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Erst der Raub, dann das Durcheinander

Berlin Erst der Raub, dann das Durcheinander

Macklemore & Ryan Lewis: Das zurzeit erfolgreichste US-Rap- und Hiphop-Duo kommt nach Hamburg.

Quelle: JOE KLAMAR /afp

Berlin. „Ich bin ja dermaßen heilfroh, dass wir unser neues Album überhaupt hinbekommen haben“, bricht es aus dem an einem Berliner Spätnachmittag ansonsten eher wortkargen Macklemore, der einen Hälfte des Hiphop-Duos Macklemore & Ryan Lewis, förmlich heraus, „Wir sind ja sowas wie Ikonen, wir sind eine Marke geworden. Das hat nicht nur Vorteile, und dadurch entsteht Druck.“ An manchen Tagen, führt er weiter aus, sei überhaupt nichts gegangen. „An anderen Tagen machte es tierisch Spaß.“ Sogar in der einsamen, in Idaho gelegenen Seehütte von Ryans Eltern haben sich die beiden eingeschlossen, um so ablenkungsfrei wie möglich zu arbeiten.

Für das Duo steht viel auf dem Spiel. Macklemore (32) ist der berühmteste weiße Rapper seit Eminem. Gemeinsam mit seinem langjährigen Freund Ryan Lewis (27) gelang dem markanten Mann, der eigentlich Ben Haggerty heißt und schon seit mehr als 15 Jahren Musik macht, 2012 ein Welterfolg. Mit dem Album „The Heist“(Der Raubüberfall) und den Hits „Thrift Shop“, „Can‘t hold us“ und „Same Love“ prägten Macklemore & Ryan Lewis ein Jahr lang die Charts, 2014 erhielten sie vier Grammys.

Jetzt kommen sie zurück mit dem zweiten Album „This Unruly Mess I‘ve Made“ (Das unbändige Durcheinander, das ich angerichtet habe). Verglichen mit dem Debüt macht die neue Platte einen ernsteren, weniger vom Spieltrieb geleiteten Eindruck, es gibt sehr reflektierte Nummern wie „Growing up“.

Macklemore

Das Duett mit Ed Sheeran (zuerst habe man übrigens Adele angefragt, diese habe jedoch freundlich abgelehnt) dreht sich um Ben Haggertys Leben, seit er Vater der nun knapp einjährigen Sloan wurde.

„Ich will ein guter Vater sein“, sagt er. „Mit einem Kind darfst du dir keinen Unsinn mehr erlauben. Verlässlichkeit in allen Lebenslagen ist angesagt.“ Zugleich wolle er es mit dem Erwachsensein aber auch nicht übertreiben. „Ich habe keine Ahnung, ob ich mich jemals wie ein Erwachsener fühlen oder benehmen werde. Will ich das überhaupt? Meine 97 Jahre alte Großmutter erzählt mir ständig, dass sie sich immer noch fühlt wie ein 20 Jahre altes Mädchen. Ich denke, das Leben besteht aus vielen Kapiteln, einige davon sind ernster als andere.“

So gibt es auf „Mess“ auch Spaß- Songs wie das mit Hiphop-Legende KRS-One aufgenommene „Buckshot“ (Schrotmunition), bei dem die Herren unter anderem einer Fahrt auf der Autobahn huldigen. Oder wie das monumentale „Downtown“, das in machen Passagen an Stücke der Band Queen erinnert, fette Bläsersätze und ein stimmgewaltiger Background- Chor nehmen Macklemore & Ryan Lewis gerne, um ihren Sound einzudicken. Das „Downtown“-Video zeigt eine Art „Ben Hur“ in der Moped-Version. Die Zweiräder ziehen einen Kampfwagen.

Besser als den meisten Rappern gelingt es dem Duo, Spaß und Chart-Erfolg mit Substanz und einem gesellschaftlichen Beitrag zu verbinden. „Kevin“, eine Zusammenarbeit mit dem jungen Retro- Soul-Sänger Leon Bridges, erzählt die tragische Geschichte eines Freundes, der mit 21 Jahren an seiner Tablettensucht starb. Mit Drogen kennt sich Haggerty aus, er überlebte immer mal wieder Sucht-Episoden, aktuell sei er aber clean. „Wäre uns dieser Erfolg schon vor zehn Jahren passiert, dann wäre ich jetzt tot“, glaubt er.

Auch Rassismus bleibt ein wichtiges Thema für die beiden. „White Privilege II“, einer der Albumhöhepunkte, befasst sich mit der komplizierten Rolle von Macklemore & Ryan Lewis als Weiße in einer schwarzen Kultur, zugleich ist der Song ein Plädoyer gegen Rassendiskriminierung und für Chancengleichheit. „Ich kann nicht sagen, warum nicht mehr Künstler ihre Stellung nützen, um wichtige Debatten voranzutreiben. Ich kann nur sagen, warum und wie wir es tun: Weil es uns wichtig ist.“

Radio-Pop-Rap und Botschaft, so Haggerty, würden sich dabei nicht widersprechen, sondern bestärken. „Es ist doch so: Wenn du einem Hund Medizin geben willst, dann musst du sie in Erdnussbutter verstecken.“

Macklemore und Ryan Lewis wollen beides sein: die Medizin und die Erdnussbutter.

Konzert: „Part II — A European Tour“, morgen, 20 Uhr, Barclaycard Arena, Hamburg Album: „ This Unruly Mess I‘ve Made“ (Warner)

Von Steffen Rüth

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