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Kultur im Norden Familienfeier bei den Manns
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21:14 24.06.2017
Lucia (links) und Hannah Mann mit ihrem Vater Jindrich, dem Enkel Heinrich Manns. Sie sind aus Berlin zur Eröffnung der neuen Ausstellung nach Lübeck gekommen. Quelle: Fotos: Felix König

Lübeck. Wenn er nach Lübeck komme, sagt Jindrich Mann, so habe er immer das „seltsame wie angenehme Gefühl einer vertrauten Fremde, einer fremden Vertrautheit“. Der Enkel von Heinrich Mann ist Regisseur und Autor in Prag und Berlin, mit seinen Töchtern Lucia und Hannah und seinem Bruder Ludvig nahm er gestern an der Eröffnung der neuen Ausstellung „What a family!“ im Buddenbrookhaus teil.

Die wurde zunächst wie eine Familienfeier zelebriert an einer langen Tafel mit Kaffee und Streuselkuchen im Börsensaal des Rathauses, mit Reden, Musik und Rezitationen aus Briefen der Mann-Kinder.

„What a family!“ schrieb Klaus Mann im Mai 1945 an seine Mutter. Als Soldat der U.S. Army war er in Europa und hatte einige Familienmitglieder besucht und sie sehr unterschiedlich „bewertet“. Diese Zeile aus Klaus Manns Brief gibt der Sonderausstellung den Titel, denn mit der Zerschlagung des Nationalsozialismus sei ein gemeinsamer Feind der Manns weggebrochen, und die Familienmitglieder mussten sich neu orientieren. Die Sonderausstellung zeichnet die Lebenswege der Kinder von Thomas und Heinrich Mann ab 1945 nach und ist zunächst – dunkel. Die schwarzen Wände sollen den Schatten der berühmten Väter symbolisieren. Jedem Kind ist eine eigene Station in knalligen Farben gewidmet, die nach außen allerlei Ecken und Kanten aufweisen, ganz wie die Manns. Zu sehen sind unter anderem Golo Manns Schreibmaschine, ein Foto von Thomas Mann, das neben Erikas Bett stand, die Medaillen von Elisabeth Mann-Borgese für ihr Engagement für die Weltmeere. Briefe, die man sich wie einen Kassenbon ausdrucken kann, belegen das zum Teil schwierige Verhältnis der Geschwister untereinander, es geht um Erb-Streitigkeiten oder die Deutungshoheit über die Väter.

Wie erfrischend entspannt die übernächste Generation mit dem „Schatten“ der berühmten Vorfahren umgeht, belegen Interviews mit Lukas Mann, dem Ur-Urenkel von Thomas Mann, und mit Hannah und Lucia Mann, für die die Ahnen im Alltag überhaupt keine Rolle mehr spielen. Lukas Mann gibt freimütig zu, noch kein einziges Buch von Thomas Mann gelesen zu haben.

Es sei eine „Laborausstellung“, betont Museumsleiterin Birte Lipinski, denn mit dem geplanten Umbau und der Erweiterung des Buddenbrookhauses werde sich auch das Konzept der Ausstellung ändern. Neue Ansätze werden getestet. So haben acht Jugendliche vom Bildungsprojekt „Literatur als Ereignis“ einen Psycho-Test erarbeitet, in dem jeder Besucher testen kann, mit welchem Mann-Kind er sich am besten verstehen würde. Außerdem haben sie sich selbst in Klaus, Erika, Golo, Monika, Michael und Elisabeth Mann hineinversetzt, Monologe geschrieben und aufgenommen, die man sich in jeder Station anhören kann.

Dass an der langen Kaffeetafel gestern Lübecks Bausenatorin Joanna Glogau als erste das Wort ergriff, hatte gute Gründe: Die Erweiterung des Buddenbrookhauses nimmt Schwung auf. Gerade hat die Ausschreibung für den Architektenwettbewerb begonnen. Das Nachbarhaus, Mengstraße 6, wird ebenfalls Museum – auf verdoppelter Fläche soll eine komplett neue Ausstellung entstehen. Die aktuelle Sonderausstellung lässt die Vorfreude aufs neue Haus jedenfalls schon steigen.

What a family! – Das Programm

Die Sonderausstellung ist von heute an bis zum 19. November geöffnet und wird von etlichen Veranstaltungen begleitet:

5. Juli: Bestsellerautorin Sabine Bode liest aus „Das Mädchen im Strom“

1. September: Schauspielerin Anna Thalbach liest aus Texten und Briefen der Manns

26. August: Musik und Impro-Theater zur Museumsnacht von 18 bis 24 Uhr

20. Oktober: Szenische Lesung aus Briefen der Manns mit Musik

Petra Haase

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