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Frauen-Power und Funk-Rhythmen

Niendorf Frauen-Power und Funk-Rhythmen

Der Auftakt zum Festival Jazz Baltica in Niendorf wurde zu einer bunten Party. Eine Frauen-Band stand im Mittelpunkt.

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Die nur mit Frauen besetzte JazzBaltica All Stars Band 2016 spielte am Freitag in der Halle der Evers-Werft in Niendorf. Leiterin Ann-Sofi Söderqvist bot mit ihrer Band viele Balladen, zu denen die Stimme der Sängerin Lena Swanberg ausgezeichnet passte.

Quelle: Fotos: Olaf Malzahn

Niendorf. Copenhagen Brass als Marching Band am Hafenbecken, Frauen-Power auf der Bühne der großen Halle der Evers-Werft, ein Duett zwischen Vater und Sohn Dauner, danach bis zur Mitternacht „Happy Birthday, Nils Landgren“ – das war der bunte Auftakt von Jazz Baltica 2016. Zum fünften Mal findet das Treffen der Jazzfans am Niendorfer Hafen statt, und zum fünften Mal steht es unter Leitung des Mannes mit der roten Posaune, des Schweden Nils Landgren.

LN-Bild

Der Auftakt zum Festival Jazz Baltica in Niendorf wurde zu einer bunten Party. Eine Frauen-Band stand im Mittelpunkt.

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Üblicherweise spielt zum Beginn das von Landgren immer wieder neu zusammengestellte Jazz Baltica-Ensemble. Dieses Mal sollte es anderes sein. Nils (er stellt sich immer nur mit Vornamen vor) wählte nicht Freunde, sondern Freundinnen aus, die sich zur Bigband formierten. Eine große Band braucht eine Leiterin. Ann-Sofi Söderqvist heißt die Schwedin, von der Landgren in höchsten Tönen schwärmt.

Sie hatte ausgezeichnete Solistinnen in der der schwedisch-norwegisch-deutschen Gruppe, am Saxofon, an der Posaune, am Bass, am Piano, an der Gitarre, an der Trompete, am Schlagzeug.

Die Jazz Baltica All Stars, wie die Damen sich nennen, boten ein Programm zum Zuhören, will sagen, nicht unbedingt zum Tanzen oder Toben. Balladen erklangen, von Liebesfreud und Liebesleid wurde gesungen. Ann-Sofi Söderqvist hat sie geschrieben oder arrangiert. Auch wenn es im Tempo getragen wurde, ging das Publikum konzentriert mit. Konzert Nr. 1 war ausverkauft. Großen Anteil am Erfolg hatte Sängerin Lena Swanberg, die Vokalisen sitzen, viele der Textzeilen in Englisch sind sogar zu verstehen. Bei der Zugabe griff die Dirigentin zur Trompete. Es ist schließlich ihr Instrument, und natürlich beherrscht sie es ausgezeichnet.

Wolfgang und Florian Dauner, Klavier und Schlagzeug – das wurde zu einer spannungsreichen Begegnung. Die Hände mögen gealtert sein. Die Finger aber fliegen bei Wolfgang Dauner wie eh und je nur so über die Tasten. Er bot mit Sohn Florian auch Experimentelles, spielte Elektronik ein, kommentierte solche Sequenzen am Klavier und in passgenauem Zusammenspiel mit dem Junior. Klaviergirlanden und Schlagzeugsalven antworteten auf schrille Saxofonklänge aus der Maschine.

Wolfgang Dauner, die Jazzlegende, feiert laut Landgren seit Dezember seinen 80. Geburtstag. Obwohl jeder eigene Projekte verfolgt, spielen Vater und Sohn von Zeit zu Zeit gemeinsam. Sie reagierten musikalisch sogar auf jüngste politische Ereignisse. Einen ihrer Titel variierten sie kurzerhand, musikalisch und bei der Überschrift: „Who let the Brexit out?“ Ein bewährtes Stück des Altmeisters, nämlich „Transtanz“, bildete energiegeladen den Abschluss des Auftritts.

Danach wurde der Saal leergeräumt. Nils Landgren und seine „Funk Unit“ bestritten den letzten Teil des Tages. Jedenfalls in der großen Halle. Der Geburtstag des Chefs – er wurde im Februar 60 Jahre – stand nicht ständig im Mittelpunkt. Dafür die fetzige, mitreißende Musik. Schon bei den ersten Stücken änderte sich die Atmosphäre. Aus andächtig Zuhörenden wurden Tänzerinnen und Tänzer. Eine freudige Nachricht überbrachte das „Geburtstagskind“. Die Landesregierung habe für 2017 einen Zuschuss von 50000 Euro zugesagt. Der dann 27. Jahrgang von Jazz Baltica dürfte gesichert sein.

Heute bei Jazz Baltica

11 Uhr: Familienkonzert – „Peter und der Wolf“ von Sergei Prokofjeff, neu und jazzig arrangiert von Saxofonistin Tini Thomsen, mit Hella von Sinnen – leider ausverkauft.

12 Uhr: Kindermusikwerkstatt (Open Air, Eintritt frei) – zum Mitmachen für Kinder ab 4 Jahren.

13 Uhr: Joachim Kühn Trio (Gr. Halle) 14 Uhr: Trilogue mit der Pianistin Ninon Gloger (Open Air, Eintritt frei) 15.30 Uhr: Omer Klein Trio aus Israel, danach: NDR-Bigband mit dem polnischen Geiger Adam Baldych (Große Halle) 18 Uhr: We don’t suck, we blow! (Open Air, Eintritt frei) 20 Uhr: Mo’Blow, Jazz-Funk-Quartett aus Berlin; mit Gastmusiker Nils Landgren (Große Halle) 22 Uhr: Raivo Tafenau Quintett aus Estland (Night Stage)

Konrad Dittrich

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