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Erotik mit „bespelen“, „knöstern“ oder „violen“

Lübeck Erotik mit „bespelen“, „knöstern“ oder „violen“

Man glaubt es kaum, muss es aber hinnehmen: Es gab bisher keine lexikalische Aufbereitung des plattdeutschen Erotik-Sprachschatzes.

Lübeck. Man glaubt es kaum, muss es aber hinnehmen: Es gab bisher keine lexikalische Aufbereitung des plattdeutschen Erotik-Sprachschatzes. Autor Jan Reinertz hat nun nach dem Vorbild der Gebrüder Grimm dem Volk aufs Maul geschaut und versammelt in einem Buch all das, was er als „schmutzige Wörter op Platt“ bezeichnet. Der Verleger Vito von Eichborn bringt die Sammlung in die Buchläden, „Swienkraam“ heißt der Titel, der seinem neu gegründeten Verlag Vitolibro mit Heimathafen Malente auf die Beine helfen soll.

 

LN-Bild

„Swienkraam“-Illustration.

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Der Faszination der großen Zahl mag sich auch Volkskundler Reinertz nicht entziehen, wenn er behauptet, es gebe im Niederdeutschen „150 Wörter für die schönste Sache der Welt“, also den Geschlechtsverkehr. Getrennt nach Sprachgebrauch von Mann und Frau führt er die Begriffe auf. Bei der Zahl der Verben führt eindeutig der Nordmann: „Bespelen“, „knöstern“ oder „violen“ sind dafür Beispiele. Es geht auch unromantisch und in ganzen Sätzen: „Ik mütt hüüt noch de Piep utkloppen.“ Bei den Nordfrauen hört sich das so possierlich wie schicksalsergeben an: „Denn will ik di man to mi nehmen.“

Überhaupt ist die Sammlung bei den Redewendungen sehr ergiebig. Wenn es um Männerträume geht, darf‘s auch gereimt sein: „Twüschen Britta ehr Titten dor much ik geern sitten.“ Frauen träumen weniger, sie stellen fest: „Dat eenzigste, wat bei em steiht, is dat Auto vör de Döör.“

Die quasi wissenschaftlich gemeinte Aussage, „Swienkraam“ dokumentiere in erster Linie gelebten Alltag, mag ja stimmen. Doch das Büchlein eignet sich vor allem als Materialsammlung für Gespräche im eigenen Geschlechtsrevier. Denn in Männerkreisen wie in Frauenzirkeln wird durchaus über Sexualität und Erotik geredet. Auch in Schleswig-Holstein. Auch auf Platt. Für die Ausübung braucht man das Vokabular allerdings nicht unbedingt.

„Swienkraam — Schmutzige Wörter op Platt“, gesammelt von Jan Reinertz, Vitolibro, 112 Seiten, 9,95 Euro

Von mib

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