Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 15 ° Regen

Navigation:
Fasziniert von der Liebe

London/Lübeck Fasziniert von der Liebe

Eben erst tourte Joan Armatrading mit ihrem Soloprogramm um die Welt. Nun kann sie erstmal die Füße hochlegen und heute ihren 65. Geburtstag feiern.

Voriger Artikel
Zirkus Böhmermann
Nächster Artikel
Es gilt das gesprochene Wort

Die Gitarre ist immer dabei: Joan Armatrading bei einem Fotoshooting und einem Auftritt in Berlin (kl. Foto).

Quelle: Fotos: Ddp Images, Dpa, Olaf Malzahn (2)

London. Ihre rauchige Stimme ist alterslos, sie erreicht immer noch die hohen Töne ihrer Jugend und reißt ihre Fans zu Beifallsstürmen hin. Gerade beendete Joan Anita Barbara Armatrading nach 42 Bühnenjahren und 23 Alben ihre erste Welttournee als Solokünstlerin. Nun feiert die Liedermacherin am heutigen Mittwoch ihren 65. Geburtstag.

Geboren 1950 in der Karibik und aufgewachsen in Birmingham, fing die Britin mit 14 Jahren an, Lieder zu schreiben — Songs um Liebe und Würde; unabhängig und verletzlich zugleich.

Angeblich soll der Wunsch, Musik zu machen, von Van Morrison inspiriert worden sein. Noch heute erinnert sie sich, wie sich ihr erster Hit „Love and Affection“ in ihrem Kopf formte, während sie die Londoner Kings Road entlangging. Einem neuseeländischen Nachrichtenportal sagte sie in einem ihrer seltenen Interviews über eine der Zeilen: „Sie handelt tatsächlich von einer Person, die mich dazu bringen wollte, mich zu verlieben... aber ich werde nichts weiter dazu sagen.“

Durchbruch mit Auftritt

im „Rockpalast“

In den 70er Jahren dominierten Disco, Europop und Punk die britischen Charts. Dann erschien 1976 wie aus dem Nichts Joan Armatrading — ein karibisches, schlaksiges Mädchen mit Altstimme, coolem Afro und akustischer Gitarre. Innerhalb weniger Jahre wurde Armatrading die erste schwarze britische Liedermacherin, die internationale Erfolge feierte, zum Beispiel mit „Me Myself I“ und „Willow“. In Deutschland schaffte sie den Durchbruch 1980 mit ihrem legendären „Rockpalast“-Auftritt in Essen. Schon davor waren ihre Platten in westdeutschen Radiosendern gespielt worden, nach der „Rockpalast“-Sendung im WDR-Fernsehen aber war sie ein Superstar.

Nur in den USA blieb ihr lange der Erfolg verwehrt, auch weil ihre Musik den Zuhörern zu „weiß“ erschien. Erst ihr 2007er Album „Into the Blues“ debütierte auf Platz eins der amerikanischen Billboard Blues Charts, das erste Mal, dass sich eine britische Künstlerin an die Spitze setzte.

2010 trat Joan Armatrading im Lübecker Werkhof auf. Die „Lübecker Nachrichten“ schrieben damals: „So lange haben die Lübecker auf Joan Armatrading gewartet, da machen die 20 Minuten Verspätung, die sich die Künstlerin gönnt, auch nichts mehr aus. Geduldig warten Hunderte Zuschauer im Werkhof. Als sie endlich die Bühne betritt, applaudieren die Gäste minutenlang.“ Die Gitarre spielte sie selber, drei Musiker begleiteten sie an Schlagzeug, Keyboard und Bass. Dabei spielte sie die neuen Songs von ihrem 17. Studioalbum „This Charming Life“. Nochmal die LN: „Joan Armatrading und die Lübecker — das ist von Beginn an eine gelungene Kombination. ,Ich bin so froh, dass so viele hier sind‘, plaudert sie, ,man hatte mir gesagt, dass vielleicht nur vier Leute kämen.‘ Sie selber hat dieser Prognose keinen Glauben geschenkt.“

Die Sängerin ist bekannt für ihre Schüchternheit und wehrt alle persönlichen Fragen so erfolgreich ab, dass sie schon als Kind „Joan Armourplating“, die gepanzerte Johanna, genannt wurde. Was wir über ihr Privatleben wissen, lässt sich in zwei Sätzen zusammenfassen: Sie isst vegetarisch, trinkt weder Alkohol noch Kaffee, lief 2008 den New York Marathon, und ihr Lieblingsmusiker ist Johann Sebastian Bach. 2011 schlossen Armatrading und ihre langjährige Freundin, die Künstlerin Maggie Butler, eine zivile Partnerschaft auf den schottischen Shetland-Inseln.

Aber das ist Joan Armatrading ganz recht: Sie will eigentlich nur über ihre Kunst reden und bis an ihr Lebensende Musik machen. Auf ihrer Website schreibt sie: „Liederschreiben liegt mir im Blut. Am glücklichsten bin ich, wenn ich schreiben kann.“

Größte Erfolge
Obwohl Joan Armatrading eher als Album-Künstlerin gilt, wurden etliche ihrer Songs zu Hits:

„Drop the Pilot“ (1980)


„Down to Zero“ (1976)


„Me Myself and I“ (1980)


„All the Way from America“ (1980)

Ihr 2007 veröffentlichtes Album „Into the Blues“ schaffte es auf den ersten Platz der US Billboard Blues Charts.
Ich bin so froh,
dass so viele hier sind. Man hatte mir gesagt, dass vielleicht nur vier Leute kämen."Joan Armatrading bei einem
gefeierten Konzert im Lübecker
Werkhof im Herbst 2010

Uli Hesse

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Norden