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Falsche Töne, echte Leidenschaft

Lübeck Falsche Töne, echte Leidenschaft

Donna Leon und Joyce DiDonato über ihren Film „Die Florence Foster Jenkins Story“.

Lübeck/New York. Als Donna Leon das erste Mal in die Oper ging, hatte sie keine Ahnung, was sie dort erwartet. Es war in den 60er Jahren, alle redeten ständig über dieses „Opernding“, und sie war neugierig. Sie kaufte sich ein Ticket für „Tosca“ von Giacomo Puccini und war von der ersten Minute an fasziniert. Wenn die weltbekannte Krimiautorin heute über die Oper spricht, merkt jeder sofort, wie sehr sie sich dafür begeistert. „Es ist Musik, Gesang, Geschichte, Drama Tod, Liebe und Sex“, ruft sie. Nun hat sie gemeinsam mit dem US-Opernstar Joyce DiDonato einen Film über die schlechteste Opernsängerin aller Zeiten gemacht: Florence Foster Jenkins.

LN-Bild

Donna Leon und Joyce DiDonato über ihren Film „Die Florence Foster Jenkins Story“.

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„Ich nehme von Florence Foster Jenkins mit, dass sie es einfach gewagt hat.“ Joyce DiDonato, Opernsängerin

Die Schriftstellerin und DiDonato sind seit Jahren befreundet. Eine Verbindung ist sicherlich auch Donna Leons Leidenschaft für den Komponisten Georg Friedrich Händel, ihr absoluter Favorit ist sein Oratorium „Il trionfo del Tempo e del Disinganno“. Und Händel gehört auch zum Repertoire von DiDonato. An Florence Foster Jenkins fasziniert beide Frauen ihre Courage und die Bereitschaft, etwas zu riskieren.

Am Donnerstag wurde der Dokumentarfilm „Die Florence Foster Jenkins Story“ im Kolosseum gezeigt. Zur Vorführung kamen die Hauptdarstellerin DiDonato und Leon als Coproduzentin gemeinsam mit dem Regisseur Ralf Pleger nach Lübeck. „Vorsicht, es wird sehr schlecht in dem Film gesungen“, warnte Pleger das Publikum und brachte damit Joyce DiDonato zum Lachen. Sie gilt als eine der besten Mezzosopranistinnen unserer Zeit und auch als ein sehr wandelbarer Charakter. So schlüpft sie in Männerrollen wie die des heißblütigen Romeo. In ihrer bisher größten Filmrolle ist sie nun die wohlhabende Diva Florence Foster Jenkins, die sich trotz mangelnden Talents in den 1920er bis 1940er Jahren nicht davon abhalten ließ, vor Publikum zu singen und mit ihren kuriosen Shows Anhänger fand. „Eine andere hätte ich nicht mal fragen können, ob sie sich zutraut, falsch zu singen“, sagt Pleger. Für DiDonato war die Herausforderung, die Töne nur knapp zu verfehlen. „Jenkins war nämlich fast gut“, sagt die Opernsängerin. Früher habe sie selbst über die Diva gelacht. Doch in den drei Jahren Drehzeit ist sie tief in die Rolle eingetaucht. „Jetzt nehme ich von dieser Frau mit, dass sie eine große Leidenschaft für etwas hatte und es einfach gewagt hat“, sagt sie. Ihren Wunsch, auf der Bühne zu stehen, könne sie gut verstehen. „Das ist wie eine Droge.“ Und schließlich habe die Diva mehr Tonträger verkauft als sie selbst.

Dieses Jenkins-Phänom sei nur in Amerika möglich, ist Donna Leon überzeugt. „Die Europäer hätten sie niemals zu einer Kultfigur gemacht“, sagt sie. In Amerika gebe es diese „Leben deinen Traum-

Mentalität.“ DiDonato hält ihr Charisma und ihren Glauben an sich selbst für das Erfolgsgeheimnis.

Sie hätte sich aber nie auf die Rolle eingelassen, wenn es darum gegangen wäre, sich über Jenkins lustig zu machen. Das habe man die letzten 80 Jahre getan. „Wir zeigen ihre Sichtweise und nehmen uns die Zeit, ihre Geschichte zu erzählen“, sagt sie. Am Ende habe man ihr mit dem Film das gegeben, was Florence Foster Jenkins wollte: durch ihrem Gesang berühmt werden und Freude bringen.

Alessandra Röder

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