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Er ist Egon Bahr und Mischa Wolf

Lübeck Er ist Egon Bahr und Mischa Wolf

Julius Robin Weigel, neu im Schauspiel-Ensemble des Theaters Lübeck, hat mehrere Rollen in „Willy Brandt“.

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Mag Rollen, die viel von ihm verlangen: Julius Robin Weigel.

Quelle: Foto: Roeßler

Lübeck. Er ist ein Typ, den man sofort als jugendlichen Liebhaber besetzen möchte. Gutaussehend, unbekümmert, gewitzt. Doch Julius Robin Weigels erste Rollen am Theater Lübeck haben nichts mit Liebhaberei und schon gar nichts mit Jugendlichkeit zu tun. Im Bühnen-Großprojekt der jetzt beginnenden Spielzeit, der Uraufführung von Michael Wallners Schauspiel-Revue „Willy Brandt — Die ersten 100 Jahre“, spielt der Neuling Egon Bahr, den Wegbegleiter des Friedensnobelpreisträgers, den obersten DDR-Spion Mischa Wolf und den mittleren Brandt-Sohn Lars. Dazu noch ein paar andere Figuren am Rande der Zeitgeschichte.

Lübeck ist Weigels erstes festes Engagement. Er hat im Frühjahr dieses Jahres die Schauspielschule beendet — mit einem selbst geschriebenen und inszenierten Ein-Personen-Stück als Abschlussarbeit.

Ein Vorsprechen in Lübeck genügte, dass er auch singt und Gitarre spielt, war vermutlich hilfreich — in der Beckergrube wird von den Darstellern schließlich auch Musikalität erwartet.

Robin Weigel wurde 1987 in Buxtehude geboren, wuchs in Kassel, Ostfriesland und Seesen im Harz auf. Er hat den Beruf des Schauspielers nicht gerade zielgerichtet angestrebt. „Ich habe mir nach dem Abitur und einem Jahr in England gedacht, dass Theater eine schöne Perspektive wäre. Bevor ich mir ein Leben lang vorwerfe, dass ich eine Chance verpasst habe, bewerbe ich mich einfach mal an einer Schauspielschule.“ An der renommierten Bayerischen Theaterakademie „August Everding“ in München wurde er allerdings zu seiner eigenen Verblüffung auf Anhieb angenommen. Obwohl sein Vorsprechen dort alles andere als reibungslos verlief — er hatte seine Texte vergessen und rappte dann ein bisschen. „Das hat die Komission beeindruckt, aber ich musste noch ein bisschen nachsitzen mit einem Monolog.“

Weigel verheimlicht auch nicht, dass er nach einem Jahr in München gefeuert wurde — angeblich wegen Talentlosigkeit. „Da war ich erst am Boden. Dann aber dachte ich mir: Denen werd‘ ich‘s zeigen!“ An der Universität für Musik und darstellende Kunst im österreichischen Graz — auch keine unbedeutende Institution — wurde er sofort genommen. „Am Graz der Welt“, wie er sagt, habe ihm ein betagterer Professor vermitteln können „wie‘s geht“. Er nahm Fahrt auf und fegte durchs Studium.

Nun also Lübeck als erste Theaterstation, wo er niemanden kannte außer seiner ehemaligen Grazer Kommilitonin Ingrid Noemi Stein. „Mir macht‘s Spaß, so viele unterschiedliche Charaktere zu spielen“, sagt er zur Arbeit am Willy-Brandt-Stück mit leuchtenden Augen. Er scheut sich nicht, seine Begeisterung über den Berufsstart und das Theater, das Ensemble und die Stadt zu zeigen. Selbstverständlich findet er den Einstieg nicht: „Ich habe fünf Jahre lang studiert, mich davor aber kaum mit Theater beschäftigt, ich bin dankbar über jede Chance, die ich in diesem Beruf erhalte. Ich will immer noch lernen.“

Und welche Chance würde er gerne geboten bekommen, welche Rollen? „Ich weiß, dass es einen riesigen Kosmos von Stücken und Rollen gibt, ich lasse mich gerne überraschen, was das Theater für mich bereithält“, sagt er zurückhaltend. Dann aber äußert er doch eine klare Vorstellung: „In einem der Stücke, mit denen ich näher Bekanntschaft gemacht habe, gibt es eine Rolle, die ich sehr gerne spielen würde: den Bennett in ,Punk Rock‘ von Simon Stephens.“ Das sei „ein richtiger Arschloch-Typ“, mit einer inneren Unruhe, die dem Darsteller viel abverlangt, „eine coole Rolle“.

Ein jugendlicher Liebhaber wäre das immer noch nicht.

Michael Berger

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