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Farb-Welten in alten Industriehallen

Lübeck Farb-Welten in alten Industriehallen

Werke der Bosauer Malerin Ingrid Tödt werden in der Kulturwerft Gollan gezeigt.

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Farbexplosionen auf unverputzten Wänden: Galerist Eberhard Rauch mit großformatigen Bildern von Ingrid Tödt.

Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen

Lübeck. Die Künstlerin verlässt sich ganz auf ihre Bilder. Heute bei der Eröffnung ihrer Ausstellung in der Kulturwerft Gollan wird Ingrid Tödt nicht anwesend sein. Auch vorab möchte sie sich nicht äußern. Zu der Ausstellung nicht, zu ihren Bildern nicht. Das überlässt sie voll und ganz ihrem Schwager und Galeristen Eberhard Rauch.

LN-Bild

Werke der Bosauer Malerin Ingrid Tödt werden in der Kulturwerft Gollan gezeigt.

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Der hat 30 der 60 bis 70 ihrer Gemälde, über die er verfügen kann, für die Ausstellung ausgewählt. Bilder, von denen die meisten strotzen vor Farbenfreude und die Vergnügen und Lebenslust in die alten Industriehallen der Kulturwerft bringen. Bilder, die die beeindruckenden, aber nüchternen Räume leuchten lassen.

Farbkompositionen sind dabei, die auch diesen Titel tragen und verschwenderisch schillern zwischen Blau, Grün, Gold, Rot. Häufig, aber nicht immer, sind die Farben dick aufgetragen, mit breitem Pinsel auf die Leinwand aufgebracht und anschließend mit dem Spachtel bearbeitet.

Ihr Stil wird gern als abstrakter Expressionismus bezeichnet. Doch Ingrid Tödt malt auch figurativ. Und selbst in ihren abstrakten Bildern lassen sich Menschen oder Dinge erkennen. Das golden scheinende Segel eines Segelboots, das Gesicht einer Frau im Profil, ein hochgewachsener, farbig gekleideter Mensch ohne Konturen, aber von spürbarer Anmut und Eleganz.

Ingrid Tödt, 1965 in Kiel geboren, hat früh mit dem Malen begonnen, nach dem Abitur Unterricht genommen. Oft war sie in der Welt unterwegs: in den USA, in der Karibik, in Afrika. Was sie dort gesehen und erlebt hat, ist in ihren Bildern zu besichtigen. „Afrikanerinnen am Fluss“ heißt eines ihrer Gemälde, das beherrscht wird von flammendem Rot, schimmerndem Grün und sandigem Gelb, ein Bild Afrikas, das Erwartungen erfüllt, aber Klischees weder bedient noch stärkt.

Bei den „Afrikanerinnen am Fluss“ handelt es sich um eines von drei Bildern, die 2007 auf Reisen gegangen sind. Sie wurden auf der Kunstbiennale in Florenz ausgestellt, einer Kunstmesse, auf der Arbeiten vorwiegend von zeitgenössischen Künstlern gezeigt und verkauft werden. Auf anderen Bildern bringt Ingrid Tödt in flammenden Rot-Tönen den Tango zum Glühen. Ihre Gemälde haben oft sehr konkrete Titel wie etwa „Laternelaufen“– auf dem Bild erleuchten größere und kleinere gelbe, goldene oder rote Flächen eine blaue Nacht.

Es ist, als wollte Ingrid Tödt die Welt von der Genauigkeit der Formen lösen und zeigen, dass sie diese nicht braucht, dass mit Farbe alles auszudrücken ist, vielleicht weniger exakt, aber besser und treffender.

Wer es ganz und gar figurativ mag, kann sich der „Brandung in der Nacht“ zuwenden oder den Arbeiten „Vor Mallorca“ und „Segler“. Auf dem Bild „Fluss“ windet sich ein Gewässer durch eine grüne, leicht hügelige Landschaft. Vielleicht ein Motiv aus der Nähe des heimatlichen Ortes Bosau. Um ihre „Landschaft in Schweden“ als solche zu erkennen, muss man sich dagegen schon mehr Mühe geben, was nicht nur an den großzügigen Formen, sondern auch an der Wahl der Farben liegt. Die schwedische Landschaft kommt nämlich nicht nordisch klar und kühl, sondern tiefblau und rotleuchtend daher. Es sind Bilder, die man gerne betrachtet, auch wenn im Überschwang mal die Grenze zum Kitsch überschritten wird, sich im Farbenspiel „Junger Liebe“ ein Herz aufdrängt.

2008 hat Ingrid Tödt das Malen eingestellt. In seiner Galerie in Bosau stellt Eberhard Rauch immer mal wieder eine Auswahl ihrer Bilder aus. In der Gollan Kulturwerft gibt es nun erstmals wieder eine größere Einzelausstellung. „Sie freut sich sehr darüber“, versichert der Galerist.

Vielleicht kann er eines Tages neue Bilder von Ingrid Tödt zeigen: „Ich gehe davon aus, dass sie irgendwann wieder malen wird.“

Vier Tage Kunst

Die Ausstellung „Inspirationen“ mit Werken von Ingrid Tödt wird heute um 11 Uhr in der Kulturwerft Gollan eröffnet. Galerist Eberhard Rauch wird eine einführende Rede halten.

Geöffnet ist die Schau bis zum 15. August: heute und morgen von 11 bis 18 Uhr, Montag und Dienstag von 13 bis 18 Uhr. Kulturwerft Gollan, Einsiedelstraße 6 in Lübeck. An den beiden auf die Ausstellung folgenden Tagen bleibt sie für Besucher der beiden SHMF-Konzerte zugänglich.

Liliane Jolitz

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