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Kultur im Norden „Erleuchtung in der Kultur“, sagt Pastor Bernd Schwarze
Nachrichten Kultur Kultur im Norden „Erleuchtung in der Kultur“, sagt Pastor Bernd Schwarze
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00:41 25.12.2017
Dr. Bernd Schwarze (56) ist Pastor der Lübecker Kultur- und Universitätskirche St. Petri. In den Veranstaltungsreihen „Petrivisionen“, „solo verbo“ und „Ein Abend über “ inszeniert er Performances zwischen Religion, Kultur und Wissenschaft. Außerdem ist er Musiker (Schlagzeug) und Autor literarischer Texte. Quelle: Foto: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Und es begab sich zu der Zeit “ Man möchte meinen, dass Weihnachten mich begeistern müsste. Das lasse ich mit Einschränkungen gelten.

Vor fünfzehn Jahren haben wir mit der Familie Baum, Deko und Geschenke aus dem Wohnzimmer verbannt, und seitdem finden wir das Fest, so nüchtern und unsentimental gefeiert, richtig schön. Am Thema von Weihnachten fasziniert mich der Gedanke, dass das Göttliche im Menschlichen gefunden werden kann, somit auch Trost, Hoffnung, Erleuchtung in den Werken der Kultur.

Verse von Robert Gernhardt und Kolumnen von Max Goldt vertreiben Kummer im Nu. Gedichte von Mascha Kaléko mag ich sehr. Donna Tartt ist mir in den letzten Jahren zur liebsten Autorin geworden. Zehn Jahre nimmt sie sich Zeit für jedes ihrer Bücher. „Der Distelfink“ ist sehr bekannt, aber ihr Erstling „Die geheime Geschichte“ hat es mir besonders angetan. Eine anrührende College-Story mit den Zügen eines griechischen Dramas.

Nicht nur in der Literatur, auch in der Musik sind bei mir die Frauen ganz vorn. Wenn die texanische Liedermacherin Shawn Colvin „Another Round Of Blues“ singt, bin ich von ihrer Stimme und dem entspannten Gitarrenspiel zutiefst bewegt. In den USA ist sie sehr populär, hierzulande noch ein Geheimtipp.

Ich freue mich auf den Jahreswechsel, denn dann startet Netflix die zweite Staffel der britischen Serie „Black Mirror“. Jede Folge ist eine abgeschlossene Geschichte, die davon handelt, was geschieht, wenn in der modernen Technik und in der digitalen Kommunikation etwas aus dem Ruder läuft. Science Fiction für die Gegenwart.

Spätweihnachtlich lauschig wird es beim „Sternenklang“-Konzert am 7. Januar in St. Petri. Die klaren Stimmen von Viva Voce, Franziska Hyzy mit dem Kammerpop-Ensemble sowie das Hansesax-Quartett der Musikhochschule Lübeck singen und spielen im Kerzenschein alte und neue Lieder zum Epiphaniasfest.

Apropos „und es begab sich “: Die schönste Weihnachtsgeschichte, die ich kenne, stammt aus dem Film „Smoke“ von Paul Auster und Wayne Wang. Der Tabakhändler Auggie Wren berichtet dem Schriftsteller Paul Benjamin von einem haarsträubenden, gar nicht heiligen Erlebnis an einem Heiligabend. Es bleibt offen, ob das, was Auggie erzählt, geflunkert ist. Es ist eigentlich zu schön, um wahr zu sein. Aber das kommt bei Weihnachtsgeschichten bekanntlich öfter vor.

LN

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