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Ende eines Spuks

Frankfurt am Main Ende eines Spuks

Vor 50 Jahren hat der Vatikan den „Index der verbotenen Bücher“ abgeschafft.

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Bücherverbrennung als Zensur: Illustration aus dem „Index der verbotenen Bücher“ im 18. Jahrhundert.

Quelle: © Bridgemanimages.com

Frankfurt am Main. Das Verbot von Büchern gehört zu den markantesten Merkmalen, wenn man die katholische Kirche als Institution des finsteren Mittelalters präsentieren möchte. Sagenumwoben bis heute ist der „Index der verbotenen Bücher“, der erst heute vor 50 Jahren abgeschafft wurde. Dabei war die Leseverbotsliste eine neuzeitliche Erfindung: Nach dem Aufkommen des Buchdrucks im 15. Jahrhundert hat die katholische Kirche schnell erkannt, wie gefährlich die Möglichkeit ist, umstürzlerische und reformatorische Ideen einfach zu verbreiten.

Unter anderem zur Abwehr solcher Ideen wurde 1542 die „Heilige Römische und Universale Inquisition“ gegründet. 1571 folgte dann zusätzlich eine Indexkongregation, der es um die möglichst umfassende Kontrolle des Buchmarkts ging. Bereits 1559 wurde der erste päpstliche Index publiziert. Bestimmte Bücher sollten demnach am besten erst gar nicht gedruckt werden.

Wenn man das nicht verhindern konnte, so durften Katholiken sie nur mit einer bischöflichen Sondererlaubnis lesen. Verstöße wurden mit der Exkommunikation bestraft.

Verboten wurden etwa Erasmus von Rotterdam, Giordano Bruno und Martin Luther. Außerdem auf dem Index standen Werke, die sich mit der Magie und Astrologie beschäftigten oder als „obszön“ galten. Mit Leipzig, Basel oder Tübingen setzte man gleich ganze Verlagsorte auf den Index.

Erste Anzeichen der Überforderung zeigten sich im 19. Jahrhundert. Je freier in Gesellschaft und Wissenschaft neue Ideen diskutiert wurden, desto mehr wurde das Verbot von Büchern zu einem Akt der Selbstisolierung. So lief das ganze Unterfangen zunehmend ins Leere. Verboten wurden zuletzt vor allem katholische Reformtheologen wie George Tyrell oder Otto Karrer, aber auch der Existenzialist Jean- Paul Sartre. Der jüngste aufgelegte „Index librorum prohibitorum“ von 1948 umfasst immerhin 6000 Einträge, das letzte indizierte deutsche Buch war das Werk „Der Mündige Christ. Katholische Kirche auf dem Weg der Reifung“ von Josef Thomé im Jahr 1955.

Dem Spuk ein Ende setzte das Zweite Vatikanische Konzil. Ende 1965 gab es einen päpstlichen Erlass, nach dem Bücher nicht mehr verboten, sondern nur noch „missbilligt“ werden sollten. Offiziell abgeschafft wurde der Index dann am 14. Juni 1966 von Papst Paul VI. Die Glaubenskongregation, Nachfolgerin des Offiziums, warnte freilich auch weiterhin vor bestimmten theologischen Werken.

LN

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