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„Es kommt uns auf Qualität an“

Lübeck „Es kommt uns auf Qualität an“

SHMF-Intendant Christian Kuhnt zieht Bilanz des Festivals mit Joseph Haydn und András Schiff.

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SHMF-Glanzlicht: Das Schleswig-Holstein Festival Orchester – hier unter der Leitung von Michael Sanderling – bei Proben in der Thormann Halle in Büdelsdorf.

Quelle: Olaf Malzahn

Lübeck. Lübeck Christian Kuhnt (49) ist seit drei Jahren als Nachfolger von Rolf Beck Intendant des Schleswig-Holstein Musik Festivals. Der promovierte Musikwissenschaftler hat neue dramaturgische Linien beim Festival mit großem Erfolg eingeführt und die Zahl der Konzerte deutlich erhöht.

LN-Bild

SHMF-Intendant Christian Kuhnt zieht Bilanz des Festivals mit Joseph Haydn und András Schiff.

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Herr Kuhnt, sind Sie mit dem Verlauf des Festivals 2016, das heute zu Ende geht, zufrieden?

Christian Kuhnt: Sehr zufrieden sogar. Ein solcher Erfolg mit einem Komponistenschwerpunkt wie Joseph Haydn war nicht vorauszusehen.

Was war das Besondere daran?

Kuhnt: Wir konnten die ganze Bandbreite des Haydn’schen Werks zeigen und haben uns nicht nur auf die zwei, drei Kompositionen beschränkt, die man so kennt. Die Aufführung der „Harmoniemesse“

durch Thomas Hengelbrock und seine Ensembles war beispielhaft. Und die „Jahreszeiten“ in der Carlshütte mit Klaus Maria Brandauer war ein Gesamtkunstwerk.

Mit András Schiff hatten Sie einen Porträt-Solisten der leisen Töne.

Kuhnt: Wir sind sehr froh darüber, dass wir auch mit den leisen Tönen das Publikum erreichen konnten. András Schiff war ein Glücksfall, die Vielzahl seiner speziell für uns erstellten Programme ein Geschenk.

Wie hat András Schiff seinen Aufenthalt im Norden empfunden?

Kuhnt: Er hat sich in Schleswig-Holstein verliebt. Und die große Zahl verschiedenster Spielstätten hat er als großartig empfunden.

Was war für Sie die größte Überraschung des Sommers?

Kuhnt: Dass auch die Kammermusik vom Publikum extrem gut angenommen wurde.

Sie sind mit dem Verlauf des Festivals zufrieden, obwohl Sie 3000 Besucher weniger als im letzten Jahr hatten.

Kuhnt: Wir sind mehr als zufrieden über 151000 Besucher.

Inwiefern hat das MuK-Desaster dabei eine Rolle gespielt?

Kuhnt: Die Schließung des Großen Konzertsaals in der MuK und der damit verbundene Umzug in die Rotunde hat uns vor besondere Herausforderungen gestellt, denn wir hatten dadurch eine deutlich geringere Kapazität zur Verfügung.

Können Sie den Schaden beziffern? Sie haben im vergangenen Jahr die entgangenen Einnahmen auf 300000 Euro geschätzt.

Kuhnt: Auf die wirtschaftlichen Folgen, die Sie ansprechen, konnten wir noch während des laufenden Planungsprozesses reagieren, da wir rechtzeitig von der Schließung des Konzertsaals erfahren haben.

Die wirtschaftliche Lage des Festivals ist also in Ordnung?

Kuhnt: Ja, das ist sie.

Wie sieht die Sponsoren-Situation aus?

Kuhnt: Die Sparkassen-Finanzgruppe hat den Vertrag als Hauptsponsor um drei Jahre verlängert, das gibt uns Sicherheit. Mit den anderen Sponsoren stehen wir in Gesprächen.

Heißt das, dass im kommenden Jahr Meisterkurse und Orchesterakademie gesichert sind?

Kuhnt: Es gibt zur Zeit nichts, was dagegen spricht.

Sie werden auch weiter die Fläche des Landes mit rund 180 Konzerten bespielen?

Kuhnt: Das ist unser Plan, es sind noch längst nicht alle Plätze, an denen man gute Musik zu den Menschen bringen kann, auf der Landkarte des Festivals verzeichnet.

Auch die Reihe „Luustern“ mit Crossover war wieder ein Erfolg?

Kuhnt: Ein überwältigender, wir werden die Reihe weiterführen.

Wieder mit Top-Acts wie Elton John, Gregory Porter oder Zaz?

Kuhnt: Es kommt uns nicht auf einen Headliner an, sondern auf Qualität. Wenn ein Star dabei ist, auch gut. Aber Klassik bleibt der Schwerpunkt des Schleswig-Holstein Musik Festivals.

Nach Mendelssohn, Tschaikowsky und Haydn wäre als Komponistenschwerpunkt jetzt eigentlich ein Vertreter oder eine Vertreterin der Moderne an der Reihe.

Kuhnt: Denkbar ist das alles. Aber den Komponistenschwerpunkt geben wir erst heute in Schierensee beim Festivalfinale bekannt.

Musik-Manager

Christian Kuhnt stammt aus Rheinhessen, aus der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz. Der Vater einer Tochter war bereits von 1999 bis 2007 beim Schleswig-Holstein Musik Festival tätig, zuletzt als künstlerischer Direktor und stellvertretender Intendant. Dann wechselte Kuhnt als Geschäftsführer zur Hamburger Konzertdirektion Dr. Rudolf Goette. Er studierte unter anderem Musikwissenschaften in Frankfurt und Hamburg. Daneben arbeitete er für die Schallplattenfirma Teldec. Kuhnt promovierte über Kurt Weill.

Interview. Jürgen Feldhoff

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