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Kultur im Norden „Erinnern, aufbrechen, zerlegen“
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23:22 05.07.2013
Von Cornelia Schoof
Friedhelm Döhl, Ex-Rektor der Musikhochschule.
Lübeck

Morgen feiert der Lübecker Komponist Friedhelm Döhl seinen 77. Geburtstag. Wie ein Geburtstagspräsent wirkt seine neue CD, auf der er musikalische Miniaturen, zwei Sonaten und seine „Sinfonia a due“ zusammengefasst hat. Die Kompositionen sind allesamt eindrucksvoll, und die Interpretation von Carlos Johnson (Konzertmeister der Lübecker Philharmoniker) und Hans-Christian Schwarz (Erster Cellist der Philharmoniker) stellt eine reife Leistung dar.

Döhl selber empfindet seine Arbeit als „ein Komponieren in wachsenden Ringen — Erinnern, Aufbrechen, Zerlegen von Vergangenem, Umformung zu Neuem“. Die Aufnahme erlaubt einen Einblick in seine jüngere Schaffenszeit. Die Violinsonate von 2008/2009 fängt mit einem verträumten „Gesang der Frühe“ an. Der Beginn ist zart, hoch, aber weich, dann von der Tiefe sich aufbauend, erwachend und mit sich selbst in den Dialog tretend durch fingierte Mehrstimmigkeit der Geige, sehr melodiös und schön anzuhören. Beim zweiten Satz „Sphinx“ ist der Name Prinzip: Die Musik ist schwer greifbar. Der letzte Satz „Revelge“ ist unruhig, bewahrt aber immer ein beschauliches Grundmetrum.

Gelungen sind die Bruchstücke zur „Winterreise“ von 2011. Schubert lugt um die Ecke, seine „Winterreise“ ist durch Zitate präsent, dennoch entsteht etwas Neues. Beeindruckend ist dieses kleine Werk in seiner Intensität und geistigen Tiefe — und das in nur sieben Minuten Spielzeit. Döhl nennt es selber „herbstlich, düster“. Die Cellosonate von 2008 lässt einen klangstarken ersten Satz hören; der Untertitel „Fantasia“ beschreibt den melodiösen Reichtum. Wieder gibt es die flirrende Nervosität, dieses Mal aber aus der Perspektive des Cellos. Geigen- und Cellosonate scheinen sich aufeinander zu beziehen.

Die „Bagatellen“ von 2011 erscheinen beiläufig, aber geistvoll. Besonders charmant ist die zweite „Vielleicht ein Walzer“. Zum Schluss wartet der Komponist noch mit etwas Massivem auf: der „Sinfonia a due“ von 2011 — große Form in kleiner Besetzung, schwerblütig und vielleicht im Konzertsaal besser aufgehoben als auf CD, da das Stück dort seine sinfonische Wirkung entfalten kann und das Wunder von nur zwei Instrumente sichtbar wird.

Friedhelm Döhl Edition, Vol. 17: Musik für Violine und Cello, 22,99 Euro

Cornelia Schoof

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