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Festspiele: Es geht um Flucht und Migration

Recklinghausen Festspiele: Es geht um Flucht und Migration

. Die Geschichte bewegt auch noch 70 Jahre später: Im eisigen Nachkriegswinter 1946/1947 fuhren Hamburger Theaterleute mit einem Lastwagen ins Ruhrgebiet, ...

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Intendant Frank Hoffmann mit dem Motto der Festspiele.

Recklinghausen. . Die Geschichte bewegt auch noch 70 Jahre später: Im eisigen Nachkriegswinter 1946/1947 fuhren Hamburger Theaterleute mit einem Lastwagen ins Ruhrgebiet, um Kohle für ihre Spielstätten aufzutreiben. Kumpel der Zeche König Ludwig 4/5 in Recklinghausen halfen den frierenden Künstlern — und schleusten an der englischen Besatzungsmacht die Kohle vorbei. Im Sommer darauf kamen die Schauspieler zurück ins Revier und bedankten sich mit Theateraufführungen. „Kunst gegen Kohle“ — die Ruhrfestspiele, eine Verbrüderung von Künstlern und Kumpel, waren geboren.

Heute sind bis auf eine Grube alle Zechen im Revier stillgelegt, und es gibt nur noch einige tausend Bergleute. Die Ruhrfestspiele aber sind eines der größten und renommiertesten Theaterfestivals in Europa. Bodenständig geht es im Recklinghausener Festspielhaus zu. Gespielt wird auch in alten Industriehallen und Zelten.

Und das Festival hat auch einen politischen Anspruch. Zum 70. Geburtstag kreisen zahlreiche Produktionen um die Flüchtlingskrise und Migration. Das diesjährige Motto „Mittelmeer — Mare Nostrum?“ hat Intendant Frank Hoffmann mit einem Fragezeichen versehen. Denn was die Römer in der Antike „unser Meer“ nannten, ist heute für Tausende Flüchtlinge auf der Suche nach einer sicheren Heimat eine todbringende Grenze. „Wir können nicht an der Wirklichkeit vorbeigehen“, sagt Hoffmann. „Da wo es weh tut, müssen Kunst und Theater aktiv werden.“ Das Flüchtlingsthema sei in vielen Stücken präsent. So bearbeitet Romeo Castellucci die „Orestie“ von Aischylos, während Elfriede Jelinek aus der 2500 Jahre alten Tragödie „Die Schutzflehenden“ des griechischen Dichters ein hochaktuelles Theaterstück gemacht hat. Jedes Jahr zieht es große Schauspieler nach Recklinghausen: Hanna Schygulla, Peter Simonischek oder Ulrich Matthes sind diesmal dabei.

• Internet: www.ruhrfestspiele.de/de/festspielkalender

LN

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