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Kultur im Norden „Es hat wieder gejuckt“
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22:24 31.10.2013
Die Unzertrennlichen von Fettes Brot (v. l.): Björn Warns (Björn Beton), Martin Vandreier (Dokter Renz), Boris Lauterbach (König Boris). Quelle: dpa

Wer glaubt, Dreierbeziehungen könnten nicht funktionieren, wird bei Fettes Brot eines Besseren belehrt. Ihre „Trennung auf Probe“ ist gescheitert. Nur 18 Monate nach der Ankündigung, vorerst nicht mehr gemeinsam aufzutreten, saßen die drei Hamburger zusammen im Tonstudio. „Es hat auf jeden Fall wieder gejuckt“, erzählt Dokter Renz (bürgerlich:

Martin Vandreier). Herausgekommen ist ein neues Album, das anders klingt als alles zuvor und die Dreieckskonstellation auch im Namen trägt: „3 is ne Party“.

Seit über 20 Jahren gehören Fettes Brot zur alten Schule des Deutsch-Hip-Hop und stehen für Sprachwitz, Partygefühl und Gesellschaftskritik. Dabei hat sich viel getan, seit die Drei 1994 ihre erste EP „Mitschnacker“ veröffentlichten. Zwei sind inzwischen Familienväter, haben graue Haare und betreiben ihr eigenes Plattenlabel. Der Musik von Dokter Renz, Björn Beton (Björn Warns) und König Boris (Boris Lauterbach) merkt man das Älterwerden aber nicht an. „3 is ne Party“ kommt so intelligent, aufgekratzt und charmant wie eh und je daher — nur noch schneller.

„Wir waren noch nie so furchtlos“, sagt Björn Beton. Dabei war am Anfang sogar unklar, ob das Trio nun singen oder rappen würde. Mit einem handelsüblichen Mikro legten die Drei einfach los. „Viele Songs sind erst einmal nur hingerotzt entstanden, und wir haben uns nicht so sehr mit Detailarbeit aufgehalten“, erzählt Dokter Renz.

„Was die Platte so besonders macht, ist glaube ich, dass wir uns so gut kennen und uns gegenseitig das Vertrauen schenken, uns laufen zu lassen“, sagt Björn Beton. So probierte sich das Trio, inspiriert vom Geist der frühen Rapper wie den Beastie Boys oder De La Soul, an Funk und Soul der 1980er Jahre. Herausgekommen ist ein Sammelsurium, weniger basslastig als früher, aber voller popkultureller Bezüge: Wer genau hinhört, erkennt Hinweise auf James Brown, 50 Cent oder Janet Jackson. Und ganz nebenbei entdeckte Fettes Brot noch den Künstler Andy Warhol für sich, auf den auch der Albumtitel „3 is ne Party“ zurückgeht.

Da, wo Party draufsteht, ist auch auf dem fünften Studioalbum Party drin: Das Stück „Josephine #Schreibaby“ weckt Erinnerungen an durchtanzte Nächte im Jugendzentrum. Konkre te politische Themen hingegen finden sich in den wenigsten der 13 Lieder. Deutliche Kritik an der Gentrifizierung gibt es bei „Dynamit & Farben“. „

Wir hatten viel zu sagen, viel Musik im Kopf“ — und das höre man der Platte auch an, meint Dokter Renz.

Das Album „3 is ne Party“ erscheint heute. Ende Dezember geht Fettes Brot auf Tour. Termine in Norddeutschland: 30.

Dezember, Hamburg; 31. Januar, Hannover; 4. Februar, Bremen.

Britta Kollenbroich

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