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Erfolgreich, liberal, cool — und rassistisch

Hamburg Erfolgreich, liberal, cool — und rassistisch

Das Sofa hat Stil, die Kleidung ist hip, der Scotch ausgezeichnet: In seinem Upper-East-Side- Apartment darf sich das New Yorker Karrierepaar Amir und Emily als angekommen betrachten. Er ist Wirtschaftsanwalt, sie eine geachtete Malerin. Man ist liberal: Amir hat sich vom Islam losgesagt, sie nutzt die muslimische Tradition als Inspirationsquelle.

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Karrieretypen: Amir (Carlo Ljubek) und Emily (Ute Hannig).

Quelle: dpa

Hamburg. Wie auch in einem solchen Bildungsmilieu Rassismus und religiöse Vorurteile gären können, zeigt Ayad Akhtar (45) so unterhaltsam wie eindringlich in seinem Stück „Geächtet“, für das der pakistanisch-amerikanische Dramatiker 2012 den Pulitzer-Preis erhielt. „Geächtet“ hatte jetzt im Schauspielhaus Hamburg unter Regie von Klaus Schumacher deutschsprachige Erstaufführung. Das Stück erweist sich als aktueller denn je.

Subtil entkleidet ein pointiert aufspielendes Fünfer-Ensemble seine Charaktere der kultivierten Lackschichten, allen voran Carlo Ljubek als Amir und Ute Hannig als Emily. Um an ihrer Erfolgskarriere weiter zu basteln, laden sie zwei berufliche Partner zum Essen ein. Isaac (Samuel Weiss) ist Kurator am Whitney Museum — und Jude. Seine afroamerikanische Frau Jory (Isabelle Redfern) arbeitet in derselben Kanzlei wie Amir unter jüdischen Partnern. Cool plaudert man über Kunst und Religion. Doch mehr und mehr entwickelt sich die Begegnung zum Desaster.

Im Eifer des Wortgefechts bekennt sich der angeblich islamkritische Amir zum Attentat vom 11. September 2001: „Ich bin ein bisschen stolz darauf, dass wir letztlich siegten.“ Zugleich erfährt man, dass im Westen heute weder Juden noch Schwarze die Geächteten seien, sondern Moslems.

„Du sollst dir kein Bild machen“ — gegen dieses Gebot verstößt nicht nur Emily, die gleich zu Anfang ihren Mann, der da noch locker in Unterhosen auf der Sofalehne thront, im Stile von Velázquez‘ „Mohrensklaven“-Porträt von 1650 malt. Dagegen verstoßen im Stück alle — sie haben auch alle von sich selbst ein falsches Bild. 

Nächste Vorstellungen: 21., 23. und 27. Januar, jeweils 20 Uhr

Ulrike Cordes

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