausgezeichnet wurden, die Jüngste ist. „Und es geht eben nicht nur um den deutschen Markt, sondern um ganz Europa. Dass ich da jetzt Deutschland vertrete, ist echt verrückt.“

Von Sibirien nach Deutschland

Möglichst entspannt und mit großer Vorfreude wollte sie die Berlinale auf sich zukommen lassen, doch ein wenig Vorbereitung hatte sie sich für die Wochen davor trotzdem vorgenommen: alle Filme anzuschauen, „Ich will möglichst viele englischsprachige Serien gucken, damit ich die Sprache im Ohr habe und mich mit allen unterhalten kann. Und ich will alle Filme gucken, für die die anderen Shooting Stars geehrt werden. „Die kennenzulernen und von ihnen Einblicke in die Arbeit in anderen Ländern zu bekommen, ist für mich an dieser Sache das Schönste.“

Für Drogunova, die 1995 im sibirischen Tjumen geboren wurde und im Alter von zwei Jahren mit ihren Eltern nach Deutschland zog, stellt die Auszeichnung, die sie nicht zuletzt für ihre Darstellung der Tänzerin Anezka in der österreichisch-deutschen Bestseller-Verfilmung „Der Trafikant“ von Nikolaus Leytner erhielt, den vorläufigen Höhepunkt einer Karriere dar, die zwar nicht unbedingt zufällig, aber doch einigermaßen ungeplant verlief.

Weil es, wie sie lachend erklärt, nicht unüblich sei, dass Kinder in russischen Familien schon früh auf die Bühne geschoben werden, sammelte sie bereits als Mädchen erste Kindertheater-Erfahrungen, doch richtig wohl fühlte sie sich dort nicht. Als allerdings ein paar Freundinnen in Werbespots auftraten, bemühte auch sie sich um die Aufnahme in einer Agentur für Kinderdarsteller. „Von da aus ging dann alles ganz entspannt los“, erinnert sie sich. „Als ich schließlich meinen ersten kleinen Film drehte, hatte ich dann endgültig Blut geleckt.“

Nur ein erster Schritt

Zum Schlüsselerlebnis wurde nicht nur ein kleiner Auftritt im erfolgreichen TV-Zweiteiler „Das Adlon – eine Familiensaga“, sondern vor allem die Arbeit an dem Kurzfilm „Nicht den Boden berühren“. „Mir hat das Spielen selbst bei vielen Castings Spaß gemacht, die letztlich erfolglos blieben. Aber hier spielte ich meine erste Hauptrolle, das hat mir viel bedeutet“, gibt Drogunova zu Protokoll. „Und vor allem habe ich d„Da habe ich die Regisseurin Mia Spengler kennengelernt, die seither zu meiner Mentorin und fast so etwas wie meiner großen Schwester geworden ist. Von ihr habe ich unglaublich viel gelernt, auch über mich selbst.“

Nicht zuletzt Spengler, mit der sie später auch den Kinofilm „Back For Good“ drehte, war es, die dazu riet, die Schauspielerei auch nach dem Abitur weiterzuverfolgen. Kurz liebäugelte Drogunova trotzdem noch mit einer Tanzausbildung, doch weil die zu wenig Zeit zum Drehen ließ, wurde sie wieder abgebrochen. Denn auch ohne große Planung folgte kontinuierlich eine Rolle auf die nächste, darunter in viel beachteten Tatort-Episoden, Kinofilmen wie „Vielmachglas“ und „Leanders letzte Reise“ oder der Fernsehproduktion „Toter Winkel“, die im vergangenen Jahr sogar für den International Emmy nominiert wurde.

Mit cineastischem Blick

Kein Wunder, dass auch das Russisch- und Französisch-Studium an der Berliner Humboldt Universität, für das sie seit ein paar Semestern eingeschrieben ist, nichts ist, dem sie sich aktuell intensiv widmen kann: „Aber das mache ich ohnehin nicht, um irgendwann einen Bachelor in der Tasche zu haben. Sondern einfach für mich. Damit ich mich, wenn ich dazu komme, mit diesen beiden Sprachen beschäftigen kann.“

Dass Drogunova neben Deutsch und Russisch auch Französisch fließend spricht, liegt daran, dass sie in Berlin jahrelang eine französische Schule besuchte. Aus diesem linguistischen Fundus künftig auch mal beruflich zu schöpfen, gehört zu ihren großen Träumen, zu deren Verwirklichung nun auch der Shooting Star Award ein erster Schritt sein könnte. Gerade die französische Filmlandschaft – und vielleicht ein längerfristiger Abstecher nach Paris – reizt sie sehr.

Emma Drogunova

Drama, Komödie, Krimi – Jungschauspielerin Emma Drogunova (23) ist breit aufgestellt. Der 23-Jährigen stehen viele Rollen. Für die Jury des Netzwerks europäischer Filmorganisationen (efp) ist sie eine von zehn vielversprechenden Schauspielern zwischen 16 und 37 Jahren aus Europa, denen die Auszeichnung „European Shooting Star“ verliehen wurde. Sie tritt damit in die Fußstapfen von Franz Rogowski, Jella Haase, Moritz Bleibtreu, Daniel Brühl, Franka Potente und Anna Maria Mühe.

Doch in erster Linie richtet sie ihren Blick nicht auf ein einzelnes Land, sondern auf das Kino allgemein. Denn so sehr sie sich zunächst treiben ließ, was die berufliche Planung angeht, so heftig lodert inzwischen ihre cineastische Leidenschaft. „Meine Liebe zum Kino wurde immer größer, je mehr ich selbst gespielt habe“, sagt Drogunova zusammenfassend, als sie von einem befreundeten Regie-Studenten berichtet, für dessen Abschlussfilm sie kürzlich eigenhändig und in wochenlanger Arbeit die Darsteller besetzt hatte.

„Ganz unabhängig von meinen eigenen Projekten interessiere ich mich total dafür, welche neuen Entwicklungen es gibt, welche spannenden Kollegen sich etablieren und welcher Regisseur welche Handschrift hat. Seit ein paar Jahren ist zum Beispiel ein Besuch beim Max-Ophüls-Preis ein Pflichttermin, denn ich liebe nichts mehr, als bei einem Festival so viele Filme wie möglich zu gucken.“ Daran, so versichert sie, soll sich auch in Zukunft nichts ändern. Auch wenn sie davon ausgehen kann, dass zumindest auf der Berlinale 2019 für Kinobesuche eher wenig Zeit bleiben dürfte.

Patrick Heidmann

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