Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Es leuchten die „Ranzlichter“

Lübeck Es leuchten die „Ranzlichter“

Die zweite Auflage von Steffen Kubachs Solo-Abend „Ranzlichter“ brachte das Publikum im Jungen Studio zum Toben.

Lübeck. Es ist schon schwierig, wenn man der wahre König von Malle ist, was aber leider niemand bemerkt. Und auch die drei Singles in den Charts – zugegeben ziemlich weit unten – sind schon lange Vergangenheit. Guido, der wackere Sänger mit der tiefen Stimme und einem Hang zu Kräuterlikör, wusste am Ende des ersten Teils der „Ranzlichter“ nicht mehr weiter. Daher ging er auf eine große Reise, natürlich im Ford 17 M, und landete in der Schweiz, im Wallis. Von diesem Ausflug in für ihn völlig neue Welten berichtete Guido im zweiten Teil von „Ranzlichter“ – ein herrlicher Spaß.

 

LN-Bild

Der Federschmuck ist ein Relikt aus Guidos Reise in die Welt der Esoterik. Erstanden hat er das schmucke Teil in einem Schamanen-Outlet. Zum Sinn des Lebens hat ihn der Kopfschmuck nicht geführt.

Quelle: Fotos: Olaf Malzahn

Denn Steffen Kubach ist – im Gegensatz zu Guido – nicht nur ein gestandener Sänger, sondern auch ein Darsteller und Komödiant von Rang. Knut Winkmann, der auch Regie führte, hat Steffen Kubach die Rolle des Guido auf den Leib geschrieben. Und was für eine Rolle ist das!

Denn in Zeiten, in denen die Welt täglich ein wenig mehr aus den Fugen gerät, hat man nicht mehr viel zu lachen. Umso besser, wenn es im Theater die Möglichkeit dazu gibt. Guido ist also in der Schweiz gelandet, als Hausmeister in einer esoterischen Kolonie leicht oder schwerer vom Leben getroffenen Einwohnern. Passt unser Held in diese Umgebung? Natürlich nicht, denn Guido hat nicht nur drei Singles in den Charts gehabt, er verfügt auch über gesunden Menschenverstand, zumindest Reste davon. Selbstverständlich werden die Selbsterfahrungspraktiken musikalisch aufgearbeitet, Höhepunkt dabei ist das Lied über die Schilddrüsenunterfunktion von Funny van Dannen. Diese Unterfunktion erklärt so ziemlich alles, was schief läuft. Und Guido macht sich wieder auf den Weg nach Hause, im 17 M, als einziges Souvenir aus der Schweiz hat er einen indianischen Federschmuck dabei, den er im Schamanen-Outlet erstanden hat (und der ihn ganz ausgezeichnet kleidet).

Aber was soll nun werden aus dem verkannten Genie? Das weiß er auch nicht wirklich, und an diesem Punkt wird die Geschichte zu einer reinen Dada-Veranstaltung. Dada entstand als Reaktion auf den Ersten Weltkrieg, vielleicht stehen wir ja vor dem dritten Weltkonflikt, Dada passt in jedem Fall. Und so erklärt sich dann auch der musikalische und textliche Höhepunkt des Abends, eine Melange aus der Auftrittsarie von Papageno aus der „Zauberflöte“ und den Kinderliedern „Alle Vögel sind schon da“ und „Die Vogelhochzeit“. Als Vogelfänger macht Guido mit dem Federvieh kurzen Prozess, die Eule erschlägt er mit der Keule, die Meise wirft er auf die Gleise, der Rest der Vogelsippe stirbt an der Vogelgrippe. Das Publikum war von diesen vogelfeindlichen Versen begeistert, Steffen Kubach und seinem herausragenden musikalischen Begleiter Jens Ketelsen machte der gereimte Unfug offensichtlich auch Spaß.

Am Ende tobte das Publikum und erklatschte sich zwei Zugaben. Und die letzte war natürlich das „Vogellied“ – fidirallala.

Nächste Aufführungen am 30. April und am 7. Mai.

Ein Schwabe im hohen Norden

Steffen Kubach wurde 1971 in Waiblingen bei Stuttgart geboren. Nach dem Abitur studierte der Bariton zunächst bei Luisa Bosabalian und Carl Davis an der Musikhochschule Stuttgart, bevor er 1995 nach Mannheim in die Gesangsklasse von Rudolf Piernay wechselte. Seit der Spielzeit 2000/01 ist Steffen Kubach Ensemblemitglied am Lübecker Theater. Hier erarbeitete er sich ein breites Rollen-Repertoire.

Jürgen Feldhoff

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Norden