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„Es ist halt auch ein Weiterbildungsprozess“

Lübeck „Es ist halt auch ein Weiterbildungsprozess“

Die Lübecker Saxofonisten Berit Engbers, Ansgar Pohl und Lasse Schrank haben ebenfalls 25 Punkte bekommen.

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Als Trio erfolgreich: Lasse Schrank (l.), Berit Engbers und Ansgar Pohl auf der Straße vor der Musikschule der Gemeinnützigen.

Quelle: Foto: Lutz Roessler

Lübeck. Man kann das nicht planen, sagen sie. Und man sollte es auch nicht tun. Es sei nicht gut, mit einem solchen Anspruch da reinzugehen. Aber nun ist es passiert, 25 Punkte beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ in Paderborn, was will man machen.

Berit Engbers und Ansgar Pohl sind 16, Lasse Schrank ist ein Jahr jünger. Sie haben früher schon mal in einem Quartett zusammen gespielt, jetzt sind sie seit den letzten Sommerferien ein Trio. Sie spielen Saxofon, und das sehr erfolgreich. 84 Jugendliche aus Schleswig-Holstein hatten in Paderborn an der letzten Runde von „Jugend musiziert“ teilgenommen, fünf von ihnen erhielten die maximale Punktzahl, vier kommen aus Lübeck, und drei davon sind sie.

Aber sie machen nicht viel Aufhebens von der Sache. „Natürlich ist es schön, wenn man so lange dafür arbeitet und dann Anerkennung bekommt“, sagt Lasse. Aber darum gehe es ja nicht. „Es ist halt auch ein Weiterbildungsprozess“, meint Ansgar.

Dabei kommen sie alle drei nicht aus klassischen Musikerfamilien. Ansgars Mutter spielt zwar Klavier, aber Lasse zum Beispiel, Kind gehörloser Eltern, hat über seine Großmutter zur Musik und schließlich zum Saxofon gefunden. Berit wollte eigentlich Klarinette spielen, und Ansgars Mutter fand, ihr Sohn müsse neben der Grundschule noch etwas anderes tun. Jetzt sind sie seit sieben Jahren Schüler von Lilija Russanowa an der Musikschule der Gemeinnützigen und loben sie in den höchsten Tönen.

Sie war auch mit in Paderborn, wo sie etwa 20 Minuten Zeit hatten, die Jury zu überzeugen. Sie haben eine Bearbeitung von Franz Christoph Neubauer sowie Stücke von Shin’ya Takahashi und Detlef Bensmann gespielt, Musik des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Und ja, sie hatten schon das Gefühl, dass es ganz gut gelaufen sei. Aber sie hatten sich auch ein Jahr darauf vorbereitet, und dann ist es halt passiert.

Donnerstag und Sonntag proben sie zusammen. Aber jeder hat noch Einzelunterricht, übt zu Hause, und in anderen Ensembles sind sie auch aktiv. Es kommen so schon mal 20 Saxofon-Stunden in der Woche zusammen, wenn etwas Besonderes ansteht. Aber es ist okay, sie haben Spaß. Jetzt allerdings bricht ihr Trio auseinander. Ansgars Vater arbeitet im Auswärtigen Dienst, die Familie zieht nach Moskau.

Da müssen Lasse und Berit schauen, mit wem sie künftig spielen.

Vorbilder? Ja, die gibt es. „Viele“, sagt Lasse. Aber sie kommen wie Sigurd Raschèr aus dem klassischen Bereich. Jazz-Größen spielen da keine Rolle. Es ist nicht so, dass sie Jazz nicht mögen. „Jazz ist toll“, sagt Lasse. Aber das Saxofon dort und das Saxofon hier, das seien eben zwei Paar Schuhe: „Es ist ein komplett anderer Ton, ein anderer Ansatz, eine andere Technik.“

Für Ansgar war es der erste Bundeswettbewerb. Berit hat schon dreimal teilgenommen, Lasse viermal. Er war in Paderborn denn neben dem Trio auch mit einem Quartett vertreten (23 Punkte). Ein Leben als Berufsmusiker können sie sich trotzdem nur schwer vorstellen. Es gebe so viele hervorragende Saxofonisten, da seien die Perspektiven doch recht unsicher. „Es ist schön, dass es die Möglichkeit gibt, aber ich kann mir auch etwas anderes vorstellen“, sagt Lasse. In seinem Fall wäre das Jura. Aber sie haben ja auch noch etwas Zeit. int

LN

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