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Frankfurts Stadtmuseum mit neuem Konzept

Frankfurts Stadtmuseum mit neuem Konzept

Frankfurt am Main. Zehn Jahre hat die Sanierung des Frankfurter Stadtmuseums gedauert. In dieser Zeit haben sich Ausstellungsmacher einiges einfallen lassen. Künftig werden auf mehr als 4000 Quadratmetern in drei Gebäuden rund 4000 Objekte gezeigt.

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Zehn Jahre saniert: Museumsdirektor Jan Gerchow vor dem Historischen Museum in Frankfurt am Main.

Quelle: Foto: Arne Dedert/dpa

Frankfurt hat sich die Neugestaltung seines „Museumsquartiers“ – wie sich der Komplex jetzt nennt – 75 Millionen Euro kosten lassen. Im rund 54 Millionen teuren Neubau sind die knapp zehn Millionen Euro für die Neukonzipierung der Ausstellungen enthalten. Zuvor war der aus mehreren Gebäuden bestehende Altbau des Stadtmuseums für 20 Millionen Euro saniert worden. Nach zehn Jahren Sanierungszeit mit inhaltlicher Neuorientierung spricht Museumsdirektor Jan Gerchow von einem Universalmuseum.

1877 errichtet, gehört es zu den größten Stadtmuseen in Europa. Frankfurts große Geschichte von der Stauferpfalz über die freie Reichsstadt bis zur Finanzmetropole wird dabei nicht mehr wie früher chronologisch erzählt, sondern thematisch. Vielfach wird sie mit modernster Digital- und Videotechnik aufbereitet. Die Kehrseite des Konzepts: Es gibt keine Einzelausstellungen zum Thema NS-Zeit oder auch zu Fragen der Migration – immerhin gilt Frankfurt als internationalste Stadt Deutschlands.

So geht es in der Dauerausstellung zu „Frankfurt einst“ um Themen wie „Geldstadt“, „Bürgerstadt“ oder „Weltstadt“. Am Einzelobjekt versucht das Museum stets, Erhellendes zu illustrieren. So ist etwa das „Gontardsche Puppenhaus“ aus der Mitte des 18. Jahrhunderts zu sehen, mit dem Kinder ins Hauswirtschaften eingeführt werden sollten. Schließlich bezieht sich das Wort „Ökonomie“ eigentlich auf den Haushalt.

Zu den weiteren Highlights des Museums gehören der Mainhafen aus der Stauferzeit, der bei den Bauarbeiten im Untergrund des Museums in vier Meter Tiefe zufällig entdeckt wurde. Die Freilegung hat die Sanierung um eineinhalb Jahre verzögert und weiter verteuert. Jetzt kann der aus dem Beginn des 14. Jahrhunderts stammende Hafen über eine Galerie bestaunt werden.

Publikumsrenner dürfte die Arbeit des Rotterdamer Künstlers Hermann Helle werden. Er hat auf 70 Quadratmetern ein Stadtmodell Frankfurts konstruiert, für das er neben Geldscheinen auch Klobürsten und Dominosteine verwendet hat. Als Material für Bankentürme und Häuser hat er neben Holz auch Alufolie, Radiergummis und Dominosteine verwendet. Helle hat daran monatelang mit zwölf Mitarbeitern gewerkelt.

Das Museum will auch die Einwohner an Ausstellungen aktiv beteiligen. Bereits in den vergangenen Jahren wurde dafür ein „digitales Stadtlabor“ eingerichtet. Die gewaltig wachsende Zahl der Touristen aus dem Ausland soll mit Kurzführungen erreicht werden. Maximal 30 Minuten hat Gerchow dafür realistisch einkalkuliert – zwischen den Einkäufen von Frankfurt-Souvenirs.

LN

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