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Kultur im Norden Frank Zappa – Genie und Bürgerschreck
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18:59 04.12.2018
„Jazz ist nicht tot, er riecht nur komisch“: Frank Zappa (hier im September 1992 in der Alten Oper in Frankfurt am Main). Quelle: AP
Lübeck

„Ich wollte nie den Eindruck eines Verrückten erwecken. Es waren immer andere Leute, die mich für einen Verrückten gehalten haben“: Frank Vincent Zappa, geboren 1940 in Baltimore, gestorben am 4. Dezember 1993 in der Nähe von Los Angeles, war sich Zeit seines Lebens wohl immer sicher, was er wollte. Vieles davon war sehr anspruchsvoll, der Rest völlig normal, fast schon spießig. Dass andere ihn als durchgeknallten Freak sahen, hat er – zumindest in der Öffentlichkeit – mit einem süffisanten Lächeln hingenommen.

Frank Zappa wollte Musik machen. Gute Musik! Musik, die sich nicht nach einem von Plattenfirmen erzeugten oder zumindest brutalstmöglich ausgeschlachteten Massengeschmack richtete. Dass dabei eine Musik herauskam, die irgendwo zwischen Rock, Pop, Jazz und Klassik hin und her wabert, bei der man zuhören, staunen, mitsingen, tanzen oder auch mal verzweifeln kann, die manchmal lustig, mal obszön, mal verträumt und manchmal ziemlich sperrig ist: All das macht Zappas Œvre so einzigartig. Und so aktuell, bis heute, 25 Jahre nach seinem viel zu frühen Tod.

Zappa-Zitate

Frank Zappahat nicht nur virtuos mit Noten gespielt, sondern auch mit Worten. Hier einige Zitate: „Jazz ist nicht tot – er riecht nur komisch“

Frage im Interview: „Frank, du hast lange Haare. Macht dich das zu einer Frau?“ Antwort: „Du hast ein Holzbein. Macht dich das zu einem Tisch?“

„Der Kommunismus funktioniert nicht, weil die Menschen es mögen, etwas zu besitzen.“

Tabak ist mein Lieblings-Gemüse.“

„Geh zum College, wenn du flachgelegt werden willst. Wenn du was lernen willst, dann geh in die Bibliothek.“

„Die gesamte gute Musik wurde schon geschrieben – von Leuten, die Perücken und solche Sachen trugen.“

„Es gibt keine Hölle. Es gibt nur Frankreich.“

„Über Musik zu reden ist wie über Architektur zu tanzen.“

Zappa war zweifelsohne mit seiner Musik ein Avantgardist. Und er war ein Eulenspiegel, der der amerikanischen Gesellschaft mit Zynismus und Obszönitäten den Spiegel vorhielt. Er nahm bei jeder Gelegenheit die TV-Evangelisten aufs Korn, veralberte Politiker, persiflierte Musikerkollegen und machte sich an einem Tag über Hippies, am nächsten über den „American Way of Life“ lustig. Und gleichzeitig war er ein Normalo: Er lebte – ordentlich verheiratet – mit seiner Frau und seinen vier Kindern Moon, Ahmed, Dweezil und Diva in Laurel Canyon in Kalifornien. Mit Drogen hatte er so gar nichts am Hut; Zappa rauchte viel und trank Unmengen Kaffee, doch mit Hasch oder härteren Drogen konnte er nichts anfangen. Im Gegenteil: Zappa soll stets darauf bestanden haben, dass die Musiker in seinen Bands „clean“ waren.

Und. . . Sex? Ja, Zappa hat in zahlreichen Songs über alle möglichen Formen der Sexualität gesungen. Und weil er das nicht verschwurbelt, sondern explizit tat, hatte er nicht selten Ärger mit selbst ernannten Moralaposteln und auch dem Gesetz. Dabei war seine Haltung so einfach wie logisch: Sex ist nicht verboten, also kann es doch nicht verboten sein, darüber zu singen. Außerdem garantiere der 1. Zusatzartikel der amerikanischen Verfassung das Recht der freien Rede. Punkt.

Ach, und übrigens: Frank Zappa hat Musik gemacht. Sehr viel Musik. Zu Lebzeiten sind mehr als 60 Alben von ihm veröffentlicht worden, nach seinem Tod mindest 40 weitere von seinem Familienunternehmen. Zappa suchte sich für seine oftmals rhythmisch und harmonisch echt komplizierte Musik die besten Musiker – und so manch einer wurde durch die Mitgliedschaft in Zappas Band selbst zur Legende. Der Keyboarder George Duke, die Gitarristen Lowell George, Steve Vai und Adrian Belew, die Schlagzeuger Chester Thompson, Terry Bozzio, Vinnie Colaiuta und Chad Wackermann – sie und viele andere grandiose Musiker wurden auch durch ihre Zusammenarbeit mit Frank Zappa berühmt. Zappa selber gilt vielen als Gitarrenvirtuose – er selber sah das nicht so. Tatsache ist: Seine oft viele minutenlangen Soli sind nicht jedermanns Sache, aber sie sind äußerst markant und unverkennbar. Und die Fans lieben sie. Er hatte einen ganz eigenen Stil. Und bei seiner letzten Tour mit einer großen Band, mit der er 1988 auch in Hamburg auftrat, legte er zeitweilig die Gitarre zur Seite und dirigierte lieber.

Und heute? Viele Musiker nennen bei der Frage nach Musikern, die sie beeinflusst haben, den Namen Zappa. Die alljährlich in Bad Doberan stattfindende und weltweit bekannte „Zappanale“, ein Festival, dass ausschließlich Frank Zappas Musik zum Thema hat, zeigt, wie lebendig die Musik des Namensgebers auch 25 Jahre nach seinem Tod ist. Jedes Jahr tauchen dort Bands auf, die sich äußerst produktiv mit der Musik des Mannes auseinandersetzen, den viele für einen Verrückten hielten. Und der doch eher ein Genie war.

Andreas Heß

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